Waiblingen

Fronackerstraße in Waiblingen: Geschäftsleute sehen Verkehrsberuhigung kritisch - hilft ein Einbahnstraßen-Versuch?

Fronacker / Winkler
Bei Blumen Winkler: Das Geschäft braucht die Kunden, die mit dem Auto kommen. © Gabriel Habermann

Über keine andere Straße in Waiblingen wird derzeit so viel diskutiert wie über die Fronackerstraße. Die schwierige Parkplatzsituation und Lärm von Autoposern verschlechtern die Aufenthaltsqualität – das zumindest ist unstrittig. Aber: Was tun? Immer lauter werden die Rufe nach Verkehrsberuhigung, nach Verbesserungen für Radfahrer, Fußgänger und Anwohner. Geschäftsleute indes befürchten negative Folgen, würden die Autos zu sehr verdrängt.

Selbst der Weg zur Tiefgarage der Volksbank ist vielen zu weit

Der Einzelhandel sei auf Parkplätze angewiesen, sagt Christel Linsenmaier, Chefin von Blumen Winkler in der Fronackerstraße. Ob man es gutheißt oder nicht: Viele Kunden tickten eben so, dass sie am liebsten direkt vor die Ladentür parken möchten. Selbst der Weg zur nicht ausgelasteten Tiefgarage der Volksbank sei vielen schon zu weit. Noch dazu brauche ihr Geschäft auch Kunden, die „mehr einkaufen, als in eine Stofftasche oder einen Fahrradkorb passt“.

Wer seinen Balkon mit zehn neuen Geranien bestücken möchte, ist froh, wenn er die Pflanzen gleich in den Kofferraum laden kann. Bei Blumensträußen handle es sich um verderbliche Ware, die keiner lange zu Fuß spazieren trage.

Nur von Radfahrern und Fußgängern kann niemand leben

Parkplätze zu reduzieren, erscheint Christel Linsenmaier daher „nicht zielführend“. Zwar stelle ihr Geschäft selbst Stellplätze zur Verfügung, diese seien oft von mehr Autos belegt, als sich zur gleichen Zeit Leute im Laden befinden. Eine passende Lösung habe sie nicht parat, gesteht sie. So könne der Ordnungsdienst nicht dauernd Patrouille laufen und kontrollieren. Wer aber glaube, die Geschäfte könnten nur von Radfahrern und Fußgängern leben, der sei „nicht von dieser Welt“.

Sanitätshaus hat im Gewerbegebiet neu gebaut

Beim Sanitätshaus Gunser wird die Parkplatz-Situation inzwischen entspannter gesehen als in der Vergangenheit, denn: 2018 wurde eine neue, großflächige Zentrale im Gewerbegebiet Eisental eröffnet – mit Parkplätzen vor der Tür. Was für das Sanitätshaus besonders wichtig ist, zumal viele Kunden schlecht zu Fuß sind. Die schwierige Parkplatz-Situation sei nicht der einzige, aber mit einer der Gründe für den Neubau gewesen, sagt Annette Gunser.

Die Filiale in der Fronackerstraße blieb nicht zuletzt für den Teil der Kundschaft, der zu Fuß kommen kann, erhalten. Allerdings wünscht sich die Inhaberin, dass die Straße insgesamt attraktiver gestaltet wird.

Die Idee des grünen Rings

Die Situation in der Fronackerstraße treibt auch den Bund der Selbstständigen um. Ein Grundsatz-Konflikt scheint im Prinzip der Wohn- und Geschäftsstraße seit je angelegt: „Die Geschäfte müssen erreichbar sein, aber das steht in einem Spannungsverhältnis zu den Anwohnern“, sagt BdS-Vorsitzender Ullrich Villinger. Vor Jahren schon wurde die Idee des „Grünen Rings“ mit einer Einbahnstraßenregelung durch Fronacker- und Bahnhofstraße von der Stadt und den durch sie beauftragten Verkehrsplaner verworfen. Es entstehe durch den im Ring kursierenden „Ziel- und Quellverkehr“ unterm Strich sogar ein höheres Verkehrsaufkommen, hieß es.


Besser als Leerstand

Mit diesem Fazit mag sich der BdS jedoch nicht für alle Zeiten zufrieden gegen: „Man sollte die Einbahnstraßen-Regelung zumindest eine Zeitlang ausprobieren“, finden Ullrich Villinger und sein BdS-Stellvertreter Harald Sauter. Ein Verkehrsversuch in der Praxis bringe mehr Erkenntnis als jedes Gutachten. Der Grüne Ring biete die Chance auf eine Entspannung der Park-Situation und auf mehr Aufenthaltsqualität – und er könne Platz schaffen für Fahrradfahrer. Gibt es keinen Begegnungsverkehr mehr, werden die Straßen schmaler, werden Räume frei.

Neubebauung des Avia-Areals

Der Waiblinger Gemeinderat wird sich noch in diesem Oktober – allerdings noch nicht in der kommenden Woche im Ratsausschuss – öffentlich mit der Verkehrsproblematik in der Fronackerstraße sowie mit der Neubebauung des Avia-Areals beschäftigen. Anträge zur Bürgerbeteiligung liegen vor und werden wahrscheinlich eine Mehrheit finden. Bis eine große, konzeptionelle Lösung für die Fronackerstraße kommt, wird noch so mancher Lamborghini-Motor aufheulen und sich mancher Rückstau hinter Liefer-Transportern bilden, die auf der Straße stehen.

"Die jetzige Situation ist besser als Leerstand"

Mindestens bis dahin ist wohl gefragt, was der frankophile Inhaber des Fotogeschäfts Sauter-Kienzle bei seinen Reisen gelernt hat: Gelassenheit. Das sagt Harald Sauter als Privatmann, nicht als BdS-Vorstandsmitglied. Die Fronackerstraße habe Entwicklungspotenzial – Lärm und Verkehr sind so gesehen Zeichen dafür, dass sie lebt. „Die jetzige Situation ist besser als Leerstand.“

Vom Schicksal, das aus seiner Sicht die Marktgasse erlitt, soll die Fronackerstraße verschont werden. Dort habe sich Edeka verabschiedet, weil über weitere Verkehrsberuhigungen diskutiert wurde.

Über keine andere Straße in Waiblingen wird derzeit so viel diskutiert wie über die Fronackerstraße. Die schwierige Parkplatzsituation und Lärm von Autoposern verschlechtern die Aufenthaltsqualität – das zumindest ist unstrittig. Aber: Was tun? Immer lauter werden die Rufe nach Verkehrsberuhigung, nach Verbesserungen für Radfahrer, Fußgänger und Anwohner. Geschäftsleute indes befürchten negative Folgen, würden die Autos zu sehr verdrängt.

Selbst der Weg zur Tiefgarage der Volksbank

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper