Waiblingen

Fronackerstraße Waiblingen: Weniger Verkehr gewünscht – aber wie geht das?

Fronackerstraße
Die Fronackerstraße: Sorgenkind der Waiblinger Kommunalpolitik. © ALEXANDRA PALMIZI

Mit der Bürgerbeteiligung zur Neugestaltung Fronackerstraße hatte die Stadt Waiblingen Neuland betreten, mit Erfolg. Zumindest, was die Resonanz anbelangt: 230 Menschen beteiligten sich. Das mit der Moderation beauftragte Kommunikationsbüro Rombach/Jacobi filterte mehr als 100 Seiten an Hinweisen aus den Rückmeldungen heraus. Wer allerdings gehofft hatte, danach zu wissen, was „der Bürger“ oder „die Waiblingerin“ denkt, sieht sich enttäuscht. Das Meinungsbild ist vor allem eins: widersprüchlich.

Beteiligt haben sich engagierte Bürger, Interessenvertretungen wie der Stadtseniorenrat, Ärzte, Einzelhändler, Immobilienbesitzer – und zu rund 90 Prozent, so die Einschätzung von Moderator Jürgen Vogt, „ganz normale Bürger“. Bei diesen handele es sich zu einem Drittel um Anwohner aus der Fronackerstraße und dem näheren Umfeld. Wer sich nicht gemeldet hat, das sind die viel geschmähten Autoposer. Umso mehr Teilnehmer haben ihr lärmendes Verhalten als Störfaktor benannt.

Über schnelle Maßnahmen wird im Juli beraten

Nach eingehender Beschäftigung mit den Antworten habe er selbst ein „tiefes Verständnis für die Stimmungslage“ entwickelt, versichert Vogt. Bei aller Verschiedenheit der Meinungen bestehe bei vielen die Erwartung, dass schon kurzfristig erste Veränderungen ins Werk gesetzt werden. Über schnelle Maßnahmen soll der Gemeinderat entsprechend schon im Juli beraten.

Die Vorschläge reichen von der Einführung des gemeinschaftlichen, auf Rücksichtnahme basierenden Verkehrskonzepts „Shared Space“ bis zur Ansiedlung eines „Cafés mit guten Torten“. Manche Ideen, vor allem bezogen auf den Verkehr und aufs Parken, laufen konträr. Es allen recht zu machen, wird nicht gelingen.

OB: „Die Bürger erwarten eine Entscheidung“

Kurzfristig die Buslinie zu verlegen oder eine Fußgängerzone einzurichten, werde sicher nicht gelingen, sagte Oberbürgermeister Andreas Hesky. Es werde nicht die eine Maßnahme geben, die Radfahrer, Autofahrer und Fußgänger gleichermaßen glücklich macht. Daher sein Appell an den Gemeinderat, seine Verantwortung wahrzunehmen: „Die Bürger erwarten eine Entscheidung, wir sind das gewählte Gremium.“ Bodenschwellen wie am Alten Neustädter Weg bei den Tennisplätzen sollten es keinesfalls sein. Diese hätten in der Vergangenheit, obwohl gut gemeint, die Menschen erst recht gegeneinander aufgebracht.

Positives Echo kam von den Stadträten, sowohl von „Grünt“ (Iris Förster: „Das hat sich wirklich gelohnt“) bis CDU (Ingo von Pollern: „Ich bin begeistert, wir haben eine lebendige Demokratie“). SPD-Chef Roland Wied forderte die Ratskollegen auf, sich selbst mit den Antworten zu befassen, statt die Arbeit der Verwaltung zu überlassen.

Bürgerbeteiligung sprach nicht nur Ältere an

Während Peter Abele (CDU) dazu mahnte, keine überhasteten Maßnahmen zu ergreifen, drängte Alfonso Fazio (ALI) darauf, den Menschen zu signalisieren, dass etwas passiert. Und Siegfried Bubeck (FW/DFB) verwies auf die Möglichkeit, Maßnahmen, die sich als nicht wirksam erweisen sollten, nach einem halben Jahr wieder zurückzunehmen. Die „Kombi“ aus verschiedenen Kanälen wir Postkarte oder Onlineportal habe jedenfalls „genau den Nerv der Zeit“ getroffen, lobt Tobias Märtterer („Grünt“). Bei einer klassischen Bürgerbeteiligung als Präsenzveranstaltung hätte der Altersdurchschnitt über 60 gelegen, vermutet er. Das innovative Beteiligungsformat beweise: „Die Bürger sind sehr wohl interessiert.“

Verkehrsberuhigung sei der große gemeinsame Wunsch, der nahezu alle Teilnehmer der Bürgerbeteiligung eint, fasst Jürgen Vogt die Rückmeldungen zusammen. Völlig unterschiedlich seien allerdings die vorgeschlagenen Wege, wie diese Verkehrsberuhigung erreicht werden könne, unter anderem wurden zeitweise Sperren und Einbahnstraßen-Lösungen diskutiert – zum Teil unter Einbeziehung der Bahnhofstraße wie einst bei der Idee des „grünen Rings“. Die Mehrheit der Teilnehmer wünscht sich offenbar weniger Autoverkehr in der Fronackerstraße. Um den viel beklagten Lärm zu verringern, wurden häufig Tempobegrenzungen vorgeschlagen. Diese könnten durch bauliche Maßnahmen und Kontrollen unterstützt werden.

Anwohner-Parken oder mehrstöckige Tiefgarage

Charakteristisch für die Fronackerstraße: Parken in der zweiten Reihe, Behinderungen durch Lieferverkehr, Gefährdung von Fußgängern und Radfahrern durch manövrierende Fahrzeuge. „Viele Teilnehmer der Bürgerbeteiligung sehen im Parken und Parkplatz-Suchverkehr einen wichtigen Faktor, der die Verkehrsbelastung erhöht“, so Jürgen Vogt. Gleichzeitig legten die ansässigen Einzelhändler und Dienstleister Wert auf eine gute Erreichbarkeit für Kunden. Besonders in diesem Punkt erweist sich das Meinungsbild als besonders widersprüchlich. Die einen fordern, das Parken nur noch für Anwohner und den Lieferverkehr zu erlauben. Andere wünschen eine mehrstöckige Tiefgarage beim ehemaligen Avia-Areal.

Viele Teilnehmer drängen darauf, dass Fahrradfahrer in der Fronackerstraße besser zu ihrem Recht kommen. Einige wollen, dass die wegen Rückstaus verlegte Buslinie wieder in die Fronackerstraße zurückverlagert werden soll.

Kritik hagelt es für die Shisha-Bar und die Spielcasinos. Frauen, die zu Fuß den Außenbereich der Gastronomie passieren, bekennen, sich dort nicht wohlzufühlen. Aber es gibt auch Lob für die „wunderschöne Außengastronomie“. Den Spielplatz empfinden viele als vernachlässigt. Das geplante Ärztehaus wird als sinnvoll begrüßt, aber es wird auch kritisiert, zum Beispiel wegen seiner Größe. So heißt es, an der Stele sollte lieber bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden – oder eine „schöne Grünfläche mit Bänken“.

Mit der Bürgerbeteiligung zur Neugestaltung Fronackerstraße hatte die Stadt Waiblingen Neuland betreten, mit Erfolg. Zumindest, was die Resonanz anbelangt: 230 Menschen beteiligten sich. Das mit der Moderation beauftragte Kommunikationsbüro Rombach/Jacobi filterte mehr als 100 Seiten an Hinweisen aus den Rückmeldungen heraus. Wer allerdings gehofft hatte, danach zu wissen, was „der Bürger“ oder „die Waiblingerin“ denkt, sieht sich enttäuscht. Das Meinungsbild ist vor allem eins:

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