Waiblingen

Fußverkehrscheck: So werden Waiblingen und Fellbach fußgängerfreundlich

Fußverkehrscheck
Die Waiblinger Innenstadt beim Postplatzforum. Radfahrer, Fußgänger und auch Autofahrer müssen hier gegenseitig aufeinander Rücksicht nehmen. © ZVW/Alexandra Palmizi

Hindernisse auf Gehwegen reduzieren, Fußgängern mehr Raum geben – und Konflikte mit Radlern und Autofahrern entschärfen: Das ist der Sinn des Fußverkehrschecks 2021 des Landes Baden-Württemberg, für den sich 59 Kommunen im Land beworben hatten. 15 wurden nun ausgewählt – darunter auch Waiblingen und Fellbach.

In einer Online-Pressekonferenz von Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) erklärten Vertreter der 15 Kommunen am Mittwoch, warum sie sich beworben haben und was sie sich konkret erhoffen. Der Waiblinger Oberbürgermeister Andreas Hesky legt bei dem Projekt seinen Schwerpunkt auf die Talstraße und die Fronackerstraße. Bei Letzterer läuft gerade eine Bürgerbeteiligung, bei der 287 Vorschläge zur Verbesserung der Lage in der Fronackerstraße eingereicht wurden.

Aus Sicht des seit 2011 amtierenden Verkehrsministers Hermann hat die Politik den Fußverkehr lange übersehen, vor allem zugunsten der Autos. Der Fußverkehrscheck, den es nun bereits zum siebten Mal gibt, soll das ändern – und zwar indem Kommunen mit praktischen Projekten Vorbild für andere sind. Ziel sei die fußgängerfreundliche Kommune.

Dem steht bislang nicht nur das Auto entgegen. Ob Elektro-Ladesäulen, Außengastronomie, Parkscheinautomaten oder parkende Fahrräder: Auf den meist engen Gehwegen wird der Platz oft noch zusätzlich eingeschränkt. Wer eine fußgängerfreundliche Kommune will, der muss zum Beispiel dafür sorgen, dass Gehwege barrierefrei zugänglich sind. Darauf sind Menschen mit Rollatoren und Rollstuhl sowie Eltern mit Kinderwagen schließlich angewiesen.

Ebenso ist es für eine fußgängerfreundliche Kommune wichtig, dass Fahrzeuge nicht die Sicht verdecken. Auch die Qualität der Gehwege spielt eine Rolle, ebenso die Aufenthaltsqualität an einem Ort, die zum Beispiel von Sitzgelegenheiten abhängt.

219 Kommunen haben sich in den vergangenen Jahren beworben

Waiblingen hatte sich wie andere Kommunen auch mehrfach um den Fußverkehrscheck des Landes beworben. Insgesamt 219 Städte und Gemeinden haben es mindestens einmal versucht – und das entspricht immerhin einem Fünftel der Kommunen im Land. Formal läuft das Ganze so ab, dass es einen Auftaktworkshop gibt, zwei Begehungen vor Ort, einen Abschlussworkshop sowie eine Vorstellung im Gemeinderat oder einem Ausschuss. „Wer sich mehrfach bewirbt, kommt mit Sicherheit dran“, sagte Winfried Hermann.

Waiblingen will ein Miteinander aller Verkehrsteilnehmer erreichen

Oberbürgermeister Andreas Hesky verwies darauf, dass Waiblingen sich seit 2020 noch mehr Bürgerbeteiligung verordnet hat – nicht zuletzt auf ausdrücklichen Wunsch des Gemeinderats. Zum Zug kommt diese bei der Neugestaltung der Fronackerstraße, über die es viel Unzufriedenheit gibt, sei es bei den stets zugeparkten oberirdischen Stellplätzen, den Rückstaus beim Ausparken oder dem Lieferverkehr. Ziel der Stadt ist es, dass in der Fronackerstraße künftig an alle gedacht wird, also auch an die Fußgänger. „Wir wollen das Miteinander aller Verkehrsteilnehmer erreichen“, betonte Hesky. Das gilt auch für die Talstraße, die sowohl für die Innenstadt als auch für die Anbindung von Wohngebieten wichtig ist. Die Schwierigkeit bei der Bürgerbeteiligung in der Fronackerstraße liegt laut Hesky darin, dass sich einige Verbesserungsvorschläge gegenseitig ausschließen.

Fellbach nimmt mit dem Projekt an der IBA 2027 teil

Auch die Waiblinger Nachbarstadt Fellbach will den Fußverkehrscheck 2021 nutzen, um ein bestimmtes Areal aufzuwerten. Im Westen der Stadt sollen Landwirtschaft und Industrie miteinander verbunden werden, auf einem insgesamt 110 Hektar großen Gebiet an der Stuttgarter Straße. Es ist gleichzeitig auch ein Projekt der Internationalen Bauausstellung 2027, kurz IBA. In dem künftigen Gewerbegebiet soll es dann zum Beispiel möglich sein, dass auf Dächern landwirtschaftlich produziert wird. Baubürgermeisterin Beatrice Soltys sprach von einer Chance für die „unsägliche Alte B 14“.

Verkehrsminister will „neue Geh-Kultur“

Finanziert wird der Fußverkehrscheck vom Ministerium. Die Erkenntnisse daraus sollen helfen, eine „neue Geh-Kultur“ zu entwickeln. Es geht laut Winfried Hermann nicht gegen das Auto, sondern um „mehr Platz für die anderen“. Und das, findet der grüne Verkehrsminister, sei eine Sache der Fairness.

Hindernisse auf Gehwegen reduzieren, Fußgängern mehr Raum geben – und Konflikte mit Radlern und Autofahrern entschärfen: Das ist der Sinn des Fußverkehrschecks 2021 des Landes Baden-Württemberg, für den sich 59 Kommunen im Land beworben hatten. 15 wurden nun ausgewählt – darunter auch Waiblingen und Fellbach.

In einer Online-Pressekonferenz von Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) erklärten Vertreter der 15 Kommunen am Mittwoch, warum sie sich beworben haben und was sie sich

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