Waiblingen

Fundament für Taubenturm ist gelegt

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Symbolbild. © Laura Edenberger
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Der Taubenturm in Schorndorf ist das Vorbild für den Turm in Beinstein. © Gaby Schneider
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Freude über den Taubenturm: Thomas Porada und Annemarie Werner, die Vorsitzende des Tierschutzvereins Waiblingen.

Waiblingen. Die Tauben zu vertreiben und sie auf kleinstem Raum zusammenzudrängen ist nach Ansicht von Tierschützer Thomas Porada kein Weg, um der Taubenplage in den Städten Herr zu werden. Seit Jahren kämpfen er und Tierschutzvereinsvorsitzende Annemarie Werner für einen Taubenturm zur Geburtenkontrolle. Jetzt wurde zwischen Beinstein und Endersbach das Fundament für den acht Meter hohen begehbaren Turm gelegt.

„Vertreiben, vertreiben, vertreiben.“ Thomas Porada, passionierter Taubenschützer und ehemaliger Weinstädter Stadtbüchereileiter, kann sich richtig darüber aufregen, wenn er darüber nachdenkt, wie sinnlos vielerorts versucht werde, der Tauben Herr zu werden. Dabei müsse man doch nur an die Gehege rankommen, um die Taubeneier gegen künstliche Eier auszutauschen. Ein Taubenturm, wie er bereits in Schorndorf steht, ist nach Meinung der Tierschützer dazu der richtige Weg.

Im Turm finden die Vögel artgerechtes Futter und Platz zum Brüten – nur, dass sie auf Gipseiern sitzen, die ihnen die Tierschützer zuvor in die Nester gelegt haben. So sollen die Tauben nicht nur von Plätzen in den Innenstädten weggelockt, sondern auch ihre ungedrosselte Vermehrung verhindert werden. Die lebenden Vögel bleiben von Vertreibung verschont – und ihr Kot zu rund 80 Prozent im Taubenturm.

Standort immer mehr Richtung Beinstein verschoben

Mit dem Turm in Beinstein gegenüber dem Gartenkontor Kupka zwischen Endersbach und Beinstein erfüllt sich ein langgehegter Wunsch der Tierschützer. Jahrelang hatten sie darauf hingearbeitet – dabei hatte Porada, damals noch Leiter der Weinstädter Stadtbücherei, bei Ex-OB Jürgen Oswald offene Türen eingerannt mit seiner Idee. Das Technische Rathaus konnte allerdings keinen geeigneten Standort finden. Der Standort wurde immer mehr Richtung Beinstein verschoben, bis der ultimative Platz beim Trafohäuschen gegenüber der Gärtnerei Kupka schließlich gefunden war. Der Waiblinger Oberbürgermeister Andreas Hesky gab grünes Licht und wird von Porada heute deshalb als Retter des Taubenturms gefeiert. „Wir sind froh, dass wir den Taubenturm bekommen“, freut sich auch Tierschutzvorsitzende Annemarie Werner.

Im April soll der acht Meter hohe Turm stehen

Das Fundament ist gelegt. In etwa drei Wochen beginnt der Bau. Im April soll der rund acht Meter hohe Taubenturm fertig sein. Betreut wird er dann von Thomas Porada, der sich bereits seit 2004 um die Tauben unter der B 29 kümmert. Unzählige Male ist er mit seiner Leiter unters Dach der Unterführung gestiegen. Mehr als 2200 Taubeneier hat er eingesammelt und ausgetauscht – „macht über 2200 Küken, die nicht ausgeschlüpft sind“, rechnet er vor. Tonnen von Taubendreck hat er zusammengekehrt und dazu Unmengen von Kippen, weggeworfenen Bierdosen, Broten und verlorenen Radkappen an der vielbefahrenen Kreuzung aufgelesen. „Da sieht es picobello aus“, sagt er stolz. „Wenn ich schon da bin, sammle ich den Müll auch gleich ein.“

Mit artgerechtem Futter werden Tauben zum Umziehen bewogen

Was ihn allerdings sauer macht, sind Bürger, die ihm fälschlicherweise immer wieder vorhalten, er züchte in der Unterführung Tauben. „Wir sind die Einzigen, die nachhaltig handeln, und sind dann auch noch Ziel der Wutbürger, die ihren Dampf ablassen“, ärgert er sich. Mit dem Versuch, die Tauben zu vertreiben, werde man das Problem aber nicht lösen. Mit artgerechtem Futter sollen die Tauben an ihre neue Bleibe gewöhnt und zum Umziehen bewogen werden. Eine Vielzahl von ihnen werde man anlocken können, meint Porada.

Die Nische unter der B 29 wird für die Tauben dann dichtgemacht.


Die Kosten

Die Kosten für den Taubenturm liegen nach Angaben von Tierschutzvereinschefin Annemarie Werner bei knapp 50 000 Euro. Finanziert wird das knapp acht Meter hohe Gebäude von Spenden und Zuschüssen aus Waiblingen, Kernen und Weinstadt.

Bei aller Freude über den Taubenturm weiß Annemarie Werner, dass ein einzelner Taubenturm aber nicht alle Probleme der drei Kommunenlösen kann. Dazu werden weitere Standorte nötig.