Waiblingen

Gärtner-Familie Gropper wird weiter terrorisiert: Glasscherben, Sondermüll, Nägel unter Autoreifen

GropperNeuanfang
Martin Gropper in seiner neuen „Blumenmarkthalle“. © Gaby Schneider

Zehn Jahre lang sahen Martin Gropper und seine Partnerin Katrin Strotbek sich in Remshalden vom Verpächter ihres Betriebsgeländes terrorisiert. Sie beschuldigen ihn zahlreicher Anschläge bis hin zu einem Brand, der große Teile der Gärtnerei verwüstete. Damals wurde gegen ihn ermittelt,  es kam nicht zu einer Anklage. Martin Gropper hat sich lange geweigert aufzugeben, bevor er umzog. Doch Schikane und Streit sind ihm gefolgt. Nichts scheint seinen einstigen Verpächter zu stoppen. 

Das Auto hält mit dem Heck direkt vor der Kameralinse, die sich irgendwo über der Grasnarbe befinden muss. Die Rücklichter erlöschen und kurz darauf taucht ein Mann in Arbeitshose und T-Shirt auf. Er zieht sich Arbeitshandschuhe über und öffnet zügig den Kofferraum, holt eine Kiste oder Wanne hervor, schleppt sie ein paar Schritte in den Bildhintergrund, wuchtet sie auf den Boden und kippt den Inhalt aus. Dann stellt er sie zurück in den Kofferraum, wirft die Handschuhe dazu, steigt wieder ein und fährt rückwärts aus dem Bild.

Das Ganze dauert knapp eine Minute und ist eine Szene, die so im September von einer Wildkamera festgehalten wurde, die Martin Gropper aufgestellt hat. Er ist mit seiner Gärtnerei erst Anfang des Jahres von Remshalden-Geradstetten auf das Betriebsgelände seines Bruders Thomas („Gropper Stauden“) nach Waiblingen-Beinstein umgezogen – und hoffte dadurch, genau solche Dinge hinter sich zu lassen.

Glasscherben, Sondermüll und anderer Unrat

„Der hört nicht auf“, sagt Martin Gropper und erzählt: Im August habe es wieder begonnen. Glasscherben, asbesthaltige Eternitplatten, Altöl, sonstiger Sondermüll und diverser anderer Unrat lagen morgens auf einer Wiese hinter dem Gärtnereigelände in der Nähe der Bundesstraße. Über mehrere Monate sei jemand im Schutz der Dunkelheit immer wieder gekommen und habe etwas abgeladen, sagt der Gärtner. Ein Sicherheitsdienst, den er engagiert habe und der nachts nach dem Rechten gesehen habe, habe den Übeltäter beinahe erwischt: Da sei er gerade ins Auto eingestiegen, aber dann noch mal davongekommen. „Danach war es zwei Wochen ruhig.“ Dann ging es weiter.


Wer dahintersteckt, das war Martin Gropper im Grunde schnell klar. Und dann gelang ihm, wie er selbst sagt, „der Sechser im Lotto“: Eine aufgestellte Wildkamera filmte die eingangs beschriebenen Szenen. Wer ihn kennt, für den besteht eigentlich kein Zweifel, um wen es sich bei dem Mann handelt, der die Wanne auf der Wiese auskippt: Es ist Martin Groppers alter Verpächter. Tatsächlich versucht dieser offenbar gar nicht, etwas zu verschleiern. Im Müll lagen zum Beispiel ein T-Shirt mit der Aufschrift des Gartenbau-Betriebs, bei dem er arbeitet, ein an ihn gerichteter Brief, scheinbar von einer verflossenen Liebe, sowie eine Nachricht seines Mobilfunkanbieters, der ihm erklärt, warum ein Inkassobüro mit der Einziehung fälliger Rechnungsbeträge beauftragt ist.

Für unsere Zeitung war der ehemalige Gärtnerei-Verpächter nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Laut Martin Gropper behauptet er, es handle sich um Müll, den er, Gropper, beim Auszug aus den Gewächshäusern in Geradstetten hinterlassen habe. Das habe er aber vorher nie beanstandet, so der Gärtner.

Nun ermittelt jedenfalls mal wieder die Polizei. Gegen wen und mit welchen Beweisen, dazu sagen die Ermittler gegenüber unserer Zeitung nichts. Es könne sich um eine Ordnungswidrigkeit oder um eine Straftat handeln sagt Polizeisprecher Rudolf Bihlmaier. Diese Unterscheidung hängt daran, um was für Müll es sich gehandelt hat. Bei Asbest zum Beispiel handelt es sich um gefährlichen Abfall. Daher findet hier laut Umweltschutzamt das Strafgesetzbuch Anwendung. Wer asbesthaltige Materialien in die Natur kippe, dem drohe eine Geld- oder Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren.

Sollte die Polizei zu dem Schluss kommen, dass der ehemalige Gropper-Verpächter hinter der Sache steckt, dann könnte es für ihn außerdem ein Strafverfahren geben, weil er sich gegen ein von Thomas Gropper ausgesprochenes Hausverbot hinweggesetzt und das Gelände der Gärtnerei widerrechtlich betreten hat.

Doch Martin Gropper sieht sich schon jetzt ein weiteres Mal in seiner Erfahrung bestätigt, dass nichts seinen ehemaligen Verpächter stoppen kann. Dieser war 2017 und 2018 eigentlich zu Freiheitsstrafen von insgesamt 24 Monaten verurteilt worden, wegen Körperverletzung. Doch schon kurz nach Haftantritt war er im offenen Vollzug, das heißt, er wohnte zu Hause und ging seiner Arbeit bei einem Landschaftsbaubetrieb nach. Dann wurde der Rest seiner Haftstrafe vorzeitig in eine Bewährungsstrafe umgewandelt. Während dieser Bewährungszeit kam es zu weiteren Vorfällen bei den Groppers, in Remshalden und auch schon in Beinstein bei Thomas Gropper, wo nach einer Nacht Nägel unter Autoreifen steckten und die Bremsleitung eines Fahrzeugs angeritzt war. Außerdem kam es zu dem Zwischenfall, der nun zur jüngsten Verurteilung führte.

Blaue Flecken, Striemen und Kratzer an Armen und Hals des Anwalts

Zum Termin vor dem Amtsgericht in Schorndorf wurde der ehemalige Gärtnerei-Verpächter vor zwei Wochen von der Polizei abgeholt, weil er zuvor zu einem anderen Termin nicht erschienen war. Darum ging es: Im vergangenen März war Martin Gropper gerade mitten im Umzug, als in den Gewächshäusern wie schon so oft plötzlich der Strom weg war. Zusammen mit seinem Anwalt Hendrik Leibfritz klingelte er bei seinem Verpächter, der sich nicht regte.

Also verschafften sie sich Zutritt zu dem Verschlag, in dem die Sicherungskästen sich befinden, indem sie den Glaseinsatz einer Tür einschlugen. Und sahen: Die Sicherungen waren herausgedreht. Im selben Moment stand der Verpächter da und ging sie an. Er packte den Anwalt am Arm und würgte ihn. Blaue Flecken, Striemen und Kratzer an Armen und Hals von Hendrik Leibfritz belegten den Angriff.

Diese Zeugenaussagen hielt Richterin Petra Freier für glaubwürdig und verurteilte den Ex-Verpächter zu fünf Monaten ohne Bewährung. Er streitet das jedoch alles ab und hat Berufung eingelegt, so dass der Fall wohl ein weiteres Mal vor dem Landgericht in Stuttgart verhandelt werden muss.

Zehn Jahre lang sahen Martin Gropper und seine Partnerin Katrin Strotbek sich in Remshalden vom Verpächter ihres Betriebsgeländes terrorisiert. Sie beschuldigen ihn zahlreicher Anschläge bis hin zu einem Brand, der große Teile der Gärtnerei verwüstete. Damals wurde gegen ihn ermittelt,  es kam nicht zu einer Anklage. Martin Gropper hat sich lange geweigert aufzugeben, bevor er umzog. Doch Schikane und Streit sind ihm gefolgt. Nichts scheint seinen einstigen Verpächter zu stoppen. 

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