Waiblingen

Gärtnerei-Brände: Keine Serie

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Keine Brandstiftung: Der Gärtnereibrand in Erbstetten hatte wohl eine technische Ursache. © Benjamin Beytekin

Waiblingen. Schon wieder ein Großbrand in einer Gärtnerei: Es scheint, als ob speziell Gewächshäuser in letzter Zeit besonders häufig in Flammen aufgehen. Der Eindruck dürfte auch deshalb entstehen, weil solche Brände wegen der luftigen Bauweise dieser Gebäude besonders spektakulär wirken. Die Ursachen dieser Brände unterscheiden sich: Technische Defekte oder Brandstiftung.

In den Gewächshäusern der Gärtnerei Gropper in Geradstetten in der Nacht vom 13. auf den 14. März war ein Brandstifter am Werk. „Zumindest fahrlässig“ hat dort jemand allem Anschein nach ein Feuer gelegt, bestätigt Polizei-Pressesprecher Rudolf Biehlmaier. Über den Stand der Ermittlungen bewahrt die Polizei derzeit aus taktischen Gründen Stillschweigen.

Von einer Gärtnerei-Brandserie möchte die Polizei keinesfalls sprechen, zumal sich die Umstände der Brände deutlich unterscheiden. Diese Woche am Dienstagabend entwickelte sich in einer Erbstettener Gärtnerei in rasender Geschwindigkeit ein Großbrand. Vieles deutet laut Rudolf Biehlmaier auf eine technische Ursache hin. Das Feuer dürfte bei der mit Holzhackschnitzeln betriebenen Heizzentrale entstanden sein.

Gärtnereien nicht anfällig für Brände

Grundsätzlich sind Gärtnereien „nicht besonders anfällig“ für Brände, sagt Landratsamts-Sprecherin Martina Nicklaus nach Rücksprache mit dem Team des Kreisbrandmeisters René Wauro. Doch sorgen diese Brände für besonders viel Aufsehen, weil sich leicht und schnell eine große, weithin sichtbare Rauchwolke entwickelt – wie jetzt in Erbstetten. Der dunkle, schwarze Rauch entstand auch deshalb, weil in Erbstetten große Mengen Kunststoffe verbrannt sind. Die Gärtnerei hatte das Gewächshaus, das zum großen Teil den Flammen zum Opfer gefallen ist, als Winterquartier etwa für Kübelpflanzen ihrer Kunden genutzt. Von den Kunststoff-Kübeln ist praktisch nichts mehr übrig.

Gewächshäuser sind gemeinhin nicht als massive Gebäude konzipiert. Die Außenhaut solch luftiger Gebäude brennt rasend schnell, erläutert Martina Nicklaus. Die hohe Luftdurchlässigkeit ist mit ein Grund dafür, weshalb ein Feuer sich sehr schnell ausbreiten kann und sich in kürzester Zeit ein spektakulärer Brand entwickelt.

Genau das ist Anfang Januar zwar nicht im Rems-Murr-Kreis passiert – doch ist bei diesem Gärtnerei-Brand in Filderstadt-Sielmingen ein immenser Sachschaden von rund einer Million Euro entstanden. Nicht nur ein kompletter Gebäudekomplex mit Laden und Gewächshaus brannte ab; auch ein angrenzendes Wohnhaus wurde erheblich beschädigt.

Elektrogeräte lieber regelmäßig warten

Ein weiterer Großbrand in einer Gärtnerei im Rems-Murr-Kreis liegt ebenfalls noch nicht allzu lange zurück. Mitte Dezember 2016 war’s, als ein Gewächshaus in Fellbach vollständig ausgebrannt ist. Kunststoffplatten an den Außenwänden boten den Flammen dort seinerzeit beste Nahrung. Damals hieß es, ein technischer Defekt habe wohl den Brand verursacht.

„Technischer Defekt“: Damit kann Diverses gemeint sein. Ganz ausschließen lässt sich solch ein Malheur nie. Elektrogeräte sollten regelmäßig gewartet sein; „keine defekten Geräte benutzen und die Hersteller-Hinweise beachten“, rät Martina Nicklaus.

Mit etwas ganz anderem, nämlich Brandstiftung, hatte es nicht nur Gärtnereibetreiber Martin Gropper in Geradstetten zu tun. Im September 2015 hat sich bereits schon einmal ein Brandstifter ein Gewächshaus ausgesucht. In Beinstein waren in diesem Gewächshaus hunderte Strohballen gelagert gewesen. Binnen kürzester Zeit brannten Haus und Stroh lichterloch; es entstand immenser Schaden. Für diese Tat musste sich ein damals 45-jähriger Waiblinger vor dem Stuttgarter Landgericht verantworten. Das Gericht ordnete an, den Mann in einer psychiatrischen Klinik unterzubringen. Ärzte hatten bereits im Jahr 2000 eine paranoide Schizophrenie diagnostiziert.

In diesem Fall fiel der Verdacht sehr schnell auf den psychisch kranken Mann, weil es im Vorfeld zu vielerlei Auseinandersetzungen zwischen ihm und dem Besitzer des Gewächshauses gekommen war.

Ermittlungen nach Brandstiftern

Ob die Ermittler früher oder später auch dem Geradstettener Brandstifter auf die Schliche kommen werden – man wird sehen. Brandermittler greifen auf ein beachtliches Instrumentarium zurück, um solche Fälle aufzuklären. Allein die Untersuchung des Brandschutts kann erstaunliche Erkenntnisse liefern. Spürhunde erschnüffeln Brandbeschleuniger selbst in kleinsten Mengen. Das sind nur zwei Beispiele; der Bauchladen der Brandermittler ist mit vielerlei Weiterem gefüllt.

An Beweggründen und psychischen Abgründen von Brandstiftern haben sich ungezählte Autoren abgearbeitet. Frust, Neid, Hass und Geltungssucht sind oft zitierte mögliche Triebfedern für solch eine Tat. Auch sexuelle Motive werden immer wieder gern ins Spiel gebracht. „„Es gibt eine Wesensverwandtschaft zwischen Feuer und Sexualität. Will man das Kind kleinhalten, muss man ihm beides versagen. Wer aber ein vollwertiger Mensch sein will, der muss zugleich um das Recht auf Feuer wie um das Recht auf Sexualität kämpfen“, schrieb der Psychologe Ernst Ell 1983.

Freiheitsstrafe

Das Strafgesetzbuch sieht für Brandstiftung eine Haftstrafe zwischen einem und zehn Jahren vor.


 

Weitere Brände in Gewächshäusern: 

27. Mai 2012: Gewächshausbrand war Absicht 

7. September 2015: Gewächshaus brennt lichterloh

25. Mai 2016: Feuer in Rudersberger Gewächshaus 

25. Dezember 2016: Gewächshaus brennt vollständig aus - 300 000 Euro Schaden

14. März 2018: Großbrand in Gärtnerei in Remshalden

24. April 2018: Großbrand in Gärtnerei in Erbstetten