Waiblingen

Gala im Bürgerzentrum: Peter Bühr feiert 80. Geburtstag mit Flat Foot Stompers

Peter Bühr mit seinem Saxophon
Greift Peter Bühr zum Saxofon, scheint es so, als halte alle Welt still und lauscht. © ALEXANDRA PALMIZI

Wenn Peter Bühr zum Saxofon greift und ein paar Töne spielt, wie jüngst im Waiblinger Zeitungsverlagshaus, dann ist das Musik oder besser gesagt hochkarätiger Jazz – stilvoll, ergreifend – Töne, die unter die Haut gehen und jeden Fuß zum Mitwippen bewegen, ganz gleich, wie viel Musikalität in einem steckt. Im April ist der Waiblinger 80 Jahre alt geworden. Seinen Geburtstag feiert er bei einer Gala mit weiteren Jazzvirtuosen am kommenden Freitag, 3. Juni, von 20 Uhr an im Bürgerzentrum (Einlass ab 19 Uhr).

Was genau Gäste an diesem Abend erwarten wird, soll eine Überraschung sein. Fest steht aber, dass Peter Bühr and his Flat Foot Stompers Meilensteine des Dixieland-Jazz dem Publikum bieten werden und Gäste das Programm aufmischen. Allen voran Sängerin Melanie Diener, die Stücke von George Gershwin präsentiert, sowie Martin Giebel (Klavier), Engelbert Wrobel (Saxofon, Klarinette) und Hans-Peter Ocker (Trompete). Zudem wird sich Peter Bühr alle Mühe geben, in gewohnt heiterer Manier durchs Programm zu führen, wie er im Gespräch mit der Lokalredaktion Waiblingen mit einem Augenzwinkern verrät.

Sein Lieblingsinstrument ist ein Erbstück von Peanuts Hucko

Auch im Alter von 80 Jahren setzt keines seiner unterschiedlichen Saxofone Staub an, obgleich er auf der Bühne gerne sein Altsaxofon „Selmer Mark Six“ präsentiert, weil dieses einen schönen vollen Klang habe, meint er. Es ist aber nicht dieses Instrument, das er ins Verlagshaus mitgebracht hat. Stolz präsentiert er sein Lieblingssaxofon, ein Erbstück seines großen Idols und späteren Freundes Michael „Peanuts“ Hucko – ein US-amerikanischer Jazz-Klarinettist und Saxofonist des Dixieland Jazz und Swing, der unter anderem mit Glenn Miller und Louis Armstrong auftrat.

13 Auftritte zählen Pater Bühr und seine Flat Foot Stompers in diesem Jahr, darunter auch einen in Luzern. Am Sonntag, 5. Juni, treten die Jazzmusiker von 11 Uhr an im Biergarten auf der Schwaneninsel auf.

Wenngleich auch Peter Bühr zugeben muss: Das Alter bringt seine Tücken mit sich, weshalb er sich bei Konzerten immer wieder ablösen lässt, weil die Gesichtsmuskulatur manchmal aus der Reihe tanzt.

Sein erstes Saxofon kostete 60 Mark

Schon früh entdeckte Peter Bühr seine Liebe zur Musik. Es war die Zeit, als er bei seinen Großeltern in Köln lebte. Sein Großvater hatte ein Radio-Geschäft. Oft lief ein amerikanischer Sender, in welchem Jazz gespielt wurde. Auch in den Lokalen war der Jazz gegenwärtig. Sein Opa bereitete ihm zudem eine Musiktruhe auf, worauf er und Bührs Freunde Jazzplatten hören konnten. „Mir imponierte Earl Bostic mit seinem Altsaxofon“, erinnert sich der 80-Jährige.

Schließlich kaufte seine Oma dem Vater eines Mitschülers ein Saxofon für 60 Mark ab. Sein Vater Joseph bestand darauf, dass er Unterricht erhielt, das Instrument von der Pike auf erlerne, wobei er erst mal, wie damals schon üblich, vor dem Saxofon zur Klarinette griff. In Köln lebte er, da sich die Eltern erhofften, dass Peter Bühr dort eine bessere Schulbildung erhalte und ihm der Wechsel auf die Realschule in Aussicht gestellt wurde, was ihm auch gelang. Als Jugendlicher spielte er dort erstmals Saxofon in einer Schulband.

Geboren wurde Peter Bühr in Budweis, im heutigen Tschechien. Nachdem der Ort aber nach Ende des Kriegs von Russen besetzt war, floh die Familie zur Tante nach Frankenried in Bayern mit den drei Kindern im Leiterwagen. Später wohnten sie in Aach bei Kaufbeuren. Der Vater arbeitete dort als Bordfunkerlehrer und spielte zudem leidenschaftlich gerne Geige. Nach Waiblingen kam die Familie, als der Vater dorthin von Dienstwegen versetzt wurde. Peter Bühr kam 1957 nach, als sein Opa gestorben war und das Radiogeschäft verkauft wurde.

In Waiblingen half Bühr beim Bau von Gehwegen in der Hangweide. Von dem verdienten Geld kaufte er sich ein Tenorsaxofon und spielte damit in der Stadtkapelle Waiblingen. Gleichzeitig entdeckte er dabei die Begeisterung fürs Baugewerbe. Später leitete er sein eigenes Unternehmen.

1974 mit Werner "Jupp" Neidhardt die Flat Foot Stompers gegründet

Seine Liebe zur Musik und zum Jazz brachte Peter Bühr dazu, immer wieder neue Ensembles zu gründen, nachdem sich andere auflösten. 1974 beschloss er, zusammen mit Werner „Jupp“ Neidhardt an einem ehrwürdigen Abend „The Flat Foot Stompers“ zu gründen. Sie standen für Dixieland, Swing und Mainstream Jazz.

Zuvor spielte er mit Neidhardt und Ernst Eckstein in „The First Waiblinger Dixieland Band“, wobei Bruder Gerald am Schlagzeug saß und Klaus Bubeck Tuba spielte. Ihr erstes Konzert gaben sie in der alten Turnhalle. Parallel trat Bühr mit dem Staufenensemble auf, das er mit den Zwillingen Gerhard und Hartmut Götz ins Leben rief, und lieferte erfolgreich Tanzmusik im gesamten Remstal: Walzer, Tango, aber auch Jazz. Es gibt wohl kaum eine Bühne oder einen Konzertsaal in der Region, welche Peter Bühr mit Saxofon oder Klarinette nicht bespielt hat.

Auftritte mit Harry Allen, Wild Bill Davison oder Bob Haggart

Im Jahr 1980 rief Bühr die Rems-Murr-Jazztage ins Leben. Mit Größen wie Peanuts Hucko, Harry Allen, Wild Bill Davison oder Bob Haggart verzeichnen die Flat Foot Stompers Auftritte. Die Liebe zum Jazz und seiner Herkunft führte Bühr immer wieder in die USA nach Florida oder Kalifornien, wo er sogar eine Weile eine eigene Herberge besaß. Dort traf man ihn beim Classic-Jazz-Festival oder beim Dixieland Jubilee an.

Mindestens genauso wichtig wie die Musik ist Bühr die Familie: seine Frau Petra, seine beiden Söhne und ihre Familien, zu denen auch drei Enkelkinder gehören, die ihn zeitlebens unterstützen.

Info

Für die Geburtstagsgala im Bürgerzentrum am Freitag, 3. Juni, gibt es noch Restkarten für 15 Euro (ermäßigt 13 Euro). Vorverkauf im Webshop oder in der Touristinformation, Tel: 0 71 51/50 01-83 21.

Wenn Peter Bühr zum Saxofon greift und ein paar Töne spielt, wie jüngst im Waiblinger Zeitungsverlagshaus, dann ist das Musik oder besser gesagt hochkarätiger Jazz – stilvoll, ergreifend – Töne, die unter die Haut gehen und jeden Fuß zum Mitwippen bewegen, ganz gleich, wie viel Musikalität in einem steckt. Im April ist der Waiblinger 80 Jahre alt geworden. Seinen Geburtstag feiert er bei einer Gala mit weiteren Jazzvirtuosen am kommenden Freitag, 3. Juni, von 20 Uhr an im Bürgerzentrum

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