Waiblingen

Galerie Stihl: Munch – ein Meister der Angst

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René Gruau, Anzeige für „Miss Dior“, 1972, Indische Tusche und Gouache, 41,5 cm x 31 cm, Galerie Bartsch & Chariau. © © Nachlass René Gruau
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Edvard Munch, Mädchen auf der Brücke, 1920, Farbholzschnitt, 55 x 46,8 cm, Museum Behnhaus. © © Museum Behnhaus
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Christiane Luise Duttenhofer, Ludwig Uhland als Advokat, 1817, schwarzer Scherenschnitt, Höhe 12 cm, Literaturarchiv Marbach. © © Literaturarchiv Marbach
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Silke Schuck, die Leiterin der Galerie Stihl .

Waiblingen. Das Gemälde „Der Schrei“ von Edvard Munch gehört zu den wohl bekanntesten der Welt. Die Galerie Stihl, die 2018 ihr zehnjähriges Bestehen feiert, zeigt dann unter anderem das druckgrafische Werk des großen Norwegers. Außerdem: Scherenschnitt von Luise Duttenhofer bis heute sowie Mode-Visionen von Dior oder Coco Chanel.

Im Jubiläumsjahr führt die Galerie Stihl Waiblingen ihr erfolgreiches Konzept der „Arbeiten aus und mit Papier“ exemplarisch vor: Mit Edvard Munch setzt sie die Reihe der Ausstellungen von Druckgrafiken namhafter Maler wie William Turner, Rembrandt, Pablo Picasso und Lyonel Feininger fort. Mit der „angewandten Zeichnung“ im Themenfeld Mode hofft Galerieleiterin Silke Schuck ein junges Publikum anzusprechen. Und traditionell in Waiblingen wurzelnd der klassische Scherenschnitt von Luise Duttenhofer, der konzeptgerecht „Papier als Material“ nutzt und in der Gegenwart überraschende Ausgestaltungen ins Dreidimensionale erfährt. Am 17. Juni steigt ein Jubiläums-Kunstfest. Und in einer Publikation wird auf viele Ausstellungen und Veranstaltungen der vergangenen zehn Jahre zurückgeblickt.

Vor der Haute Couture kommt die Idee auf Papier

Heiter wird es nicht bei Edvard Munch vom 29. September 2018 bis 6. Januar 2019. Krankheit und Tod, Liebe und Eifersucht, Melancholie und Einsamkeit sind seine Themen. „Der Schrei“ gilt als Wegmarke des Expressionismus. Himmel und Landschaft beginnen zu fließen, formen sich ganz nach der Innenwelt um und gerinnen zu einem Sinnbild von Panik und Schrecken. Silke Schuck: „Munch malt nicht nach der Natur, sondern nach dem Gemüt.“ Wer diesem hohlwangigen Schädel in die toten Augen blickt, spürt unweigerlich Beklemmung. Weniger bekannte Seiten Munchs bringt die Galerie Stihl zum Vorschein, indem sie Dichter-Porträts von August Strindberg oder Henrik Ibsen zeigt. Und kaum irgendwo wurde Munchs Schaffen als früher Foto- und Filmkünstler so intensiv beleuchtet, wie es die Waiblinger vorhaben.

Chanel, Dior und Yamamoto

Eleganz und Extravaganz versprechen Modebilder aus der Welt der Haute Couture – von den rauschhaft experimentierfreudigen „Art Dé co“-Zeiten über die coolen Sechziger bis ins Heute. Vor der Mode kommt die erste kühne Idee, oft scheinbar spontan aufs Paper geworfen als Tusche, Aquarell oder Collage. Zu sehen sind Zeichnungen für Kreationen von Coco Chanel, Christian Dior, Christian Lacroix, Alexander McQueen und Yohji Yamamoto. „Erst die Zeichnungen“, meint Silke Schuck, „formulieren den Ideenreichtum der Entwürfe und spiegeln den gesellschaftlichen Wandel der Mode“ (19. Mai bis 12. August).

Kaum erforschtes Terrain

Es müssen nicht zwingend die großen Namen sein, die den Ruf der städtischen Galerie mehren. Das beweist die aktuelle Ausstellung „Die Linie ist Gedanke“, die manche Zuschauer als bisher beste betrachten. Mit „Paper Cuts“ (Scherenschnitte, 26. Januar bis 22. April) wird erneut kaum erforschtes Terrain betreten. Die Biedermeier-Künstlerin Luise Duttenhofer dient als Bezugsgröße und Waiblingen-Bezug. Gegenwärtige Kolleginnen wie Lena von Gödicke, Georgia Russel und Kara Walker heben die feingliedrige Kunst auf eine neue Stufe der Komplexität. Sie konterkarieren ihre Schnitte mit Lichtprojektionen oder lassen sie skulptural in den Raum greifen.


Nur jeder Fünfte zahlt den vollen Eintritt

Die Ausstellung „Lyonel Feininger – Zwischen den Welten“ war ein Erfolg. 9693 Besucher sahen sie. Galerieleiterin Silke Schuck wertet als Erfolg, dass sich der Anteil der zahlenden Zuschauer auf 59 Prozent leicht erhöht hat. Im Ratsausschuss aber äußerten Christina Schwarz (ALi) und Wilfried Jasper (DFB) den Wunsch, den Anteil der Zahlenden zu erhöhen.

Ganz anders Wolfgang Bechtle (CDU), der darauf verweist, dass viele auswärtige Galerie-Besucher in Waiblinger Geschäften einkaufen und Lokale besuchen. Auch Ob Andreas Hesky sieht in der Galerie ein „herausragendes Stadtmarketing-Instrument“ und befürchtet sinkende Zahlen, sollte an der Preisschraube gedreht werden. Fürs Programm 2018 zahlt die Stadt 312 000 Euro. Zum Beispiel für Kinder bis 16 Jahre und Mitglieder des Galerie-Fördervereins ist der Eintritt umsonst.

Galerieleiterin Silke Schuck erinnert an den Bildungsauftrag der Galerie und die Hoffnung, dass die Kinder und Jugendliche eines Tages als erwachsene, zahlende Besucher wiederkehren. Und auch wer bei „Waiblingen leuchtet“ nichts zahlt, komme eventuell an ruhigeren Tagen wieder. In der Galerie-Landschaft gehe der Trend derzeit vielerorts zum freien Eintritt.