Waiblingen

Ganz Waiblingen soll bis 2035 klimaneutral werden - und nicht nur das Rathaus

Waiblingen
Fotovoltaik auf Dächern des neuen Wohngebiets am Krankenhaus-Areal. © Benjamin Büttner

Klimaneutrale Wohngebiete gibt es bereits im Hohen Rain und in Bittenfeld, nun aber hat sich Waiblingen ein noch viel ehrgeizigeres Ziel verordnet: Bis zum Jahr 2035 will die Stadt klimaneutral werden – und zwar nicht nur die Stadtverwaltung, sondern eben ganz Waiblingen. Damit es nicht nur beim Lippenbekenntnis bleibt, wird ein verbindlicher Masterplan entwickelt, der den Weg vorgibt. Mit dem einstimmig gefassten Beschluss des Gemeinderats verbucht die Bürgerinitiative „Waiblingen klimaneutral 2035“ einen bemerkenswerten Erfolg.

Wie auch immer die Oberbürgermeisterin oder der Oberbürgermeister in Waiblingen in Zukunft heißt, der Klimaschutz wird Chefsache sein – und, so zumindest die allgemeine Hoffnung, auch die der Bürgerinnen und Bürger. Neu geschaffen wird ein Referat „Klimaschutz, nachhaltige Stadtentwicklung und Mobilität“, das unmittelbar dem OB zugeordnet ist.

Beratender Ausschuss für Klima und Nachhaltigkeit

Außerdem wird ein beratender Ausschuss für Nachhaltigkeit und Klimaschutz, besetzt mit Stadträten und maßgeblichen Akteure aus verschiedenen Lebensbereichen, gegründet. Es soll mit klaren Zuständigkeiten versehen werden, die noch festzulegen sind. Tendenz: eher Lenkungsgruppe als Plauderrunde. Beratende Ausschüsse dürfen laut Gemeindeordnung vorberaten und Empfehlungen an den Gemeinderat aussprechen. Die Sachentscheidungen bleiben beim Kommunalparlament.

Von der Verwaltung über die Vereine bis zu Handel und Industrie

Im Mai 2021 war die neu gegründete Initiative – ähnliche Gruppen gibt es auch in anderen Städten, etwa in Schorndorf – an die Öffentlichkeit gegangen. Ihr Ziel: mit einem sogenannten Einwohnerantrag, einem relativ neuen Instrument der Gemeindeordnung zur Förderung direkter Demokratie, ihr Thema Klimaschutz auf die Tagesordnung des Gemeinderats zu bringen. Dies von Anfang an nicht mit einem Konfrontationskurs, sondern in konstruktiven Gesprächen. Ende Juli wurden 1150 Unterschriften für den Einwohnerantrag an OB Andreas Hesky überreicht – weit mehr als erforderlich.

Der Stadtentwicklungsplan für 2030

Etwa ein bis anderthalb Jahre, so der Rathauschef, wird es wohl brauchen, bis der Masterplan „mit breiter Bürgerbeteiligung“ erarbeitet ist. Darin sollen konkrete Maßnahmen, eine Priorisierung und wahrscheinliche Kosten enthalten sein. Der Klimaschutz-Masterplan wird in den neuen, im dritten oder vierten Quartal 2023 zu verabschiedenden Stadtentwicklungsplan 2030 (Step) aufgenommen, der den alten aus dem Jahr 2006 ersetzen soll. Der „Step“ gilt als Grundlage der Waiblinger Kommunalpolitik. Sichtbare Ergebnisse daraus sind unter anderem Supermärkte und dezentrale Pflegeeinrichtungen in den Ortschaften.

Fazio: "Abschiedsgeschenk" des OB

In völliger Einmütigkeit schlossen sich alle Gruppen des Gemeinderats bis hin zu unlängst aus der AfD ausgetretenen Stadträten Frank Helbig und Marc Maier den Beschlüssen an. ALi-Chef Alfonso Fazio sprach von einem „Abschiedsgeschenk“ des scheidenden Oberbürgermeisters an die Stadt. Zwar könne das kleine Waiblingen den globalen Klimawandel nicht aufhalten, aber es könne seinen Beitrag leisten, sagte SPD-Chef Roland Wied. Die Ziele seien zwar ambitioniert, so Daniel Bok („Grünt), „aber notwendig“. Die Klimaneutralität dürfe durchaus „auch schon 2034“ erreicht werden, fand Julia Goll (FDP). Ökologie, Ökonomie und Soziales müssen gemeinsam betrachtet werden, so Siegfried Bubeck (FW/DFB). Entscheidend sei es, „die Menschen mitzunehmen“, betonte Michael Stumpp (CDU). Konkret nennt die Verwaltung als Akteure Bürgerinnen und Bürger, Gewerbetreibende, Dienstleister, Handel, Handwerk und Industrie, Kirchen, Vereine, Verkehrsträger – ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Wie der OB betont, kann der Masterplan auf den vorhandenen Bemühungen der Stadt und der Stadtwerke um den Klimaschutz aufbauen. Als da wären die klimaneutralen Wohngebiete und die Zertifizierungen beim European Energy Award mit Gold und Silber. Seit diesem Herbst arbeiten beim Rathaus zwei Klimaschutzmanager.

Klimaneutrale Wohngebiete gibt es bereits im Hohen Rain und in Bittenfeld, nun aber hat sich Waiblingen ein noch viel ehrgeizigeres Ziel verordnet: Bis zum Jahr 2035 will die Stadt klimaneutral werden – und zwar nicht nur die Stadtverwaltung, sondern eben ganz Waiblingen. Damit es nicht nur beim Lippenbekenntnis bleibt, wird ein verbindlicher Masterplan entwickelt, der den Weg vorgibt. Mit dem einstimmig gefassten Beschluss des Gemeinderats verbucht die Bürgerinitiative „Waiblingen

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