Waiblingen

Ganzes Berufsleben in der Kita? Unvorstellbar, findet Waiblinger MItarbeiterin

Kita Streik
April 2022: Streik-Ankündigung am Waldkindergarten am Hartwald, einer Außengruppe der Kita "Im Burgmäuerle" in Waiblingen-Hegnach (Archivfoto). © Alexandra Palmizi

„Liebe Eltern, es ist gut und richtig, dass Sie sich aufregen, wenn die Erzieher/-innen wieder streiken und Ihr Kind nicht betreut werden kann.“ So beginnt ein offener Brief von Kita-Beschäftigten aus dem Rems-Murr-Kreis. Am Donnerstag waren viele Kitas wegen eines Warnstreiks erneut geschlossen, in anderen gab es Notgruppen. Zwei Kita-Beschäftigte aus Waiblingen berichten von mitstreikenden Eltern, aber auch von Beschwerden.

„Uns ist bewusst, dass Sie und Ihre Kinder momentan die Leidtragenden sind! Ein Streik ist leider nur dann effektiv, wenn er wehtut“, so die Verfasser des offenen Briefs an die Eltern. Eine gleichlautende Petition haben aktuell circa 290 Personen unterzeichnet. Sie appellieren: „Solidarisieren Sie sich mit uns und erhöhen Sie den Druck auf die Arbeitgeber! Denn Notbetreuung und geschlossene Kitas könnten in wenigen Jahren schon nicht mehr die Ausnahme, sondern tägliche Realität sein!“ Sie verweisen auf körperliche und psychische Erschöpfung der Fachkräfte, auf Burn-outs. Das sei „ständiger Begleiter in unserem Arbeitsfeld“.

Den Brief/die Petition mitverfasst hat auch eine Unterstützungskraft an einer städtischen Kita in Waiblingen. „Die Arbeitsbedingungen müssen verbessert werden, damit Entlastung stattfinden kann“, fasst die junge Frau zusammen, die namentlich nicht genannt werden möchte. „Ohne Personal funktioniert der Alltag nicht.“

Das Wichtigste sei aus ihrer Sicht, mehr Personal zu gewinnen. Dafür sei etwa die bessere Bezahlung insbesondere von Auszubildenden ein guter Schritt, aber wohl nicht ausreichend, so die Unterstützungskraft, die Kindheitspädagogik studiert. „Junge Leute, die von der Schule kommen, finden so eine Ausbildung schon attraktiver, wenn man ein anerkennendes Gehalt bekommt, das der Arbeit entspricht“, glaubt sie.

Ein ganzes Berufsleben in der Kita? Aktuell nicht vorstellbar für die Studentin

Dass es zwar Beschwerden gebe, aber auch Eltern, die beim Warnstreik „auftauchen und unterstützen“, bestätigt sie. Eine bessere Bezahlung für die Fachkräfte ist für die Studentin, wie sie betont, nicht der Hauptgrund, sich am Streik zu beteiligen. Kindheitspädagogen werden in der tariflichen Bezahlung mit staatlich anerkannten Erziehern gleichgestellt: Im ersten Berufsjahr erhalten sie aktuell 2931,61 Euro brutto monatlich bei Vollzeit. Nach 17 Jahren ist die höchste Stufe erreicht: 3979,52 Euro. Viele Fachkräfte arbeiten aber Teilzeit, auch in Waiblingen.

Unter den aktuellen Bedingungen könne sie persönlich sich nicht vorstellen, ein ganzes Berufsleben in einer Kita durchzustehen. Jedenfalls nicht unmittelbar in der Erziehung und Betreuung.

In dem Appell an die Eltern, den die Studentin mitverfasst hat, heißt es: „Stellen Sie sich vor: Sie betreuen mit ihrer Kollegin 22 Kinder. Drei davon haben einen erhöhten Förderbedarf, fünf der Kinder tragen eine Windel. Mindestens die Hälfte der Kinder hat einen hohen Sprachförderbedarf, einige Kinder haben sehr viel Energie und einige sitzen einfach nur still in einer Ecke und schreien in sich hinein, da wir zu wenig Personal haben, uns darum zu kümmern.“

Das sei zwar kein konkretes Beispiel aus ihrer Einrichtung, aber doch ein realistisches, sagt die Kita-Beschäftigte. Ähnliche Situationen gebe es auch in ihrer Einrichtung manchmal.

Moritz Enssle vom Waldkindergarten in Hegnach: "Die Eltern stehen hinter uns"

So drastisch ist der Arbeitsalltag von Moritz Enssle nicht. Er ist der stellvertretende Leiter der „Außengruppe Waldkindergarten“ bei der städtischen Kita „Im Burgmäuerle“ in Hegnach. Die Waldkindergarten-Gruppe hat nur 20 Plätze. Insofern treffe das Beispiel aus dem Brief, den er nicht mitverfasst habe, eher auf Erzieherinnen und Erzieher in „normalen“ Kita-Gruppen zu.

Auch er möchte, dass sich die Arbeitsbedingungen in den Kindertagesstätten verbessern. Deshalb besucht er auch die Kundgebungen, die die Warnstreiks begleiten. Bei der in Waiblingen seien auch Eltern dabei gewesen, sagt Enssle.

„Beim Waldkindergarten würde ich sagen: Die Eltern stehen hinter uns und haben Verständnis.“ Aber natürlich seien auch hier mal welche sauer über den nächsten Streik gewesen. Zuletzt haben Eltern der Hegnacher Waldgruppe von der Stadtverwaltung gefordert, neues Kita-Personal zu finden.

„Liebe Eltern, es ist gut und richtig, dass Sie sich aufregen, wenn die Erzieher/-innen wieder streiken und Ihr Kind nicht betreut werden kann.“ So beginnt ein offener Brief von Kita-Beschäftigten aus dem Rems-Murr-Kreis. Am Donnerstag waren viele Kitas wegen eines Warnstreiks erneut geschlossen, in anderen gab es Notgruppen. Zwei Kita-Beschäftigte aus Waiblingen berichten von mitstreikenden Eltern, aber auch von Beschwerden.

„Uns ist bewusst, dass Sie und Ihre Kinder momentan die

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