Waiblingen

Gartenschau 2019: 164 Tage Kunst, Sport und Genuss

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Symbolbild. © Sarah Utz

Waiblingen. Über die Kunstlichtung und die Remskuben, die zur Gartenschau 2019 entstehen, wurde über Monate gestritten. Doch was wird eigentlich los sein auf dem Gelände zwischen Galerie und Rundsporthalle? Die Planungen laufen, und es gibt jede Menge Ideen für Kunst, Sport und Musik. (Hier geht's zur interaktiven Karte)

Lyrik in der Kunstlichtung, Kunst-Café an der Mühle, Serenaden am Talauesee – das sind nur einige Eckpunkte für das Waiblinger Veranstaltungsprogramm zur Interkommunalen Gartenschau 2019. Bei der Bürgerbeteiligung Ende 2015 fiel der Startschuss, seither hat sich vieles konkretisiert. Was jetzt vorliegt, hat den Status bloßer Einfälle verlassen – es soll nach Möglichkeit realisiert werden. 164 Tage Gartenschau wollen mit attraktiven Angeboten gefüllt werden. „Natürlich können wir nicht jeden Tag volles Programm fahren“, erklärt Thomas Vuk, Fachbereichsleiter für Kultur und Sport. Also wird der Schwerpunkt auf den 24 Wochenenden liegen, aber auch unter der Woche sind niederschwellige Angebote geplant. Oberste Devise: Bewährtes wie Waiblingen leuchtet, Drachenboot-Cup und Rosenmarkt wird integriert. Neue Formate sollen nicht von außen „aufgepfropft“ werden, sondern in der Waiblinger Bevölkerung, in Vereinen und Institutionen wurzeln. Beispiel: „Art U Zehn“ und andere Kunstgruppen wollen ein Kunst-Cafe´ an der Remise der Bürgermühle einrichten, in dem Gäste bewirtet werden und Künstlern bei der Arbeit zuschauen können.

Matinee- und Lyrik-Reihe in der Kunstlichtung

Ideen wie diese haben die Planer und „Kultur-Ermöglicher“ (Vuk) nach einer Gartensystematik sortiert.

Musik-Garten: Als großes Chor- und Orchesterprojekt ist „Die Schöpfung“ mit der Michaelskantorei in Zusammenarbeit mit Waiblinger Chören und Orchestern geplant, vergleichbar zum Projekt „Licht“ bei den Heimattagen. Die weltbekannte Waiblinger Sopranistin Melanie Diener würde einen Meisterkurs mit großem Abschlusskonzert geben. Als kleine, aber feine Spielstätten bieten sich der Platz am Talauesee und – etwa für Streicherensembles – die Kunstlichtung an. Die Matineen sollen verlässliche Termine bekommen, zum Beispiel sonntags um 11 und 14 Uhr.

Sport-Garten: Triathlon, Remstal-Marathon, Stadtlauf, Firmenlauf und Drachenboot-Cup gibt’s auch 2019. Der Skatepark empfiehlt sich für Workshops und Wettbewerbe. Der Familiensporttag während der Heimattage könnte eine Neuauflage erleben. Apropos Triathlon: „Vielleicht kann man in der Rems ja schwimmen“, meint Vuk.

Kunst-Garten: Die Steinmetzinnung schafft künstlerisch gestaltete Sitzobjekte, die Bildhauerklasse der Kunstschule eine Skulptur im öffentlichen Raum. Vorhandene Kunst von Deacon, Balkenhol und Eliasson wird neu präsentiert. Und die Galerie Stihl gibt’s ja auch noch.

Familien-Garten: Auf dem Talaue-Seeplatz könnte es regelmäßige kreative Mitmachangebote von Kunstschule, Musikschule und anderen geben. Mit Minigolfplatz, Bienenhaus, Alvarium und eventuell einem Wasserspielplatz gäbe es am Radweg eine kleine Erlebnismeile für Familien und Kinder. Der historische „Nelkentag“, der in Waiblingen von 1921 bis 1974 begangen wurde, könnte wieder zum Leben erweckt werden.

Genuss-Garten: „Waiblingen erfrischt“ und das Waiblinger Weinfest, das 2019 auf der Erleninsel stattfinden soll, sind Selbstläufer, ebenso der Rosenmarkt. Neues wie eine Koch- und Genussmeile in der Talaue unter dem Motto „Küchen-Garten“ oder ein Bürgerpicknick auf der Brühlwiese verspricht ebenfalls den Appetit anzuregen.

Lese-Garten: Verschiedene Leseecken nebst Bücherregalen gibt es auf dem Gelände der Gartenschau, dazu Lesungen im öffentlichen Raum. Bei „Lyrik in der Lichtung“ könnte sich die Kunstlichtung jeden Mittwochabend in einen Musenhain verwandeln – mit Autoren von hier. „Waiblingen leuchtet“ als Abschlussveranstaltung der Remstal-Gartenschau richtet die Scheinwerfer auf das Thema „Literatur und Licht“.

Die Aufzählung der Veranstaltungsideen erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Große Zustimmung bei den Stadträten

Lob gab’s im Ausschuss für Wirtschaft, Kultur und Soziales von Julia Goll (FDP) für die Garten-Begriffssystematik. Freilich warnte sie davor, dass „jede Kommune ihr eigenes Süppchen kocht“.

Einspruch von Hermann Schöllkopf (CDU): „Wir sollten die Idee für uns vermarkten – die anderen Kommunen müssen sich eben auch anstrengen.“

Roland Wied (SPD) vermisst eine Konzeption für Rad- und Wanderwege.

Wilfried Jasper (DFB) begeistert der Ansatz, nicht einzukaufen, sondern aus der Bürgerschaft zu schöpfen. „Das stärkt die Identifikation.“

Einstimmig wurde beschlossen, dass die Planungen wie vorgestellt weiterverfolgt werden. Gewisse Bedenken äußerte dennoch Christina Schwarz (Alternative Liste): „Ich gehe davon aus, dass wir über die Einzelmaßnahmen noch abstimmen.“

Einspruch von Bernd Wissmann (Bürgerliste Bittenfeld), in Anspielung auf die Kunstlichtungsdiskussion: „Das ist ein Gerüst und kann variieren. Aber man kann nicht hinterher wieder behaupten, wir hätten das alles nicht beschlossen.“

„Verlässlichkeit muss sein“, stellte OB Andreas Hesky klar. Sonst lasse sich nicht planen. Und: Kostenlos sollen zwar viele Veranstaltungen sein, die Organisation wird aber etwas kosten. „Ohne zusätzliches Personal kommen wir nicht aus.“

Noch einmal Julia Goll: Die Bürger dürften nicht das Gefühl bekommen, dass Ideen unter den Tisch fallen. Das tun sie auch nicht, versuchte der OB ihr die Sorge zu nehmen. Außer vielleicht, es werden einfach Ideen präsentiert mit der Erwartung, dass die Stadt sie schon umsetzen werde und man selbst nichts tut. „Da muss es ein gewisses Miteinander geben.“