Waiblingen

Gebrauchtwarenhaus schließt zum Ende des Jahres

Die Waiblinger Dienste schließen_0
Fürs Foto prüfen Verwaltungskraft Anette Esposito (links) und Regionalleiterin Vera Aiello noch einmal die Ware. © ZVW/Alexandra Palmizi

Waiblingen. Gut erhaltene Möbel, Fahrräder und Haushaltswaren zum Schnäppchenpreis – das gibt’s im Gebrauchtwarenhaus der Waiblinger Dienste nur noch bis zum Ende des Jahres. Groß ist die Enttäuschung bei den Kunden und den Mitarbeitern des sozialen Unternehmens. Obwohl die Gründe für die Schließung durchaus erfreulich sind.

Die Waiblinger Dienste boten Arbeitslosen die Chance auf Wiedereingliederung in den ersten Arbeitsmarkt und in einen geregelten Alltag. Doch zuletzt entwickelte sich die Wirtschaft in der Region so gut, dass dem Gebrauchtwarenhaus schlicht die Teilnehmer ausgehen. Es gibt kaum noch Langzeitarbeitslose. „Wir haben praktisch Vollbeschäftigung, was uns natürlich freut“, sagt Vera Aiello, zuständige Regionalleiterin des Deutschen Erwachsenenbildungswerks, das Träger der Waiblinger Dienste ist. Bis zu 25 Teilnehmer arbeiteten einmal im Verkauf, bei der Warenabholung und in den Werkstätten in Waiblingen und Winnenden. Nur acht sind noch übrig.

Öffnungszeiten stark eingeschränkt

Seit vergangener Woche wird keine neue Ware mehr angenommen. Inzwischen gelten im Räumungsverkauf auch stark verbilligte Preise. Wer ein Fahrrad oder Möbelstück zum Schleuderpreis kaufen möchte, muss jetzt zuschlagen, denn das Angebot wird täglich schmaler. Der Weihnachtsbasar, bei dem alljährlich Selbstgebasteltes und Adventsdeko für einen guten Zweck – 2018 etwa für den Waiblinger Tafelladen – verkauft wurde, entfällt. Inzwischen gelten auch eingeschränkte Öffnungszeiten. Statt um 18 Uhr schließt das Gebrauchtwarenhaus in der Waiblinger Benzstraße schon um 13 Uhr. „Wir können keine Schichten mit nur einem Teilnehmer fahren“, begründet Vera Aiello diesen Schritt, „das wäre unverantwortlich.“

Ganz überraschend kommt das Aus für die Waiblinger Dienste nicht. Vor zwei Jahren war das Gebrauchtwarenhaus ins Gewerbegebiet Ameisenbühl umgezogen und hatte sich dabei stark verkleinert. Schon damals hatte der zuständige Projektleiter angekündigt, dass die Zukunft des Geschäfts nicht gesichert sei. Nur noch eine Werkstatt wurde seither betrieben.

Für immer muss die Schließung nicht sein

Früher gab es eine für Fahrräder, für Elektroartikel und für Möbel. Für die von den Teilnehmern geprüfte und restaurierte Ware galt ein Jahr Garantie. Schon aus Platzgründen wurde das Angebot dann stark reduziert. Weiße Ware gab es überhaupt nicht mehr, denn der Aufwand wäre zu groß gewesen. Insgesamt mussten die Mitarbeiter bei der Annahme wählerischer werden – was dazu führte, dass Ware schneller verkauft wurde. Ladenhüter gab es kaum noch.

„Hier wird eine soziale Einrichtung geschlossen, die für eine enorme Nachhaltigkeit seht“, sagt bedauernd ein Waiblinger, der gebrauchte Möbel abgeben wollte. „Was mache ich mit Möbeln, die noch gut, aber in unserer Konsumgesellschaft übrig sind?“ Für die Mitarbeiter, hofft Vera Aiello, wird es andere Maßnahmen des Jobcenters geben. Im Idealfall finden sich Jobs im ersten Arbeitsmarkt. „Ich weiß noch nicht, wie es weitergeht“, meint eine Teilnehmerin im Verkauf, „noch bin ich ja hier.“

Für immer muss die Schließung nicht sein, lässt die Regionalleiterin des Erwachsenen-Bildungswerks durchblicken. Die Stimmung in der Wirtschaft trübt sich schon wieder ein. „In einem halben Jahr kann alles schon wieder anders aussehen.“


Die Dienste

Träger der Waiblinger und Winnender Dienste ist die gemeinnützige DEB-soziale Dienstleistungs-GmbH. DEB steht für Deutsches Erwachsenen-Bildungswerk.

In den Gebrauchtwarenhäusern werden gesammelte und aufbereitete Möbel preiswert zum Verkauf angeboten. Die Dienste holten kostenlos Möbel und Hausrat ab und führten Haushaltsauflösungen sowie Entrümpelungen durch.