Waiblingen

„Geburtslust“ wecken: Stephanie Deuschle (39) unterstützt als Doula Schwangere

Doula
Stephanie Deuschle (39) aus Hohenacker ist eine Doula, was auf Altgriechisch so viel wie „Dienerin der Frau“ bedeutet. Sie begleitet Frauen vom Beginn der Schwangerschaft bis nach der Geburt und steht ihnen bei – insbesondere auch seelisch. Ihre Aufgabe sieht Stephanie Deuschle als Ergänzung zur Tätigkeit von Hebammen. © ZVW/Benjamin Büttner

Die Geburt eines Kindes, findet Stephanie Deuschle aus Hohenacker, sollte für ein Paar der wichtigste Moment im Leben sein – „noch mehr als die Hochzeit“. Dabei will die 39-Jährige helfen, denn sie hat eine Ausbildung zur Doula gemacht. Das ist altgriechisch und bedeutet so viel wie „Dienerin der Frau“. Doulas sehen sich als Ergänzung zu Hebammen und wollen die Frauen vom Beginn der Schwangerschaft an emotional unterstützen.

„Emotional habe ich mich da nicht aufgehoben gefühlt“

Stephanie Deuschle hätte sich eine Doula gewünscht, als sie 2017 schwanger wurde. Sie ging zum Frauenarzt, der machte einen Ultraschall und beantwortete die medizinischen Fragen – mehr nicht, sagt die 39-Jährige. „Emotional habe ich mich da nicht aufgehoben gefühlt.“ Stephanie Deuschle fing danach an, eine Hebamme zu suchen, und stellte fest, wie schwer das ist. Deutschland leidet seit Jahren unter einem Hebammen-Mangel. Die Zahl der Kreißsäle ist deshalb gesunken, auch weil sich eine normal verlaufende Geburt für Kliniken finanziell nicht wirklich lohnt. Hebammen müssen im Krankenhaus oft mehrere Schwangere gleichzeitig betreuen. Freiberufliche Hebammen mit Geburtshilfe zahlen seit Juli 2020 jährlich 9098 Euro für ihren Haftpflichtversicherungsschutz. Es sind alles Dinge, die dazu führen, dass weniger Frauen als früher als Hebamme arbeiten.

„Meine Mutter war quasi meine Doula“

Darum war Stephanie Deuschle froh, dass sie eine Hebamme in Bittenfeld fand, mit der sie sich auf eine Hausgeburt vorbereiten konnte. Termine beim Frauenarzt nahm sie weiter wahr, aber sie spürte laut eigenem Bekunden einen Unterschied zu den Treffen mit der Hebamme, da es hier nicht nur um medizinische Risiken gegangen sei. „Ich habe mich jedes Mal wohlgefühlt, weil sie mehr Zeit für mich hatte.“ Eine Stütze war für Stephanie Deuschle in dieser Phase auch ihre Mutter, deren vier Kinder alle ohne Kaiserschnitt auf die Welt kamen. „Meine Mutter hat mir Lust aufs Gebären gemacht, aufs Schwanger-Sein.“ Dieser Austausch hat der heute 39-Jährigen gutgetan. „Meine Mutter war quasi meine Doula.“

Stephanie Deuschles Sohn kam aus medizinischen Gründen letztlich doch nicht zu Hause auf die Welt, sondern in der Klinik. Er war sechs Wochen zu früh. Stephanie Deuschle kannte ihre Rechte und wusste, dass sie auch in der Klinik Wahlmöglichkeiten hat, wenn sie nur danach fragt. Das hat ihr gutgetan. Sie weiß, dass es auch Frauen gibt, die eine Geburt als traumatisch wahrnehmen. „Eine Frau, die gebiert, ist in der vulnerabelsten Form.“ Wenn dann im Kreißsaal ohne aktives Erfragen eines Einverständnisses der Mutter Ärzte zum Beispiel die Vagina untersuchen, dann sind das genau die Dinge, die Frauen belasten können. Eine solche Geburt führt laut Stephanie Deuschle dazu, dass sich eine Frau entmachtet fühlt, obwohl der Ablauf von außen betrachtet medizinisch als komplikationsfrei eingestuft wird. Auch hier kann eine Doula helfen, dass so etwas nicht passiert.

„Soul Birth“-Doula soll insbesondere auch eine spirituelle Stütze für die Frauen sein

Seit Mai 2022 ist Stephanie Deuschle eine „Soul Birth“-Doula im ersten Jahr der Mentorschaft. Sie ist unter sdeuschle@mail.de erreichbar und bietet eine Begleitung online und vor Ort an, in Waiblingen, Winnenden, Remseck und Umgebung. Ausgebildet wurde sie von „The woman school“. Eine „Soul Birth“-Doula soll insbesondere auch eine spirituelle Stütze für die Frauen sein, betreut werden dabei auch die Partner, egal ob diese männlich, weiblich oder divers sind. Es gibt noch andere Anbieter. Dona International gilt als älteste und größte Organisation zur Ausbildung von Doulas, sie wurde 1992 gegründet. Der Trend zur Doula-Ausbildung kam in der westlichen Welt letztlich über die USA nach Europa.

Stephanie Deuschle betont, dass der Besuch einer Doula niemals den Gang zum Gynäkologen und zur Hebamme ersetzen kann. Sie will auch nicht den medizinischen Fortschritt kritisieren. Es geht ihr vielmehr darum, Frauen stark zu machen, für sie da zu sein. „Wir sind kein medizinisches Personal.“

Wegen Corona war im Kreißsaal lange nur eine Begleitperson zugelassen

Damit sie ihre Zertifizierung als „Soul Birth“-Doula abschließen kann, muss Stephanie Deuschle noch bei drei Geburten dabei gewesen sein. Alle anderen Voraussetzungen hat sie laut eigener Aussage schon erfüllt. Wegen der Corona-Pandemie konnte sie bislang nur zwei Frauen während der Geburt am Handy verbal unterstützen, aber sie durfte eben nicht im Kreißsaal sein, da dort lange nur eine weitere Person erlaubt gewesen sei. Wenn eine Schwangere einen Partner hat und der mit dabei sein will, war somit kein Platz für die Doula.

Stephanie Deuschle sagt, dass sie keine Frau, die zu ihr kommt, zu einer bestimmten Art der Geburt drängen will. „Wenn eine Frau einen Kaiserschnitt haben möchte, unterstütze ich das auch.“ Frauen, die zu ihr kommen, können sich auf eine Matte legen und bei ihr entspanne. Die 39-Jährige hört zu, bietet Bauch- und Handmassagen an, sie setzt auf gemeinsame Meditation und Rituale, unter anderem mit einer Feuerschale, die den Frauen Kraft geben sollen. Auch versucht Stephanie Deuschle die Partner zu überzeugen, wie wichtig es etwa ist, dass sie den Bauch ihrer schwangeren Partnerin massieren. „Praktisch sind da ganz oft Hemmungen.“

„Da wird wieder an der falschen Stelle gekürzt“

Doulas können aus Stephanie Deuschles Sicht niemals Hebammen ersetzen. Die 39-Jährige fühlt sich solidarisch mit den Hebammen und ruft ausdrücklich dazu auf, Petitionen zu unterschreiben, welche sich gegen das GKV-Finanzstabilisierungsgesetz wenden. Nach diesem sollen von 2025 an nur noch qualifizierte Pflegekräfte im Pflegebudget berücksichtigt werden – aber keine Hebammen. „Da wird wieder an der falschen Stelle gekürzt“, ärgert sich Stephanie Deuschle.

Krankenkassen zahlen den Besuch einer Doula bislang nicht

In einer idealen Gesellschaft könnte nach ihrer Vorstellung eine Frau, die ein Kind bekommt, in ein Zentrum gehen, in dem Hebammen, Doulas und Physiotherapeuten unter einem Dach zum Wohl der Schwangeren arbeitet. In der Realität ist es so, dass im Moment die Krankenkassen den Besuch einer Doula nicht finanzieren. Wer zu Stephanie Deuschle geht, bezahlt einen bestimmten Mindestpreis. Diesen soll jede Kundin auf eigenen Wunsch erhöhen können. Stephanie Deuschle hofft, auf diese Weise Geld einzunehmen, das sie dafür nutzen kann, auch Frauen zu betreuen, die sich das sonst finanziell nicht leisten könnten – wie zum Beispiel Geflüchtete.

Allgemein hat sie den Wunsch, dass beim Thema Geburt wieder mehr die Freude darauf in den Mittelpunkt rückt. „Ich möchte die Frauen an ihre Sinnlichkeit erinnern und an ihre Geburtslust.“

Die Geburt eines Kindes, findet Stephanie Deuschle aus Hohenacker, sollte für ein Paar der wichtigste Moment im Leben sein – „noch mehr als die Hochzeit“. Dabei will die 39-Jährige helfen, denn sie hat eine Ausbildung zur Doula gemacht. Das ist altgriechisch und bedeutet so viel wie „Dienerin der Frau“. Doulas sehen sich als Ergänzung zu Hebammen und wollen die Frauen vom Beginn der Schwangerschaft an emotional unterstützen.

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