Waiblingen

Gedenken zum 10. Todestag von Yvan Schneider

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Gleich steigen sie, die blauen Ballons. Zum Zeichen, dass Yvan Schneider nie vergessen wird. © Palmizi / ZVW

Kernen. 50 blaue Luftballone erheben sich in den Abendhimmel. An ihnen hängt ein Zettel, der nach zehn Jahren einer monströsen Tat Worte finden soll, wo es nichts zu erklären gibt: „Unvergesslich, unbegreiflich, unverzeihlich. Yvan Schneider. 21.08.2007.“ Am Montagabend trafen sich Freunde, die Handballkollegen, auf einer Obstwiese hinter Rommelshausen – am Tatort.

Jedes Jahr kommen sie am 21. August zusammen, hier auf der Wiese. Am Kreuz mit dem kleinen Bildnis von Yvan Schneider. Ein junger Mensch, 19 Jahre alt, der einen auf dem Foto kerzengerade anschaut. Fürwahr: Ihm hätten sich so viele Türen geöffnet. Aber dann zerriss der Täter Denis Z., getrieben von einem barbarischen Ehrbegriff, besessen von Eifersucht, die Linie eines sehr konkreten Lebens. Eben mit einer Perspektive, die alles erhoffen ließ.

„Gewalt hilft niemals weiter“

Die Umstehenden haben wieder die blauen und schwarzen T-Shirts übergezogen mit Yvans Rückennummer, der zehn. Manche haben Sonnenblumen in der Hand. Auf den T-Shirts stehen Bekräftigungen, dass Gewalt nicht hingenommen wird. Diese Gemeinde der Trauernden zeigt es ja Jahr für Jahr. „Gemeinsamkeit macht stark“ steht auf den Shirts“. Oder: „Gewalt hilft niemals weiter.“

Clemens Koch hat erneut dies Gedenken organisiert. Wenn man mit ihm spricht, will er gar nicht erklären, warum er es macht. Er tut es einfach. Er spricht sich dabei jedes Mal mit den Eltern ab, mit Pierre und Fabienne Schneider. Nichts soll gegen ihren Willen geschehen. Er ist es auch, der immer wieder angerufen wird von den Fernsehsendern. Dann sagt er: dazukommen darf jeder. Aber einen große Apparat aufbauen, mit Kameras und Übertragungswagen, das geht nicht.

„Positives entstehen lassen“

Und so bleiben sie unter sich und schauen doch in den Himmel. Hier auf der Wiese weitet sich der Raum. Irdische und überirdischen Sphären, Diesseits und Jenseits – es verschwimmt. Dass es da eine Verbindung gibt, darf man im Namen von Yvan annehmen. In Fellbach hat er beim CVJM Handball gespielt. In einer kleinen Rede zwischen den Musikstücken deutet es Clemens Koch an. Vielleicht schaue er „ja doch von oben auf uns runter“. Und vielleicht ist es ja doch nicht nur eine Laune des Weltenlaufs, dass gerade in dem Moment die Sonne durch die Wolkenfenster letzte Strahlen schickt.

Aber Kochs Worte enthalten auch einen Appell. Wir sollen Zeichen setzen gegen jede Form der Gewalt. Wir sollen Rücksicht, Vorsicht, Nachsicht leben. Einfach „Positives entstehen lassen.“ Gegen die absolute Negativität einer feigen Tat.

Veronika und Johanna, die beiden Musikerinnen, spielen zuletzt Mozarts Kegelduette. Weil sie hoffnungsvoll gestimmt sind.

Clemes Koch sagt, es gibt für ihn weiter keine Erklärung für diese Tat. Vielleicht helfe ja das: Immer wieder sagen, immer wieder schreiben, was für ein toller Typ Yvan war. Und für ewig bleiben wird im Denken und Fühlen aller.


Hintergrund:

Am 21. August 2007 erschlug Deniz E. damals 18, in Rommelshausen Yvan Schneider, 19, zerteilte gemeinsam mit zwei Helfern die Leiche, betonierte die Überresten in Blumenkübel ein und versenkte sie im Neckar. Zuletzt ging es darum, wann der Haupttäter, Deniz E. mit türkischer Abstammung, frei kommt. Er hat seine zehnjährige Haftstrafe verbüßt. Er wird wohl noch lange warten müssen. Am 15. August ist er in die Psychiatrie verlegt worden.

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