Waiblingen

Gefährlicher Radübergang auf dem Schulweg

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Die gefährliche Stelle an der Landesstraße Richtung Strümpfelbach: Eine Stettener Interessengemeinschaft setzt sich dafür ein, dass Autofahrer hier ausgebremst werden. © ZVW/Benjamin Büttner

Kernen/Weinstadt. Auf dem Radweg von Stetten nach Weinstadt müssen Schulkinder an der Seemühle die vielbefahrene Landesstraße überqueren. Eine Mutter, um die sich mittlerweile eine Interessengemeinschaft gebildet hat, fordert schon lange, dass Autofahrer an der gefährlichen Stelle ausgebremst werden. Die Stadt Weinstadt plant Maßnahmen. Rüttelstreifen werden nicht angebracht.

Bei der von Tanya Kasa und ihren Mitstreitern aus Stetten angemahnten Gefahrenstelle handelt es sich um eine Überquerung der Landesstraße L 1201, die Strümpfelbach mit Endersbach und der Bundesstraße verbindet. „Die Überquerung ist deshalb sehr gefährlich, da sie an einer sehr unscheinbaren und teilweise schlecht überschaubaren Stelle liegt und zudem so gut wie keine Beschilderung, welche die Autofahrer auf querende Radfahrer hinweist, vorhanden ist“, schreibt die besorgte Mutter dreier Kinder in einer E-Mail an Regierungspräsidium und Landratsamt. Und weiter: „Ich habe in meinem offenen Brief im März 2018 auf diese Gefahrenstelle aufmerksam gemacht und habe mehrere Vorschläge angebracht, wie diese Überquerung sicherer gestaltet werden könnte, leider bis zum heutigen Tag ohne jegliche Veränderung.“ Die Interessengemeinschaft aus mehreren Eltern, deren Kinder das Schulzentrum, die Clemensschule oder die Waldorfschule auf dem Engelberg besuchen, macht Druck: „Bei Wetterlagen wie Nebel in tieferen Lagen, wie es um die herbstliche Jahreszeit sehr oft am Morgen vorkommt, stellt solch eine Situation eine nicht zu tolerierende Gefahr dar.“

Konkret fordern die Stettener Fahrrad- und Tempo-50-Piktogramme auf der Fahrbahn und Rüttelstreifen aus Kunststoff, damit Autofahrer spüren: Hier muss ich langsam fahren. Auch der Kernener Bauamtsleiter Peter Mauch spricht sich für die Rüttelstreifen aus: „Das würden wir begrüßen“, sagt er und folgt damit der Linie des vom Rathaus beauftragten Verkehrsplaners Hans-Jürgen Tögel, der die Installation für sinnvoll hält (wir berichteten).

Landrat Sigel: „Rüttelstreifen stellen erhebliches Sicherheitsrisiko dar“

Die Überquerung liegt allerdings auf Weinstädter Gebiet. Zuständige Verkehrsbehörde ist die Stadt Weinstadt. Und die lehnt die Rüttelstreifen ab. Sie werden laut Holger Niederberger, Pressesprecher in Weinstadt, definitiv nicht installiert. Unterstützung für diese Entscheidung kommt aus dem Landratsamt: Die Kunststoff-Einbauten stellten „im Außenbereich ein erhebliches Sicherheitsrisiko vor allem für Zweiradfahrer“ dar, schreibt Landrat Richard Sigel an die Stettener. „Alle beteiligten Behörden hatten sich im Frühjahr klar gegen solche Rüttelstreifen ausgesprochen. Der Mehrwert für die querenden Radfahrer wäre erkauft mit einer neuen Gefährdung des Verkehrs auf der Landesstraße.“

Nichtsdestotrotz: Im Weinstädter Rathaus sind sich die Verantwortlichen der gefährlichen Situation bewusst. „Es sind Maßnahmen geplant“, sagt Niederberger. Die Schilder, die auf die querenden Fahrradfahrer hinweisen, sollen versetzt werden, damit die Auto- und Motorradfahrer früher gewarnt werden. Und die weißen Fahrrad-Piktogramme würde die Stadt nach anfänglicher Skepsis nun doch gerne aufbringen, auch wenn diese – zumindest laut Landratsamt – für Landesstraßen eigentlich nicht vorgesehen sind.

Nun hat sich das Regierungspräsidium in der Sache eingeschaltet. Mit den Stuttgartern stimmt Weinstadt seine Pläne erst einmal ab. Wann sich an der Gefahrenstelle tatsächlich etwas tut, ist noch ungewiss.

Landratsamt: Busverkehr wird stark verbessert

Die Stettener Eltern kritisieren nicht nur den gefährlichen Radüberweg an der Landesstraße, sondern auch die „sehr schlechte“ Verbindung nach Weinstadt mit öffentlichen Verkehrsmitteln. „Aufgrund dieser Umstände fahren viele Schüler mittlerweile in den warmen Monaten des Jahres, manche sogar ganzjährig, mit dem Rad“, schreibt Tanya Kasa.

Landrat Richard Sigel verspricht in diesem Punkt „deutliche Verbesserungen“. So wird ab 1. August 2019 der Bus der Linie 226 (Firma Schlienz-Tours) zur ersten und sechsten Schulstunde Stetten mit dem Weinstädter Schulzentrum verbinden. Die Fahrt zur ersten Schulstunde beginnt demnach an der Stettener Bank um 7.05 Uhr. Der Bus kommt am Endersbacher Bahnhof um 7.19 Uhr an. Dort wechselt er die Anzeige von 226 auf 114 und fährt direkt weiter an die Haltestelle Benzach am Bildungszentrum (Ankunft: 7.20 Uhr). Dann fährt der Bus weiter in Richtung Esslingen.

Der Rückweg funktioniert nach demselben Prinzip: Nach der sechsten Stunde nimmt der 114er die Schüler um 12.55 Uhr am Bildungszentrum auf. Am Endersbacher Bahnhof wartet er zehn Minuten auf die S 2 aus Schorndorf. Die Kinder können im Bus sitzen bleiben. Dann fährt dieser weiter in Richtung Stetten.