Waiblingen

Gefährlicher Schulweg in Waiblingen? Vorschläge eines Vaters stoßen bei der Stadt auf Skepsis

Waldmühleweg
Im Waldmühleweg ist es stellenweise ziemlich eng. © ALEXANDRA PALMIZI

Ein Vater aus Waiblingen hält den Schulweg seiner Tochter für gefährlich. Sie läuft – wie viele andere Kinder – den Waldmühleweg entlang zur Grundschule. Die Straße verläuft in der Innenstadt entlang der Rems. Hier gilt zwar Tempo 30. Doch die Straße ist eng, und laut dem Vater fahren einige Autofahrer hier „volle Kanne über den Gehweg“. Er wünscht sich, dass die Stadt die Situation entschärft. Etwa durch Bodenschwellen. Die Verwaltung ist skeptisch – und verweist etwa auf den Lärmschutz. Auch Parkplätze will sie nicht streichen.

Dass Autofahrer im Waldmühleweg zum Ausweichen bei Gegenverkehr über den Gehweg fahren, der hier eine sehr niedrige Bordsteinkante hat, kann laut der Stadt „nicht ausgeschlossen werden“, wie sie auf Anfrage unserer Redaktion mitteilt. „Bei dem Waldmühleweg handelt es sich in diesem Bereich um eine Sackgasse in einer Tempo-30-Zone“, schildert die Verwaltung die Situation.

„Dort gibt es keinen Durchgangsverkehr. Auf einer Straßenseite wird am Fahrbahnrand oft durchgängig geparkt. Insbesondere die Anwohner nutzen diese Möglichkeit zum Parken. Im Begegnungsverkehr wird es dann eng. Teilweise sogar so eng, dass ein Pkw anhalten muss, damit ein anderer im Schritttempo noch vorbeifahren kann.“

Bremsschwellen wären der Stadt zufolge zu laut

Dass der Gehweg hier als Schulweg ausgewiesen ist, bestätigt die Verwaltung. Maßnahmen, die der Vater – der namentlich nicht genannt werden möchte – vorgeschlagen hat, überzeugen die Stadt nicht. Der Vater hat in einer E-Mail an die Rathausspitze etwa darum gebeten, weitere Tempo-30-Schilder aufzustellen, „Berliner Kissen“ zu installieren (eine Bremsschwelle, um Fahrzeuge zum Abbremsen zu bringen), am Gehweg Poller anzubringen und auch – was unter Anwohnern besonders umstritten sein dürfte – einige Parkplätze an der Straße zu streichen, um mehr Platz zum Ausweichen zu schaffen (in seiner Mail an die Stadt fügt der Vater hinzu: „Und das sage ich als Anwohner ohne eigenen Stellplatz!“).

Parkplätze streichen? Laut Stadt herrscht "hoher Parkdruck"

Auf Anfrage der Redaktion heißt es von der Stadt zu diesen Vorschlägen: „Für den Einbau von Pollern fehlt es am Platz, beispielsweise wenn der Gehweg nicht breit genug ist oder Zufahrten frei gehalten werden müssen. Berliner Kissen und andere Bodenschwellen sind für die direkt angrenzenden Anlieger ein großes Ärgernis. Durch Abbremsen und Anfahren und selbst beim Überfahren eines solchen Hindernisses entsteht eine Geräuschkulisse, welche vor allem nachts als sehr störend empfunden wird.“

Und zur Bitte, Parkplätze wegzunehmen: „In diesem Straßenabschnitt herrscht für die Anwohner ein hoher Parkdruck. Die vorhandenen Parkmöglichkeiten werden benötigt, weshalb sie nicht ersatzlos und dauerhaft ohne weiteres weggenommen werden können.“ Außerdem sind auch weitere Schilder offenbar nicht möglich, denn: „In Tempo-30-Zonen steht die Beschilderung am Anfang und am Ende der Zone.“

Geschwindigkeitsanzeigen waren nur vorübergehend da

Um die Autofahrer daran zu erinnern, nicht zu schnell zu fahren, hatte die Stadt im Waldmühleweg im Frühjahr sogar eine Anzeigetafel aufgebaut – nach einer vorherigen Anfrage des Vaters von Oktober 2021, wie der Mailverkehr mit der Verwaltung zeigt, der unserer Redaktion vorliegt. Auf der Anzeigetafel konnten die Fahrer ablesen, wie schnell sie unterwegs waren. Nach einiger Zeit wurde die Tafel allerdings wieder abgebaut – „zu unserem völligen Unverständnis“, so der Vater. Er habe damals beobachtet, dass viele Autos langsamer gefahren seien.

Von der Verwaltung heißt es dazu aber: „Die Geschwindigkeitsanzeigetafeln sind mobil und werden im Wechsel überall im Stadtgebiet eingesetzt, um einen größtmöglichen verkehrserzieherischen Effekt zu erzielen.“

Auch in der ursprünglichen Mail an den Vater hatte die Stadt geschrieben, dass geprüft werde, ob die Tafel „eine Zeit lang aufgestellt werden kann“. Als Dauerlösung war sie also nicht vorgesehen.

Zwei Kontrollen: Circa jedes zehnte Auto zu schnell

Bleibt die Forderung des Vaters, häufiger vor Ort zu kontrollieren. Unserer Redaktion erklärt die Stadt, dass im Waldmühleweg auf Höhe Hausnummer 35 zweimal gemessen worden ist: Am Donnerstag, 1. April 2021, wurden demnach zwischen 18.20 und 22 Uhr, bei 125 Fahrzeugen 16 Überschreitungen festgestellt. Das schnellste Fahrzeug war mit 50 Stundenkilometern unterwegs – also 20 km/h zu schnell. Die zweite Messung am Freitag, 5. August, zwischen 10.45 und 13.50 Uhr ergab bei 183 Fahrzeugen 16 Überschreitungen (die höchste mit 65 km/h). Ungefähr jedes zehnte Auto war demnach zu schnell.

Es bleibt im Waldmühleweg allem Anschein nach erst einmal so, wie es ist. Für den Vater ist das nicht befriedigend. Er finde die Wohngegend toll, sie sei zentrumsnah – und damit gebe es natürlich auch Verkehr. „Aber ich bin großer Fan davon, dass man sich an die Regeln hält. Ein Gehweg ist ein Gehweg – und keine Ausweichfläche.“

Ein Vater aus Waiblingen hält den Schulweg seiner Tochter für gefährlich. Sie läuft – wie viele andere Kinder – den Waldmühleweg entlang zur Grundschule. Die Straße verläuft in der Innenstadt entlang der Rems. Hier gilt zwar Tempo 30. Doch die Straße ist eng, und laut dem Vater fahren einige Autofahrer hier „volle Kanne über den Gehweg“. Er wünscht sich, dass die Stadt die Situation entschärft. Etwa durch Bodenschwellen. Die Verwaltung ist skeptisch – und verweist etwa auf den Lärmschutz.

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