Waiblingen

Gegen Führerschein auf Lebenszeit

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Karl Laute (81) hat ein halbes Jahr lang Unfallmeldungen aus unserer Zeitung ausgewertet. Sein Ergebnis: Wer nur die Fahrtüchtigkeit der älteren Generation regelmäßig testen will, übersieht, dass auch die Altersgruppe zwischen 20 und 60 Jahren in viele Verkehrsunfälle verwickelt ist. Sein Rezept: Alle Autofahrer sollten regelmäßig ihr Können unter Beweis stellen müssen. © Gaby Schneider / ZVW
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Die Unfallverteilung laut Karl Laue © Christine Tantschinez
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Ursachen für Unfälle mit Senioren (ab 65) im Rems-Murr-Kreis © Christine Tantschinez
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Die Unfallverteilung laut Karl Laute © VLP
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Ursachen für Unfälle mit Senioren (ab 65) im Rems-Murr-Kreis © VLP

Weinstadt-Endersbach. Senioren am Steuer gelten als Risikogruppe – und das stört den Endersbacher Karl Laute schon länger. Darum hat er ein halbes Jahr die Unfallmeldungen unserer Zeitung ausgewertet. Sein Ergebnis: Die Schäden bei den 20- bis 60-Jährigen sind hoch. Fair würde er es deshalb finden, die Fahrtüchtigkeit aller Fahrer regelmäßig zu prüfen.

Es war eine Fleißarbeit: Ein halbes Jahr lang, von Januar bis Juni, hat Karl Laute jeden Tag seine Waiblinger Kreiszeitung nach Polizeimeldungen aus dem Rems-Murr-Kreis durchforstet. Dann notierte er sich das Alter, das Geschlecht, die Schadenssumme und die Art des Unfalls – und erstellte auf dieser Grundlage eine Statistik.

Dabei kam er zu dem Schluss, dass auch die 20- bis 60-Jährigen für einen großen Sachschaden sorgen. Fahrtüchtigkeitsprüfungen nur für Senioren, wie sie immer wieder gefordert werden, empfindet Karl Laute deshalb als ungerecht. „Da machen es sich einige zu leicht.“ Der Endersbacher plädiert stattdessen für regelmäßige Tests, denen sich nach einem bestimmten Zeitabschnitt jeder Autofahrer unterziehen muss – unabhängig vom Alter. Er erlebt es nämlich im Alltag laut eigenem Bekunden oft, dass im Straßenverkehr zunehmend einfache Regeln missachtet werden. So werden beim Spurwechseln oder beim Ausfahren aus dem Kreisverkehr keine Blinker gesetzt. Oder es wird munter mit dem Handy herumgespielt. „Da muss man sich nicht wundern, wenn die Aufmerksamkeit nachlässt.“

Für regelmäßige verpflichtende Fahrtauglichkeitstests

Karl Laute ist daher überzeugt, dass es jedem Autofahrer gut tut, regelmäßig durch verpflichtende Fahrtauglichkeitstests daran erinnert zu werden, was im Straßenverkehr eigentlich erlaubt ist und was nicht. Erziehung heißt das Zauberwort. Der 81-Jährige findet, dass das mehr bringt, als nur auf Geldbußen für Verstöße zu setzen. „Man kann nicht immer erwarten, dass durch irgendwelche Strafen etwas besser wird.“

Karl Lautes Unfallstatistik hat natürlich auch Schwächen, was dem Endersbacher durchaus bewusst ist. All die kleineren Unfälle, die die Polizei von Januar bis Juni nicht per Pressemitteilung publik gemacht hat, tauchen auch nicht auf. Und es sind längst nicht alle Unfälle aus dem Rems-Murr-Kreis enthalten. Der Endersbacher ist dennoch überzeugt, dass sich seine Arbeit gelohnt hat, weil es ihm darum ging zu zeigen, dass es nur mit Fahrprüfungen für die ältere Generation nicht getan ist. Karl Laute selbst fährt übrigens mit seinen 81 Jahren noch Auto – aber seine weitesten Fahrten beschränken sich inzwischen auf Touren in seine alte Heimatstadt Kassel. „Im Moment geht es noch.“ Wichtig findet der Endersbacher, die eigenen Kräfte richtig einzuschätzen und vernünftig zu sein. Also zum Beispiel Seh- und Hörhilfen zu nutzen, wenn sie nötig sind. „Ohne Hörgeräte könnte ich gar kein Auto mehr fahren.“

Das sagt die Polizei

Es lässt sich nicht leugnen: Fahrer ab 65 Jahren verursachen überproportional häufig Unfälle. Neben den 17- bis 24-Jährigen gehören sie zu den Risikogruppen im Straßenverkehr. Das stellt Holger Bienert von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Aalen klar. Jahresstatistiken zu den Schadenssummen, die bei Unfällen im Kreis entstehen, führt die Polizei indes nicht. Heißt: Sie kann nicht sagen, ob die Schäden der von Senioren verursachten Unfälle überproportional höher sind als bei anderen Altersgruppen.

Zur Wahrheit gehört auch: Laut dem Bundesverkehrsministerium sind Fahrer über 65 deutlich seltener an schweren Straßenverkehrsunfällen beteiligt als die 18- bis 24 Jährigen.