Waiblingen

Geld verzockt, Bus in Waiblingen in Brand gesteckt

Geld verzockt, Bus in Brand gesteckt_0
Januar 2018: Es war kein Überfall; der Fahrer eines Zigarettentransporters hatte den VW-Bus selbst angezündet. © 7aktuell/Simon Adomat

Waiblingen. Zu zwei Jahren Haft auf Bewährung ist ein 38-jähriger Grieche verurteilt worden. Er hatte in Waiblingen Zigarettenautomaten bestückt, seinem Arbeitgeber rund 44 000 Euro gestohlen, das Geld komplett verspielt – und dann behauptet, er sei überfallen worden. Ermittler wiesen ihm nach, er selbst hatte den VW-Bus angezündet, in welchem er Zigaretten und Geld für seine Firma transportiert hatte.

Der hoch verschuldete zweifache Vater zeigte sich reumütig vor Gericht. Er ist inzwischen bei einem neuen Arbeitgeber zur Führungskraft avanciert und stottert die Schulden nach und nach ab. Der Grieche schämt sich fürchterlich, sagte seine Anwältin vor dem Waiblinger Amtsgericht – zumal sein Arbeitgeber, ein Tabakwarengroßhändler und Betreiber Tausender Zigarettenautomaten, ihm zuvor Geld geliehen und eine Art Schuldenmanagement für ihn aufgebaut hatte. Die Firma hatte sich erhofft, ihn dadurch langfristig als treuen Mitarbeiter halten zu können.

Sich selbst leichte Verletzungen zugefügt

Stattdessen betrog der Mann seinen Arbeitgeber um viel Geld. Als die Sache herauskam, gab er alles zu. Vor Gericht räumte er am Montag gesenkten Hauptes erneut ein, er sei schuldig im Sinne der Anklage.

Der Vorfall liegt mehr als anderthalb Jahre zurück und hatte seinerzeit für viel Aufsehen gesorgt. Zunächst stand im Raum, zwei Unbekannte hätten versucht, einen Zigarettenautomatenbefüller zu töten. Sie hätten ihn mit einem Messer verletzt und dann sein Dienstfahrzeug in Brand gesetzt. Der VW-Bus stand am frühen Morgen des 16. Januar 2018 in Waiblingen an der Rems beim VfL-Stadion.

Eine Kommissarin schilderte am Montag als Zeugin vor Gericht, wie die Polizei dem Mann auf die Schliche kam. Zum ersten Mal stutzig wurde man, weil kein einziger Zeuge die beiden ominösen Angreifer gesehen hatte. An jenem Morgen waren Jogger an der Rems unterwegs gewesen, ein Zeuge ging dort auf dem Weg zur Arbeit entlang, ein Handwerker hielt sich in der Nähe auf. Den Ermittlern fielen ferner angesengte Haare beim Opfer auf – was nicht zu seiner Aussage passte. Der Mann hatte eine leichte Verletzung am Bauch. Später stellte sich heraus, er hatte sich die Wunden selbst zugefügt.

Er verspielte an zwei Tagen knapp 44 000 Euro

Im Zuge der Ermittlungen fiel auf, dass der Mann ausgerechnet an jenem 16. Januar das Geld bei seinem Arbeitgeber hätte abgeben müssen, das er aus den Zigarettenautomaten geholt hatte. Es geht um fünfstellige Beträge, weshalb das Fahrzeug mit einem Tresor ausgestattet ist. Ortungstechnik befindet sich ebenfalls im Wagen: Zweimal kurz vor der Tat war das Fahrzeug vor der Spielbank in Stuttgart abgestellt gewesen. Der Angeklagte hatte dort gespielt, das ließ sich später leicht nachweisen.

Die Kommissarin betrieb großen Aufwand, um den mysteriösen Fall aufzuklären. Sie schickte gar Taucher in die Rems, um ein technisches Gerät ausfindig zu machen, mit welchem der Angeklagte Daten an den Zigarettenautomaten auszulesen hatte. Das Gerät wurde nicht gefunden.

Trotzdem ließ sich nachvollziehen, wie viel Geld der Mann in die eigene Tasche gesteckt hatte: Er verspielte an zwei Tagen knapp 44 000 Euro, die er im Auftrag seines Arbeitgebers aus einer Vielzahl von Zigarettenautomaten geholt hatte. „Das haben wir öfter“, sagte Richter Steffen Kärcher – dass der Glaube groß sei, sich im Spielcasino „in kurzer Zeit aller Sorgen zu entledigen“.

Das Gegenteil war der Fall. Als das Geld weg war, geriet der Mann in Panik, hieß es vor Gericht. Er täuschte den Überfall vor und steckte den VW-Bus in Brand.

Zuvor schon hatte er erhebliche Schulden angehäuft, weil er immer wieder gespielt hatte, berichtete die Anwältin des Angeklagten. Inzwischen habe ihr Mandant sein „Spielsuchtproblem“ erkannt. Zeitweise war der nicht vorbestrafte Mann deshalb stationär in Behandlung. Seit Monaten besucht er jede Woche eine Gruppe für ehemalige Spieler.

Ehemaliger Chef unterstützte seinen Mitarbeiter nach Kräften

Sein ehemaliger Chef sagte am Montag als Zeuge vor Gericht aus. Er hatte früh bemerkt, dass sein neuer Mitarbeiter Geldprobleme hatte. Der Prokurist bot dem Fahrer Hilfe an, verhandelte mit Gläubigern seines Mitarbeiters, vermittelte ein Arbeitgeberdarlehen.

Dieses Darlehen zahlt der 38-Jährige im Moment noch zurück. Eins seiner beiden Kinder lebt bei ihm, fürs andere zahlt er Unterhalt. Für den Schaden, den er seinem Arbeitgeber zugefügt hat, sind teilweise Versicherungen aufgekommen – sie werden sich das Geld beim Verurteilten zurückzuholen versuchen.

Richter Steffen Kärcher lobte die Zahlungsmoral des Mannes. Dass jemand mit solchem Eifer Schadenswiedergutmachung betreibe, „haben wir nicht häufig“. Den nicht vorbestraften Mann nun „einzubuchten“, würde „nichts bringen“, so Kärcher: Dann wäre seinen Kindern der Vater genommen und er könnte nicht mehr arbeiten und seine Gläubiger bedienen. Das Schöffengericht setzte die zweijährige Freiheitsstrafe für eine Zeit von drei Jahren zur Bewährung aus.


Bewährung

Eine Freiheitsstrafe kann nur dann zur Bewährung ausgesetzt werden, wenn sie nicht höher ist als zwei Jahre. Das Amtsgericht Waiblingen hat somit eine Strafe verhängt, die gerade noch zur Bewährung ausgesetzt werden kann.