Waiblingen

Geldsorgen beim VfL Waiblingen: Mitgliederzahl sinkt erstmals unter 3000

VfL Waiblingen
Der stellvertretende VfL-Vorsitzende und Geschäftsführer Jochen Griesmeier in der Geschäftsstelle. © ZVW/ALEXANDRA PALMIZI

Es geht um Corona, um Geld - und es klingt bedrohlich: „Ich müsste lügen, wenn ich sage, als Verein kommen wir finanziell trotzdem gut über die Runden. Wir kommen es nicht.“ VfL-Geschäftsführer Jochen Griesmeier hat in seinem letzten Newsletter an die Mitglieder drastische Worte gewählt. Ist die Lage so schlimm?

„Erstmals seit vielen Jahren sind wir weniger als 3000 Mitglieder“, berichtet Griesmeier, der auch stellvertretender Vorsitzender des VfL ist, in seiner Rundmail. 2020 habe man 16.000 Euro weniger an Mitgliedsbeiträgen eingenommen, „ganz zu schweigen von den fehlenden Kurseinnahmen. Und es sind weitere Einnahmequellen weggebrochen: Krankenkassen, Vermietungen, Zuschauer, Catering, Werbung - alles ist auf null“.

Seit Beginn der Corona-Krise treten keine Neuen mehr ein

Auf Anfrage unserer Redaktion nennt Jochen Griesmeier die genaue Anzahl der VfL-Mitglieder: 2893 sind es noch. In den Jahren vor Corona waren es laut dem Geschäftsführer zwischen 3100 und 3300, noch früher auch mal 3600 bis 3700. Das jetzige Minus schmerzt den Verein finanziell - und verursacht hat es laut Griesmeier „ganz klar“ die Corona-Krise. Denn die Austritte, die es ja immer gibt - etwa, weil bisherige Mitglieder zum Studium wegziehen -, können seit Beginn der Pandemie nicht mehr mit neuen Eintritten kompensiert werden.

Zwar traten im ersten Krisenjahr 2020 sogar weniger Mitglieder aus als vor Corona - für Griesmeier ein Zeichen der „Treue“ der Waiblinger zu „ihrem“ VfL. Doch es kamen fast keine Neuen hinzu.

2021 könnte sich der Schwund noch beschleunigen

Besonders besorgniserregend: In den bisherigen Monaten des Jahres 2021 könnte sich das Tempo des Mitgliederschwunds noch beschleunigt haben. Genau weiß der Geschäftsführer das nicht, weil die jüngsten Kündigungen erst Ende Juni wirksam werden, erklärt er. Sein Eindruck auf Grundlage „des Schriftverkehrs“ sei aber, dass es nun mehr Austritte gibt als vergangenes Jahr. Was da noch auf den VfL zukommt, weiß er nicht. Doch es macht ihm Sorgen.

Geld von Land, Stadt und Stihl-Stiftung

So ist wohl auch sein Newsletter zu erklären, in dem er finanzielle Engpässe offen anspricht. Vor dem Kollaps steht der VfL aber nicht, so Jochen Griesmeier auf Anfrage. „Aktuell sieht es so aus, als ob wir mit einem blauen Auge davonkommen.“ Vom Land, von der Stadt Waiblingen und der Eva-Mayr-Stihl-Stiftung bekommt der VfL Geld, wie viele andere Vereine auch. Griesmeier rechnet damit, dass es am Ende 45.000 Euro sind, die der VfL 2020 und 2021 zusammengerechnet erhalten hat. „Damit halten wir uns über Wasser.“

Für dieses Jahr läuft die Antragsphase für die Waiblinger Vereinshilfen noch. Je 100.000 Euro stellen Stadt und Stihl-Stiftung dafür bereit, wie schon im vergangenen Jahr. Bis 7. Juni können Vereine die Hilfe beantragen, das Formular ist auf www.waiblingen.de zu finden.

50 Anträge waren bis Mitte letzter Woche bei der Stadt eingegangen, täglich kämen neue hinzu, so Gabriele Simmendinger, die das Büro des Oberbürgermeisters leitet. 2020 haben 66 Vereine Zuschüsse bekommen.

Sportverband: Die Mittel des Landes reichen bis Mitte 2021

Auch das Land unterstützt Vereine wie den VfL finanziell. Der Topf für die Corona-Soforthilfe wurde auf 25 Millionen Euro aufgestockt. Das werde „den bis Mitte des Jahres bestehenden Bedarf hoffentlich decken“, so Patrik Zimmermann vom Landessportverband Baden-Württemberg gegenüber unserer Redaktion. Und das Geld kommt bei den Vereinen an: „Alle Vereine, die Soforthilfe mit entsprechenden Begründungen und Nachweisen beantragt haben, haben unseres Wissens eine Förderung erhalten.“

Beim Württembergischen Landessportbund (WLSB) sind von Juni 2020 bis Mitte Mai dieses Jahres 862 Anträge bewilligt worden. „Die Zahl der abgelehnten Anträge liegt im einstelligen Bereich. Hier wurde entweder die Bagatellgrenze unterschritten oder der Antrag wies formale Fehler auf“, erklärt Sprecher Thomas Müller.

Auch beim VfL sind immer noch Mitarbeiter in Kurzarbeit

Beiden Sportverbänden ist zudem bislang kein Verein bekannt, der seine Arbeit aufgrund der finanziellen Folgen der Pandemie vollständig aufgeben musste. Viele Vereine sparen laut WLSB aber an Investitionen in Sportgeräte und Sportstätten oder „geselligen Angeboten“. Die vergleichsweise wenigen Vereine, die hauptamtliches Personal - und damit hohe Kosten - haben, reagieren wie auch viele Unternehmen mit Kurzarbeit.

So auch der VfL Waiblingen: 20 Mitarbeiter gibt es in der Geschäftsstelle, davon waren zu Beginn der Corona-Krise mehr als die Hälfte komplett in Kurzarbeit, sagt Geschäftsführer Griesmeier. Nun sind einige wieder in Vollzeit zurück, andere immer noch in Kurzarbeit.

VfL-Geschäftsführer appelliert: "Lasst uns bitte Sport anbieten!"

Auch das hilft, denn die Personalkosten sind ein erheblicher Teil der Ausgaben des VfL. Vergütung von Übungsleitern fällt im Lockdown kaum an, da bis auf Reha-Sport und wenige andere Ausnahmen nichts stattfinden darf. „Wir haben zum Glück auch keine bezahlten Sportler“, sagt Griesmeier. Und ebenso wenig drückende Schulden, die Darlehen seien „nicht in astronomischer Höhe“, so der Geschäftsführer. Dadurch konnte der VfL bislang die Folgen der Krise einigermaßen ausgleichen. „Aber es ist eine große Herausforderung.“ Der VfL-Vorstandsvize appelliert daher einmal mehr an die Politik: „Lasst uns bitte endlich wieder Sport anbieten! Wir brauchen Rahmenbedingungen, mit denen wir wieder loslegen können.“

Der Startschuss für weitere Sport-Angebote rückt indes näher: Wenn die Sieben-Tage-Inzidenz fünf Tage unter 100 lag, darf zwei Tage später erstmals wieder in größeren Gruppen bis 20 Personen „kontaktarme Sportausübung“ im Freien stattfinden - sofern alle negativ getestet wurden oder bereits geimpft oder genesen sind. Nach zwei weiteren Wochen mit Inzidenz unter 100 und „sinkender Tendenz“ greift Öffnungsstufe 2: Dann wäre auch wieder kontaktarmer Sport in der Halle erlaubt.

Vorfreude auf die „Vorratskammer“-Gastro

Trotz allem macht Jochen Griesmeier in seinem Newsletter auch Mut: „Ich weiß nur: wir kommen mit Wucht zurück.“ Nämlich mit „absolut innovativen Sportangeboten“ - und zwar vor allem bei Fitness und Gesundheit. Für die Jugend soll es noch öfter „Ninja-Klettern“ geben.

Zudem will der VfL laut Griesmeiers Rundmail künftig „mit einer mehr als modernen Vereins-Gastro“ punkten. Damit bezieht er sich auf die Holzkonstruktion, die der Verein dem mittlerweile von Strümpfelbach nach Waiblingen umgezogenen Restaurant „Vorratskammer“ abgekauft hat. Im März brachten Schwertransporter sie nachts von Weinstadt zum VfL.

Noch ist das Holzgebilde aber eingelagert. Griesmeier geht davon aus, dass es im September aufgebaut werden kann. In diesen Tagen soll der Bauantrag eingereicht werden.

Es geht um Corona, um Geld - und es klingt bedrohlich: „Ich müsste lügen, wenn ich sage, als Verein kommen wir finanziell trotzdem gut über die Runden. Wir kommen es nicht.“ VfL-Geschäftsführer Jochen Griesmeier hat in seinem letzten Newsletter an die Mitglieder drastische Worte gewählt. Ist die Lage so schlimm?

„Erstmals seit vielen Jahren sind wir weniger als 3000 Mitglieder“, berichtet Griesmeier, der auch stellvertretender Vorsitzender des VfL ist, in seiner Rundmail. 2020 habe

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