Waiblingen

Geldstrafe wegen Streit um Handyvideo

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Symbolbild. © Sarah Utz

Waiblingen. Der Versuch, auf eigene Faust reinen Tisch zu machen, ging ins Auge: Ein 20-Jähriger hatte eigenmächtig versucht, seine Exfreundin zur Löschung eines Videos zu zwingen, das ihn recht freizügig zeigte. Sie kratzte ihn mit spitzen Fingernägeln. Er erwischte sie an der Nase. Nun muss er 400 Euro Geldstrafe wegen fahrlässiger Körperverletzung und versuchter Nötigung bezahlen.

Die Appelle von Amtsrichter Armin Blattner gingen in beide Richtungen: „Das Handy sollte künftig für etwas anderes genutzt werden, als freizügige Aufnahmen damit zu machen.“ Auch die als Gutachterin bestellte Jugendgerichtshelferin mahnte eindringlich: „Ihr seid jetzt 20 und wisst immer noch nicht, dass man sich so schnell in die Öffentlichkeit katapultieren kann.“

Weil sie mit dem Handy ein Video von ihrem Ex-Freund gedreht hat, das ihn recht freizügig zeigt, kam es zum Streit, der jetzt vor dem Amtsgericht verhandelt wurde.

Eskalation: Ihr Fingernagel verletzt ihn im Gesicht, er trifft ihre Nase

Sie hatten eine Affäre. Nach der Trennung fordert er sie auf, das Video zu löschen. Sie verabreden sich bei ihr daheim. Sie will sich nur mit ihm treffen, um noch mal zu reden. Er kommt nur wegen des Handys, um das Video zu löschen. Sie weigert sich, es herauszurücken. Er zwingt sie zur Herausgabe, übt Druck auf sie aus. Dabei kommt es zur Rangelei, die sich ins Treppenhaus und durch die Wohnung zieht.

Es geht ziemlich zur Sache: Sie kratzt ihn mit den spitzen langen Kunstfingernägeln, er packt sie heftig an der Hand. Irgendwann landet sein Ellbogen auf ihrer Nase, einer ihrer spitzen Kunstfingernägel in seiner Gesichtshaut. Die Sache endet glimpflich: Die Verletzungen sind nicht gravierend. Die beiden beenden den Kontakt, gehen sich aus dem Weg, und das Video wird aus der Welt geschafft.

Staatsanwalt: Wege einleiten, die erlaubt sind

Trotzdem hatte der Fall jetzt ein Nachspiel vor dem Amtsgericht. „Weil es so eben nicht geht“, sagte der Staatsanwalt zur Begründung und belehrte den Angeklagten - einen Lackierer-Azubi im zweiten Lehrjahr - über erlaubte rechtliche Schritte, die er aber nicht gewählt habe. Stattdessen habe er versucht, das Handy eigenmächtig an sich zu reißen, um das Video zu löschen. Man müsse Wege einleiten, die erlaubt sind. „Es war nicht die klügste Entscheidung“, so sah es auch Richter Armin Blattner. Auf eigene Faust reinen Tisch zu machen berge immer das Risiko, dass es nicht gut ausgeht. „Und genau diesen Fall haben wir jetzt“, so der Richter.

Polizei hört über Lautsprecher mit

Demnach soll der Angeklagte seiner Ex-Freundin das Handy aus der Hand gerissen haben. Das Handgemenge endete damit, dass er mit Handy über den Balkon die Wohnung im ersten Stock verließ, das Video löschte, das Handy zurückbrachte und in den Briefkasten warf. Doch damit war die Sache für ihn noch nicht ganz vorbei: Er soll sie per Telefonanruf gezwungen haben, ihm ihr Passwort für die Social-Media-App Snapchat rauszurücken, um auch dort die unerwünschten Videospuren zu löschen. Was er nicht wusste: Seine Ex-Freundin hatte bereits die Polizei informiert, die dabeisaß und per Lautsprecher mithörte, wie er ihr drohte: „Wenn du mir das Passwort nicht gibst, stelle ich ein Video von dir ins Netz und mache dir das Leben zur Hölle.“

Angeklagter handelte im Eifer des Gefechts

Dass die Drohung wohl „im Eifer des Gefechts“ geschehen sei, ließ das Gericht gelten. „Es steckt viel Emotion dahinter“, legte der Staatsanwalt bei der Strafzumessung zugunsten des Angeklagten in die Waagschale. Auch den Tatbestand der Fahrlässigkeit sah er gegeben – er gehe davon aus, dass er ihr nicht mit Absicht einen Schlag verpassen wollte. Der geforderten Anwendung des Jugendstrafrechts kam Richter Blattner mit Verweis auf die „geordneten Verhältnisse“ des Angeklagten nach.

Beiden gab er einen Ratschlag mit auf den Weg: „In Zukunft genau überlegen, ob man sich so filmen lässt. Es besteht immer das Risiko, es nicht ohne weiteres aus der Welt zu kriegen.“ Die 400 Euro seien angemessen, als Denkzettel. „Um zu verdeutlichen: So geht es eben nicht.“


Fahrlässigkeit

Den rechtlichen Anspruch auf Löschung des Videos mit persönlichen freizügigen Aufnahmen des Beschuldigten sah das Gericht zwar als gegeben, allerdings nicht auf die Weise, wie es die Anklageschrift feststellte.

Der Angeklagte hätte die offiziellen Rechtsmittel ausschöpfen und die Polizei einschalten müssen, hielt ihm die Staatsanwaltschaft vor.

Stattdessen versuchte er, die Angelegenheit auf eigene Faust zu klären: Dabei beging er versuchte Nötigung beim Versuch, das Handy zu erlangen. Zur fahrlässigen Körperverletzung kam es, da er die Geschädigte „unter Außerachtlassung seiner Sorgfaltspflicht“ im Gesicht getroffen hat.