Waiblingen

Gemüsechips sind keine gute Alternative

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Gemüsechips. © Ramona Adolf

Fellbach. Sie sind orange, grün oder dunkellila. Gemüsechips liegen voll im Trend und werden von Herstellern als die „gemüsehaltige“ und „leckere Alternative“ zu herkömmlichen Kartoffelchips angepriesen. Das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt mit Sitz in Fellbach hat im Rahmen der amtlichen Lebensmittelüberwachung 56 Proben untersucht und kam zu einem überraschenden Ergebnis.

Der Trend zur gesunden Ernährung ist auch bei den salzigen Naschereien angekommen. Zwischen den handelsüblichen Kartoffelchips tauchen immer mehr Variationen aus Gemüse auf. Knusprige Rote Bete, Süßkartoffeln, Karotten und Pastinaken sollen laut Herstellern die glutenfreie und teils vegane Superknabberei bilden.

„Viele Menschen, die sich gesundheitsbewusst ernähren möchten, sehen seit geraumer Zeit in Gemüsechips grundsätzlich eine gute Alternative zu herkömmlichen Kartoffelchips. Mit Blick auf die von unseren Lebensmittelchemikern nachgewiesenen Inhaltsstoffe in 56 Gemüsechips-Proben ist dies ein Trugschluss“, sagte Peter Hauk, Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, jüngst in Stuttgart. „Damit stellen sie keine gesunde Alternative dar. Auch aufgrund des Salzgehalts von durchschnittlich 1,5 Prozent sollten Gemüsechips nur ein gelegentlicher Snack bleiben“, so der Minister weiter.

Fett, Salz und Kalorien

„Gemüsechips weisen erhebliche Gehalte an Fett und Kalorien auf. Ihr Salzgehalt ist je nach Produkt nicht unbedeutend. Für den Verbraucher lohnt sich daher ein Blick auf die Nährwerttabelle auf der Verpackung. Zusatzstoffe spielen in diesen Produkten keine Rolle. Auffällig ist jedoch der Gehalt an Acrylamid, der tendenziell deutlich höher ist als in Kartoffelchips“, so lautet auch das Fazit einer Untersuchung des Chemischen und Veterinäruntersuchungsamts (CVUA) mit Sitz in Fellbach.

Was gibt es dann für Alternativen zu Gemüsechips?  Unspektakuläre Nahrungsmittel sind laut Dr. Farabia Akhavan immer noch die beste Alternative. Sie berät in ihrer Waiblinger Praxis Eltern und Jugendliche zum Thema Ernährung. „Nüsse sind ein guter Ersatz. Warum kann man morgens nicht einfach mal eine Vesperdose mit in die Schule nehmen? Da kann man ein Stück Käse, ein Stück Vollkornbrot oder vielleicht auch Gemüse klein schneiden. Man muss es nicht einmal klein schneiden – wieso kann man keine Karotten oder Sellerie mitnehmen?“

Viele Jugendliche haben beim Thema Ernährung nachholbedarf

Dr. Farabia Akhavan hat in den vergangenen Jahren vermehrt mit jungen Menschen zu tun gehabt: „Wenn Sie die Jugendlichen in der Praxis haben und ihnen sagen, ,schreib zwei Tage lang auf, was du gegessen und getrunken hast’, dann braucht man sich nicht zu wundern, wieso wir so viele dicke Menschen haben, nicht weniger als in Amerika.“ Hier führt der Weg schnell in die Gesundheitsgefährdung. „Es ist ja jetzt kein optisches Problem. Das Problem ist, dass diese Menschen, Kinder und Jugendliche, gefährdet sind und in absehbarer Zeit viele chronische Krankheiten wie Bluthochdruck und Diabetes bekommen.“

Vergleichsweise hoher Anteil von Acrylamid

Für Dr. Akhavan beginnt der Trend der falschen Ernährung bereits in der frühen Kindheit: „Wenn Sie mit den Kindergartenkindern auf den Markt gehen, kennen viele der Kinder die normalsten Gemüsesorten nicht. Sie wissen einfach nicht, was es ist. Da sollte man schon ansetzen.“

Es ist bekannt, dass Kartoffelchips zu den Lebensmitteln mit dem höchsten Risiko für die Bildung von Acrylamid gehören. Acrylamid gilt laut CVUA nach wie vor als „wahrscheinlich krebserregend für Menschen“; allerdings haben Untersuchungen bisher noch keinen Zusammenhang zwischen Acrylamid in unserer Nahrung und dem Auftreten verschiedener Krebsarten nachweisen können.

Bester Wert: Gemüsechips aus Wirsinggras

Für Gemüsechips gibt es bisher keinen EU-Richtwert. Legt man jedoch den Richtwert für Kartoffelchips zugrunde, so liegen acht von 56 untersuchten Proben über diesem Orientierungslimit, das aktuell 1000 Mikrogramm pro Kilogramm beträgt. 18 Proben liegen im Bereich von 500 bis 1000 Mikrogramm, und nur in zwölf Proben lag der Gehalt unter 100 Mikrogramm. Die Forscher haben bei einer Chips-Mischung aus Süßkartoffeln, Pastinaken und Roter Bete gar einen Wert von 1700 Mikrogramm ermittelt.

Laut den Forschern des CVUA sind in erster Linie Süßkartoffeln für den hohen Acrylamidgehalt verantwortlich. Den besten Wert hatten die Gemüsechips aus Wirsinggras, dort wurde keine oder eine vernachlässigbare Acrylamidbildung gefunden.


Viel Fett

Bei Gemüsechips beträgt der Gemüseanteil meist 60 bis 70 Prozent, während üblicherweise 28 bis 37 Prozent Fett im Enderzeugnis verbleiben. Mit dem Verzehr von 100 Gramm Gemüsechips wird die von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfohlene Fettzufuhr von 60 bis 80 Gramm Fett pro Tag fast zur Hälfte erreicht. Ebenso ist der Nährwert mit 480 bis 520 Kilokalorien pro 100 Gramm nicht zu vernachlässigen. Eine 100-Gramm- Portion trägt somit auf Grundlage der Referenzmenge von 2000 Kilokalorien pro Tag zur täglichen Kalorienaufnahme eines Erwachsenen zu circa 25 Prozent bei. Zum Vergleich: 100 Gramm Karotten weisen einen Energiegehalt von circa 30 Kilokalorien auf. Dies geht aus dem Bericht des CVUA Stuttgart vom 21. August 2017 hervor.