Waiblingen

Gewa-Gläubiger formieren sich

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Der Tower am Morgen: Die mit 6,5 Prozent bezinste Anleihe hat bei Baukosten von über 60 Millionen ein Volumen von 35 Millionen. © Habermann / ZVW

Fellbach. Nach der Insolvenz der Gewa sind die Anleger verärgert – und machen Druck für einen schnellen Weiterbau des Towers. Wenn es nach ihnen geht, soll der Fahrplan für das weitere Vorgehen im Januar stehen. Mehrere Investoren sind zur Stelle, um das Projekt zu übernehmen. Kaufinteressenten für die Wohnungen gibt es offenbar auch.

Die Gewa-Gläubiger formieren sich: Die KFM Deutsche Mittelstand AG versucht, private und institutionelle Anleger über die Rechtsanwaltskanzlei mzs-Rechtsanwälte in Düsseldorf zu bündeln. Die Anwälte haben mittlerweile Vollmachten im Umfang von rund 19 Millionen Euro und vertreten damit mehr als die Hälfte des Anleihenvermögens. Noch im Dezember will sie für Januar eine Gläubigerversammlung einberufen, um die gemeinsamen Interessen entschieden zu vertreten. Zu den Anlegern gehören ebenso Fonds wie Privatleute, sie stammen vor allem aus Süddeutschland, aber auch aus Holland, der Schweiz, Österreich und sogar Kanada. Die Anlagesummen liegen zwischen 2000 Euro und einer halben Million. Besonders die Profis seien mächtig sauer, sagt Vorstand Hans-Jürgen Friedrich.

„Krasser Managementfehler“ bei der Liquiditätsplanung

Gespräche führe die KFM nicht nur mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter, sondern auch mit Interessenten, die den Tower übernehmen und weiterbauen wollen. Es handele sich um sehr finanzstarke Investoren, wobei sich derzeit aus Anlegersicht vier gangbare Wege anböten. Namen könne er derzeit nicht verraten. Der KFM-Vorstand ist guter Dinge, was die zeitnahe Fortsetzung des Projekts angeht, denn das liege im Interesse aller Beteiligten: „Das ist eine Schicksalsgemeinschaft.“ Im Idealfall soll ein Fahrplan für die Zukunft des Gewa-Towers bereits auf der Gläubigerversammlung vorgestellt werden. Um diesen festzuzurren, gelte es, auch die Zeit zwischen den Feiertagen bis Dreikönig zu nutzen.

Bei den mzs-Rechtsanwälten handelt es sich laut Friedrich um die besten ihres Fachs. Zwar definiert der Anleihenprospekt die Rödl Treuhand Hamburg als Vertreter im Insolvenzfall, just diese soll aber auch die Sicherheiten der Gewa-Anleihe verwalten und die Mittelverwendung kontrollieren. Hier sieht Friedrich einen Interessenkonflikt, den offenbar die Rödl Treuhand selbst gerne los wäre.

Ursachenforschung noch nicht abgeschlossen

Die Ursachenforschung bezüglich der Gewa-Insolvenz ist noch nicht abgeschlossen. Hans-Jürgen Friedrich glaubt, dass bei der Umsetzung des Baugewerkes eine Finanzierungslücke entstanden ist, die von den Bauherren nicht gedeckt werden konnte. Anders ausgedrückt: Die Bauzeitplanung erforderte weitere Investitionen, doch aus dem Verkauf der Wohnungen floss das nötige Geld (noch) nicht zurück. Nach Friedrichs Meinung ein „krasser Managementfehler“. Die Geschäftsführung hätte früher über die Situation informieren sollen, eventuell wäre eine Überbrückung möglich gewesen. Aber die Gewa sei, selbst als die Gerüchte um den Baustopp die Runde machten, auf „Tauchstation“ gegangen. Nun stelle sich die Frage, ob dabei fahrlässig gehandelt wurde. Die Anleger lassen rechtliche Schritte prüfen.

Auffällig war der im Herbst erfolgte Verkauf des Hotels in einem „Forward Deal“. Was bedeutet, dass der Verkaufserlös erst nach Fertigstellung und Übergabe fließt. Solche „Forward Deals“ sind, gerade wenn es um Hotels geht, durchaus üblich. Angesichts der Zahlungsschwierigkeiten wirft die Vorgehensweise dennoch Rätsel auf. Hans-Jürgen Friedrich meint: „Die haben sich verzockt.“

Risiko

Ende August erhielt die Gewa-Tower-Anleihe bei Creditreform Rating die Note BBB und wies somit laut der Creditreform Rating AG eine „stark befriedigende Güte“ auf.

Die Bauherren Warbanoff kündigten zu der Zeit an, das „projektimmanente Risiko weiter verringern“ zu wollen und dazu insbesondere die Wohnungsvermarktung für die verbliebenen oberen Stockwerke wieder intensivieren zu wollen.