Waiblingen

Gewa-Tower soll weitergebaut werden

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Mit seinen 107 Metern überragt der Gewa-Tower Fellbach und den Waiblinger Süden. © Benjamin Büttner

Fellbach. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter der Immobilienprojektgesellschaft Gewa 5 to 1 wurde der Stuttgarter Rechtsanwalt Ilkin Bananyarli bestellt. Für die Übernahme des Turmbau-Projekts stehen schon jetzt mehrere Bewerber an. Derweil wird die Pleite in Fellbach zum Politikum.

Der vorläufige Insolvenzverwalter Ilkin Bananyarli verschaffe sich derzeit gemeinsam mit seinem Team einen ersten Überblick über die finanzielle Lage der Projektgesellschaft, heißt es in einer Mitteilung. Ein erstes ausführliches Gespräch mit den Gewa-Geschäftsführern Mark und Michael Warbanoff fand am Dienstag statt. „Ich werde schnellstmöglich mit allen Beteiligten Gespräche führen und die Möglichkeiten des Weiterbaus des Gewa-Towers prüfen“, sagt der Sanierungsexperte der Pluta Rechtsanwalts GmbH.

Ebenfalls bereits am Dienstag habe er erste Anfragen von potenziellen Interessenten erhalten, mit welchen er zeitnah Gespräche führen will. „Ziel der Insolvenzverwaltung ist es, eine Fortführungslösung für das Bauprojekt zu erzielen.“ Sprich: den Tower fertig zu bauen. Der bisherige Generalunternehmer Baresel GmbH geht davon aus, dass die Bauarbeiten schon in absehbarer Zeit wieder aufgenommen werden können. In einer Mitteilung vom Dienstagabend wird erstmals offiziell ein Grund für den Abbruch der Arbeiten genannt: Von „ausstehenden Zahlungen des Auftraggebers“ ist die Rede. Weiter heißt es: „Wir stehen bereit, die Arbeiten dann zügig fortzuführen, damit die Wohnungen schnellstmöglich an die Erwerber übergeben werden können.“ Holger Wallisch, Geschäftsführer der Baresel GmbH: „Fellbach soll seinen Gewa-Tower bekommen.“ Ob der Turm dann auch so heißt, wird sich aber wohl erst im Insolvenzverfahren erweisen.

SPD: „Katastrophe für die Stadt“

„Die Insolvenz des Investors ist eine Katastrophe für die Stadt, für die Anleger sowie für die Käufer von Wohnungen“, sagt Andreas Möhlmann, Fraktionsvorsitzender der SPD im Fellbacher Gemeinderat. Bei einer Klausurtagung von Fraktion und Ortsverein, die ursprünglich eine andere Tagesordnung hatte, war die Tower-Pleite aktuelles Thema. „Die Stadt ist durch die Gemeinderatsmehrheit von CDU und FW/FD ein hohes Risiko eingegangen, das Experiment ist gescheitert“, lautet Möhlmanns Fazit. Eine Bürgschaft der Stadt oder sonstige städtische Mittel für das Bauvorhaben kommen für die Sozialdemokraten nicht infrage. Scharf kritisiert wurde das von FW/FD-Chef Ulrich Lenk geäußerte Verständnis für den Investor: „Das ist blanker Hohn gegenüber den Anlegern und Käufern.“

Der Fellbacher Gemeinderat hätte Ende 2013, nachdem der Investor über Jahre hinweg es nicht geschafft hatte, eine Finanzierung einer Bank zu liefern, ohne Regressansprüche das Projekt beenden können. Doch CDU und FW/FD hätten diese Chance ausgeschlagen und stur daran festgehalten. Dass diese Fraktionen Mitte 2014 auch noch eine Risiko-Anleihe als Finanzierungsnachweis genehmigt hätten, sei ein weiterer Fehler gewesen. Für die Sozialdemokraten ist klar: „Beide Fraktionen tragen die politische Verantwortung für die jetzige Misere.“

Ilkin Bananyarli weist umfangreiche Erfahrungen mit der Insolvenz von Immobilienprojektgesellschaften vor. So war er auch Insolvenzverwalter mehrerer Gesellschaften der Häussler-Gruppe aus Stuttgart, die 2011 Insolvenz anmeldete. Die Pluta hilft Unternehmen in rechtlich und wirtschaftlich schwierigen Situationen. Gegründet 1982, beschäftigt sie heute mehr als 380 Mitarbeiter in Deutschland, Spanien, Italien und Polen. Über 90 Juristen und 40 Kaufleute, darunter viele Rechtsanwälte und Steuerberater mit Mehrfachqualifikationen als Wirtschaftsprüfer, Diplomkaufmann oder Buchprüfer, suchen praktikable Lösungen. Pluta unterstützt bei der Sanierung und Fortführung von Unternehmen in Krisen oder Insolvenzsituationen und entsendet bei Bedarf auch Sanierungsexperten. Pluta gehört nach eigener Aussage zur Spitzengruppe der Sanierungs- und Restrukturierungsgesellschaften. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Pluta-Anwalt Ilkin Bananyarli durch Beschluss des Amtsgerichts Esslingen bestellt.
Die Gewa hatte, wie berichtet, am Freitag überraschend Insolvenz angemeldet. Eine Woche zuvor war offiziell bestätigt worden, was seit Tagen als Gerücht durch Fellbach kursierte: Baustopp. Und das nur wenige Wochen nach Verkauf des geplanten Hotels, und nur zwei Monate nach dem Richtfest. Die Gewa 5 to 1 GmbH & Co. KG ist eine Projektgesellschaft zum Bau des Towers.

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