Waiblingen

Gewalt an Schulen nimmt zu

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Schüler Schule Schulanfang
Ab Montag werden in den Grundschulen wieder alle Klassen gleichzeitig unterrichtet. © Christian Schwier - Fotolia
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Zahl der Schulsozialarbeiter nimmt zu

Weinstadt. Bis auf die Grundschule Strümpfelbach gibt es mittlerweile an jeder Weinstädter Schule ein vollständiges Angebot an Schulsozialarbeit – doch der Bedarf wird damit nach Auskunft des Stadtjugendreferenten Kurt Meyer noch lang nicht gedeckt. Auch die Probleme nehmen laut seiner Darstellung zu, vor allem in Sachen Gewalt. „Das ist wirklich sehr besorgniserregend.“

Ausgerissene Haare, blutig gekratzte Haut, massives Mobbing: Schulsozialarbeiterin Sabine Engels berichtete im Sozial- und Kulturausschuss der Stadt ganz offen von den Problemen, mit denen sie und ihre sechs Kolleginnen an den Weinstädter Schulen zu kämpfen haben. Nach ihrer Beobachtung nimmt die Gewalt unter Schülern stetig zu – und auch die Sozialarbeiterinnen selbst müssen einiges aushalten. „Ich habe vor kurzem einen Tritt und einen Boxhieb bekommen, von einem Kind, das nicht in der Schule bleiben wollte.“ Die Zahl der Beratungsgespräche ist ebenfalls angestiegen, weil insbesondere auch die Lehrkräfte Bedarf haben. Stadtjugendreferent Kurt Meyer wünscht sich deshalb eine Aufstockung der Schulsozialarbeit. Dann könnten die Mitarbeiterinnen bei akuten Problemen auch viel schneller als derzeit Beratungstermine anbieten. „Es bleibt viel liegen.“

Dass von Schulleitungen selbst Anträge gestellt werden, die Stellen der Schulsozialarbeiter aufzustocken, sieht Kurt Meyer ebenfalls als deutliches Signal, etwas zu tun. Auch er spricht von teilweise massiver Gewalt unter Weinstädter Kindern – und zwar schon an den Grundschulen. Vor dem Hintergrund fragte sich mancher im Sozial- und Kulturausschuss, warum eigentlich angesichts des Bedarfs der Rems-Murr-Kreis keinen Cent beisteuert. Zwei Drittel der Kosten für die Schulsozialarbeit stemmt die Stadt selbst, das Land finanziert den Rest. SPD-Stadtrat Theo Bachteler kommentierte das Verhalten des Kreises mit einer Portion Sarkasmus. „Die müssen halt ihr Krankenhaus finanzieren“, frotzelte der ehemalige Konrektor der Weinstädter Erich-Kästner-Schule in Anspielung auf den teuren Klinik-Neubau in Winnenden, dessen Betrieb entgegen früherer Prognosen des Landratsamts noch immer defizitär ist.

Betroffenheit bei den Stadträten

Freie-Wähler-Stadträtin Sabine Dippon zeigte sich wie manch anderer im Gremium angesichts des Berichts der Schulsozialarbeiterin betroffen. Vor zwei Jahren, betont die Beutelsbacherin, habe sie mal gesagt, dass man auch bald Schulsozialarbeit im Kindergarten benötige. „Es wird noch schlimmer.“ In dem Zusammenhang erinnerte Theo Bachteler daran, dass es vor einigen Jahren im Gemeinderat noch große Widerstände gegen die Schulsozialarbeit gegeben habe. Angesichts der aktuellen Lage wartet er nun laut eigenem Bekunden darauf, dass die Stadtverwaltung dem Gremium bald einen Vorschlag zur weiteren Aufstockung der Schulsozialarbeit macht.

„Alles andere ist pädagogisch unsinnig“

GOL-Fraktionschef Manfred Siglinger fragte sich indes, ob es nicht zunächst innerhalb des Stadtjugendreferats Möglichkeiten gibt, die Arbeit besser zu verteilen. Beim Blick auf die Stellen kam es ihm komisch vor, dass mit Maike Hermann an der Grundschule Beutelsbach eine Schulsozialarbeiterin mit einer 50-Prozent-Stelle für knapp 250 Schüler zuständig ist, während sich Susanne Kemmer mit ihrer 50-Prozent-Stelle am Gymnasium gleich um fast 1000 Schüler kümmern muss. „Da kann mir niemand reinreden, dass das eine sinnvolle Struktur ist.“ Stadtjugendreferent Meyer verteidigte die jetzige Aufteilung: Für jede Schule müsse er mindestens eine 50-Prozent-Stelle aufbieten. „Alles andere ist pädagogisch unsinnig. Da hängt auch die Landesförderung dran.“ Heißt: Wenn nur eine 25-Prozent-Stelle für eine Schule zuständig wäre, müsste die Stadt mehr Geld ausgeben. Meyer verwies zudem darauf, dass sich am Bildungszentrum, zu dem die Vollmarschule, die Erich-Kästner-Gemeinschaftsschule, die Reinhold-Nägele-Realschule und das Remstal-Gymnasium zählen, die drei Schulsozialarbeiter gegenseitig unterstützen. Wenn also am Gymnasium gerade mehr Bedarf ist, hilft eine Kollegin mit.

Können nicht Kommunen wie etwa Remshalden, aus denen Schüler auf Weinstädter Schulen gehen, an der Finanzierung der Schulsozialarbeit beteiligt werden? Diese Idee brachte GOL-Fraktionschef Manfred Siglinger in der Sitzung des Sozial- und Kulturausschusses ins Spiel.

„Das ist natürlich eine spitzfindige Betrachtung“, meinte daraufhin Ulrich Spangenberg, Leiter des Amts für Familie, Bildung und Soziales, und gab zugleich zu, dass Weinstadt bislang von umliegenden Kommunen keinen Kostenanteil für die Schulsozialarbeit erhält. „Wir haben auch noch nichts gefordert.“ Bislang gibt es nur den sogenannten Sachkostenbeitrag. Dieser fließt allerdings nicht für Schüler, die eine Grundschule, die Klassen eins bis vier einer Gemeinschaftsschule oder eine Fachschule besuchen.