Waiblingen

Gewaltdrohung per WhatsApp: Schule in Angst

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Die Friedensschule in Neustadt (Archivfoto). © ZVW/Benjamin Büttner

Waiblingen-Neustadt. Ein Austausch von Whats-App-Nachrichten zwischen zwei 13-Jährigen hat an der Friedensschule Neustadt für Wirbel gesorgt und die Nerven vieler Menschen strapaziert: Zwei Jungs, einer der beiden ist Schüler in Neustadt, drohten im privaten WhatsApp-Chat mit folgenschweren Taten. Es war zwar nur dummes Zeug, pubertäres Geschwätz. Doch so angsteinflössend, dass einer der beiden laut Polizei „kalte Füße“ bekam und in der Chatgruppe seiner Schule warnte: Vielleicht drohe eine Amoktat.

Die Polizei gab gegen halb elf am Donnerstagvormittag offiziell Entwarnung: „Zu keinem Zeitpunkt“ habe für Schüler eine konkrete Gefahr bestanden. Polizei-Pressesprecher Ronald Krötz bekräftigte kurz darauf auf Nachfrage dieser Zeitung: „Es besteht keine Gefahr.“

Laut Polizei waren die Worte der beiden Schüler zu keinem Zeitpunkt ernst gemeint. Das kam aber natürlich erst heraus, als die gesamte Maschinerie in Gang gesetzt war und die Polizei die Jungs befragt hatte. Jener 13-Jährige, der den Hinweis in die Chatgruppe seiner Schule geschickt hatte, meldete sich vorsorglich für Donnerstag krank. Der andere Junge wohnt offenbar in Neustadt, hat die Schule zwar nie besucht, aber früher mal kurzen Kontakt dorthin gehabt.

Als die Sache an der Friedensschule bekannt wurde, schaltete ein Lehrer die Polizei ein.

Persönliche Information durch Schulleitung

Gabriele Gollnick, Rektorin der Friedensschule Neustadt, kann sich am Nachmittag alles andere als erleichtert zurücklehnen. „Bei mir flattern heute die Nerven“, sagt sie, und das ist mehr als verständlich. Mehr als 600 Menschen hielten sich am Donnerstagvormittag im auf mehrere Gebäude verteilten Schulkomplex auf. Was, wenn doch Gefahr droht?

Gabriele Gollnick entschied, zusammen mit anderen Verantwortlichen, persönlich von Klassenzimmer zu Klassenzimmer zu gehen und Kinder wie Lehrer direkt zu informieren. Eine Durchsage über Lautsprecher wäre die Alternative gewesen. Noch Stunden später ist die Schulleiterin froh, diese unpersönlichere Variante nicht gewählt zu haben: „Da wäre das Chaos hier ausgebrochen“, fürchtet sie.

Der Amoklauf von Winnenden im Kopf

Schüler und Lehrer sind mit dem Vorfall ganz verschieden umgegangen, berichtet Gabriele Gollnick. Es gibt an der Schule Menschen, die den Amoklauf in Winnenden damals nicht nur über die Berichterstattung der Medien wahrgenommen werden. Wie muss solch ein Vorfall auf sie wirken. Einige Schüler ließen sich abholen; „wer es nicht aushalten konnte, durfte gehen“, entschied Gabriele Gollnick. Lehrer boten sich als Gesprächspartner an, die Schulseelsorge war im Einsatz. Sehr froh war die Schulleiterin, so berichtet sie, dass die Polizei schnell da war und sofort klare Handlungsanweisungen gab.

Die Rektorin wird nun erneut allen, die Gesprächsbedarf haben, Angebote machen, und sicher wird es auch noch am pädagogischen Tag diesen Freitag an der Schule um dieses Thema gehen.

Als Gollnick von einer möglichen Amokdrohung an ihrer Schule hörte, „funkelten alle möglichen Situationen“ in ihrem Kopf auf. Der zehnte Jahrestag der Amoktat in Winnenden liegt weniger als zwei Wochen zurück. Nicht nur deshalb schreckt eine solche Nachricht auf. Auch die aktuelle Nachrichtenlage gibt keinen Anlass zur Gelassenheit. Am Freitag, 15. März, ermordet ein Mann in Neuseeland 50 Menschen in Moscheen. Am Montag, 18. März, erschießt ein Mann im niederländischen Utrecht drei Menschen in einer Straßenbahn. Mitte Januar starben 21 Menschen bei einem Autobombenanschlag auf eine Polizeiakademie in Kolumbien.

Alles weit weg? Schon. Doch am 11. März vor zehn Jahren ist mit den Opfern in Winnenden und Wendlingen auch die Idee gestorben, hinter der Menschen gern Schutz suchen: Sowas passiert doch nicht bei uns.

Es ist in Neustadt nichts passiert, will heißen: Niemand wurde körperlich verletzt. Andere Arten von Verletzungen haben die zwei dummen Jungs dennoch vielen Menschen zugefügt, wenn auch – vermutlich – ohne Absicht. Die Polizei führte mit beiden und deren Eltern ein „belehrendes Gespräch.“

 

>> Bei einer mutmaßlichen Amokdrohung ist es richtig, die Polizei zu rufen, bestätigt Pressesprecher Ronald Krötz. Experten schätzen ein, wie eine solche Meldung zu bewerten ist. „Wir gehen sensibel mit dem Thema um“, verspricht Krötz. Eine weitere Anlaufstelle ist das Beratungsnetzwerk Amokprävention, zu erreichen unter Telefon 06 41 / 99-2 15 71.