Waiblingen

Gibt es zu Schulbeginn ein Bus-Problem in Waiblingen? Eltern kritisieren normale Fahrpläne trotz Corona

Schulbus
Überfüllt war zumindest dieser Schulbus nicht. Doch kurz nach dem Aussteigen war das Abstandhalten bei den Schülern schnell vergessen. © Gabriel Habermann

Die Schule geht wieder los, doch die Busse verkehren wie gehabt. Eine Anpassung des Fahrplans an die Unterrichtszeiten hat es nicht gegeben. Ein Vater, dessen Tochter das Salier-Gymnasium besucht, ist besorgt: „Überfüllte Schulbusse ohne Abstandsregeln werden in Kauf genommen. Das ist aus meiner Sicht unfassbar, wie fahrlässig mit der Gesundheit der Kinder, Lehrer und Familien umgegangen wird.“

Auf diese Umstände sei der Vater, der anonym bleiben möchte, aufmerksam geworden, als die Schule den Eltern einen Hinweis-Zettel zukommen ließ. Dort steht: „Trotz allen Bemühens ist es nicht gelungen, beim Landratsamt eine Anpassung der Schulbusse an die Unterrichtszeiten zu erwirken.“ Daher müsse, falls eine Anfahrt zu Fuß oder mit dem Rad nicht möglich ist, auf den regulären öffentlichen Nahverkehr zurückgegriffen werden, heißt es.

Kreis bat um Anpassung der Unterrichtszeiten an die Fahrpläne

Das Landratsamt habe die Kommunen allerdings im Vorfeld darum gebeten, dass die Schulen ihre neuen Zeiten an die Busse anpassen, teilt Martina Keck, Pressesprecherin des Landratsamts, mit. Der normale Linienbusfahrplan gilt bereits seit der Schulöffnung am 4. Mai wieder – einschließlich aller Busse des regulären Schülerverkehrs.

Vor Corona war es so, erinnert sich der Vater, dass der Bus bereits gut gefüllt gewesen sei, wenn die Tochter um kurz vor sieben einstieg. „Wenn die Schulen nun öffnen, füllen die Busse sich wieder“, sagt er – und wünscht sich zusätzliche Busse.

Schutz in der Schule - und was ist im Bus?

„Die Schulkonzepte sind sehr umfangreich“, lobt er die Maßnahmen der Schulen. Am ersten Schultag trafen sich die Lehrer mit ihren Schülern erst mal draußen, um ihnen dort eine Einweisung zu geben. Am Salier-Gymnasium gilt es, Abstand zu halten und sich an die allgemein bekannten Hygieneregeln zu halten. Außerdem hat die Schule einen Wegeleitplan entwickelt.

Für den Weg zur und von der Schule wünscht sich der Vater aber ebenfalls ein Konzept. Denn was bringt es, wenn die Kinder in der Schule geschützt sind, aber nicht im Bus?

Nicht machbar, Taktung an individuelle Zeiten anzupassen

Andreas Reichenauer, Vorsitzender des Gesamtelternbeirats der Schulen, versteht die Sorgen des Vaters und anderer Eltern. „Ich kann nachvollziehen, dass die Eltern verunsichert sind“, sagt Reichenauer auf Anfrage unserer Zeitung. Er hat sich aufgrund von Elternanfragen mit dem Landratsamt in Verbindung gesetzt – und die Antwort bekommen, dass es schlichtweg nicht machbar sei, die Busse an die Schulzeiten anzupassen. „Die Schulen haben alle unterschiedliche Modelle, wie sie mit dem Präsenzunterricht umgehen“, sagt Reichenauer. „Es ist nicht machbar, dass die Schulbusse bei den unterschiedlichen Konzepten individuell verkehren.“

Dass das Landratsamt nicht für eine neue Taktung der Busse sorgen kann, versteht er. Wann der Unterricht an den Schulen anfängt, sei ungefähr gleich, so Reichenauer. Doch wie der Tag organisiert ist, sei unterschiedlich. Am Salier-Gymnasium zum Beispiel gibt es zwei Schulblöcke, die unterschiedliche Schüler besuchen. Der erste Block beginnt um 7.40 Uhr, der zweite um 11.25 Uhr.


An der Staufer-Gemeinschaftsschule wechseln die Grundschulkinder wochenweise, teilt Rektorin Eva Neundorfer mit. In der Sekundarstufe haben die Kinder mindestens an drei Tagen pro Woche Präsenzunterricht. Die Stufen 5 und 6 zum Beispiel seien zweigeteilt: Eine Gruppe startet um 7.45 Uhr und hat drei Stunden Unterricht, die zweite Gruppe startet um 10.45 Uhr. Zwischen den einzelnen Klassen gibt es weitere Staffelungen. „Es ist wirklich sehr individuell“, sagt Eva Neundorfer. „Das ist in keinem Busplan abzubilden.“ Von den Eltern der Staufer-Gemeinschaftsschüler habe sie – Stand erster Schultag – aber auch keine Beschwerden gehört.

An den unterschiedlichen Zeiten liegt es auch, dass in absehbarer Zeit nur bis zu 50 Prozent der Schüler im Vergleich zur Vor-Corona-Zeit gleichzeitig befördert werden müssen. Trotzdem gelte der normale Linienbusfahrplan, heißt es vom Landratsamt: „Dies verursacht für den Landkreis zwar höhere Kosten, ermöglicht aber den Schülern und Schülerinnen, größere Abstände in den Bussen einzuhalten.“ Deshalb sei es vertretbar, den aktuellen Fahrplan so weiterlaufen zu lassen, so Martina Keck vom Landratsamt.

Für Eltern bleibt der Alltag angespannt

Was den Elternbeiratsvorsitzenden Andreas Reichenauer viel mehr umtreibt als die Busse: „Die nach wie vor vorhandenen Kompromisse für die Eltern, die auf die Betreuung ihrer Kinder angewiesen sind.“ Jetzt müssen Eltern wie er etwa darauf achten, an welchem Tag ihr Kind welchen Schulblock besucht, und ihre Arbeitszeit daran ausrichten. „Es ist besser als gar nichts“, sagt er. Aber ein Schulalltag sei das nicht.

Die Schule geht wieder los, doch die Busse verkehren wie gehabt. Eine Anpassung des Fahrplans an die Unterrichtszeiten hat es nicht gegeben. Ein Vater, dessen Tochter das Salier-Gymnasium besucht, ist besorgt: „Überfüllte Schulbusse ohne Abstandsregeln werden in Kauf genommen. Das ist aus meiner Sicht unfassbar, wie fahrlässig mit der Gesundheit der Kinder, Lehrer und Familien umgegangen wird.“

Auf diese Umstände sei der Vater, der anonym bleiben möchte, aufmerksam geworden, als die

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