Waiblingen

„Gnadenlos verpeilt“: 20-Jähriger verurteilt

cannabis symbol_0
Symbolbild. © ZVW

Waiblingen. Ein 20-jähriger Winnender muss sich nicht wegen eines Pornobilds verantworten, das von seinem Facebook-Account an eine 14-Jährige versendet wurde. Das entsprechende Verfahren stellte Richter Blattner am Amtsgericht aus Mangel an Beweisen ein. Ganz ohne Auflagen hat der junge Mann den Gerichtssaal aber nicht verlassen.

Mit dem Bild eines erigierten Penisses, das eine 14-Jährige über Facebook zugeschickt bekam, haben die 20 Arbeitsstunden jedoch nichts zu tun, die das Gericht dem jungen Arbeitslosen aufbrummte. Er sagt, er habe sein Smartphone, das wegen des kaputten Displays zunächst unbrauchbar gewesen sei, an einen Bekannten verkauft, der es wiederum weiterverkaufte. Auf dem Handy seien seine Daten noch nicht gelöscht gewesen. Der neue Besitzer habe sich vermutlich in seinen Account eingeloggt und das Bild verschickt – an ein Mädchen, das er nicht einmal kenne. Die Beweislage ist dünn: Staatsanwältin und Richter stellen das Verfahren wegen „Verbreitung pornografischer Inhalte“ ein.

Warum muss der junge Winnender trotzdem Arbeitsstunden ableisten? Die kurze Antwort lautet: weil er zu viel kifft.

Arbeitsstunden nicht abgeleistet

Polizisten hatten ihn im Frühjahr mit 0,43 Gramm Marihuana erwischt. Den Drogenbesitz gibt der bekennende Kiffer in der Verhandlung auch zu. Zum Gerichtstermin hätte es indes gar nicht kommen müssen. Eigentlich hatte sich der 20-Jährige bereits außergerichtlich mit der Staatsanwaltschaft auf 16 gemeinnützige Arbeitsstunden geeinigt. Das ist im Jugendstrafrecht – der junge Mann war zum Zeitraum, in den die Vorwürfe fallen, erst 19 Jahre alt – nicht unüblich. Allerdings leistete der Winnender die Arbeitsstunden einfach nicht ab.

So musste er doch auf der Anklagebank Platz nehmen, was er in schlabbriger Jogginghose und mit einer Eistee-Plastikflasche in der Hand tat (als er kurz darauf während der Verhandlung trinkt, wird er von Richter Blattner, der den jungen Mann konsequent duzt, gerüffelt).

„Erstaunt, dass er so flüssig spricht“

Der erste Eindruck – hier sitzt einer, dem die Verhandlung und alles drum herum egal ist – täuscht. Seinen Konsum will er seit einigen Wochen stark reduziert haben, durchaus eloquent, einsichtig und reflektiert wirkt der 20-Jährige. Das scheint nicht immer so gewesen zu sein. „Ich bin ganz erstaunt, dass er so schnell und flüssig spricht“, sagt die Jugendgerichtshilfe, als der Richter sie auf die bisherige Entwicklung des jungen Mannes anspricht. Vermutlich kiffe der Winnender neuerdings wirklich weniger. Den bisherigen Eindruck, den die Jugendgerichtshilfe von dem Angeklagten hatte, sagt sie ihm allerdings unverblümt ins Gesicht: „Sorry – Sie sind gnadenlos verpeilt.“

Dafür spricht auch, dass er die 16 Arbeitsstunden in einer sozialen Einrichtung über Monate einfach nicht abgeleistet habe, findet die Expertin: „Das kann man auch in zwei Tagen schaffen.“

Es droht der Jugendarrest

Die „Verpeiltheit“ des jungen Mannes hat ihrer Einschätzung nach auch dazu geführt, dass er bis heute kaum etwas zu Ende gebracht hat, mehrfach die Schule wechselte und momentan ohne Arbeit ist. Hinzu kamen schwierige private Verhältnisse: Die Eltern trennten sich, lebten später doch wieder zusammen, gingen erneut auseinander, mal lebte der junge Mann beim Vater, mal bei der Mutter.

Drei Besuche bei der Suchtberatung sollen ihm nun dabei helfen, auch langfristig auf die vielen Joints zu verzichten, die er bis vor kurzem rauchte. Geht er nicht zur Suchtberatung und leistet er die Arbeitsstunden erneut nicht ab, droht – geringer Drogenfund hin oder her – der Jugendarrest, wie Richter Blattner dem 20-Jährigen bei der Urteilsverkündung klarmacht.