Waiblingen

Grün-schwarze Wohnträume

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Wohnkomplex auf der Korber Höhe in Waiblingen. © Büttner / ZVW

Waiblingen. Bezahlbare Wohnung dringendst gesucht? Alltag für Berater beim Waiblinger Mieterverein. Die Stadt Waiblingen rechnet in den nächsten 14 Jahren mit 250 Sozialwohnungen, die benötigt werden. Der grün-schwarze Koalitionsvertrag widmet dem Thema ein Kapitel. „Was konkret umgesetzt wird“, sagt Mieterverein-Berater Ulrich Brachmann, „weiß man natürlich nicht.“

Ein ganzes Kapitel widmet die grün-schwarze Koalition in ihrem Koalitionsvertrag dem Wohnungsbau. Ein Kapitel, das sind drei Seiten und ein paar Zeilen. Drei Seiten, die sich auch denen widmen, die seit Jahren verzweifelt auf der Suche nach Wohnungen sind, die sie mit ihrem kleinen Geldbeutel trotzdem bezahlen können.

Wer ist das alles, wie viele sind das? „Ich kann nur sagen, dass Wohnungen an allen Ecken und Enden fehlen“, sagt Ulrich Brachmann, Berater beim Mieterverein Waiblingen und Umgebung. Der Mieterverein berät in Waiblingen, Fellbach, Schorndorf und drum herum. Zahlen, statistische Werte – Brachmann hat sie trotz des großen Gebiets nicht. Er ist nur konfrontiert mit der realen Not.

Im Koalitionsvertrag heißt es: „Es fehlen insbesondere günstige Wohnungen für Ältere, Auszubildende/Studierende, Familien und Menschen mit geringem Einkommen.“ Das ist eine große Gruppe. Diese Menschen benötigten „Unterstützung durch mietpreisgebundenen sozialen Wohnungsbau“.

In die Beratung, schreibt Roswitha Stahl, Vorstand des Mietervereins Waiblingen, kämen nur Mitglieder, die bei Kündigung nicht rechtzeitig eine neue Wohnung finden. Von daher kann sie nicht sagen, wie viele Mitglieder tatsächlich eine Wohnung suchen. Die, die Probleme haben „werden allerdings immer mehr und die Leute erzählen, dass die Vermieter selbst sagen, dass sie bis zu 200 Mietinteressenten bei einer freien Wohnung haben.“ Die Regierung will laut Koalitionsvertrag eine „Wohnungsnotfallstatistik“ einführen.

Roswitha Stahl wünscht sich Mietpreise zwischen sechs und sieben Euro pro Quadratmeter. „Aber die gibt es kaum noch.“ „Nur gemeinsam wird uns der Aufbruch für mehr bezahlbaren Wohnraum gelingen“, heißt es im Koalitionsvertrag. Die Politik werde „geeignete Rahmenbedingungen“ schaffen und den Wohnungsbau als „gesamtgesellschaftliche Aufgabe“ sehen. Mithelfen sollen Land, Bund und private Bauherren. Ein einheitliches „Landeswohnraumförderungsprogramm“ soll aufgelegt werden: Geld für Eigenheime, Sozialwohnungen, Mehrgenerationenprojekte. Zinsverbilligung, Zuschüsse für Genossenschaften und private Investoren, steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten – klingt verheißungsvoll.

Wir gehen davon aus, heißt es aus dem Waiblinger Amt für Hochbau und Gebäudemanagement, „dass bis 2030 circa 250 zusätzliche Sozialwohnungen benötigt werden“. Die Stadt Winnenden kann keine genauen Zahlen nennen. Hier wird nicht mit geförderten Sozialwohnungen gearbeitet, sondern mit einem anderen Modell. Die Stadt besitzt Wohnungen, die sie an Menschen vermieten kann, die entweder finanziell auf dem freien Markt nicht bestehen können oder die wegen eines Brandes oder einer Zwangsräumung eine Unterkunft brauchen. Ein paar dieser Wohnungen werden daher immer auf Vorrat frei gehalten. Solche Wohnungen sollen noch gebaut werden. Die Anzahl steht allerdings noch nicht fest. Mietwohnungen, auch die sozialen, sollen, so der Koalitionsvertrag, dezentral, integriert und ohne Trabantensiedlungen realisiert werden. Ein „Netto-Null“ beim Flächenverbrauch ist das langfristige Ziel. Allerdings: Kurzfristig und für die aktuelle große Not, müssen eben doch „Außenflächen“ erschlossen werden. Das heißt: Die Städte und Gemeinden dürfen in die Landschaft greifen und Äcker oder Baumwiesen zu Wohnvierteln umwandeln.

Und wie wär’s mit nutzen, was schon da ist? „Wir sprechen uns dagegen aus, dass leerstehende Wohn- und Gewerbe-Immobilien gegen den Willen der Eigentümer bei Wohnungsknappheit beschlagnahmt werden können.“ Ob solch Zugriff aufs Privateigentum überhaupt relevanten Nutzen hätte, weiß sowieso keiner. „Über Leerstände in Wohnungen liegen uns leider keine Zahlen vor“, heißt’s von der Stadt Waiblingen. Und dort ist man nicht alleine.

Durchschnittliche Wohnpreise im Kreis

Der durchschnittliche Mietpreis von Waiblingen liegt bei knapp neun Euro. Für eine 60-Quadratmeter-Wohnung liegt aktuell der durchschnittliche Mietpreis bei 10,09 Euro pro Quadratmeter. Bei einer 100-Quadratmeter-Wohnung zahlt man derzeit durchschnittlich 7,67 Euro Miete auf den Quadratmeter.

Der durchschnittliche Mietpreis in Kernen im Remstal liegt bei 9,51 Euro pro Quadratmeter. Bei einer 60-Quadratmeter-Wohnung zahlt man derzeit durchschnittlich 8,28 Euro Miete. Der durchschnittliche Mietpreis für eine 100-Quadratmeter-Wohnung in Kernen im Remstal liegt zur Zeit bei 8,66 Euro pro Quadratmeter.

Der durchschnittliche Mietpreis in Schorndorf liegt bei 8,86 Euro auf den Quadratmeter. Für eine 60-Quadratmeter-Wohnung liegt aktuell der durchschnittliche Mietpreis bei 9,42 Euro pro Quadratmeter. Bei einer 100-Quadratmeter-Wohnung zahlt man derzeit durchschnittlich 8,73 Euro pro Quadratmeter.

Der durchschnittliche Mietpreis in Winnenden liegt bei 9,39 Euro auf den Quadratmeter. Für eine 60-Quadratmeter-Wohnung liegt aktuell der durchschnittliche Mietpreis bei 8,99 Euro pro Quadratmeter. Bei einer 100-Quadratmeter-Wohnung zahlt man derzeit durchschnittlich 9,38 Euro pro Quadratmeter Miete.

Der durchschnittliche Mietpreis in Welzheim liegt bei 7,30 Euro pro Quadratmeter. Für eine 60-Quadratmeter-Wohnung liegt aktuell der durchschnittliche Mietpreis bei 7,24 Euro pro Quadratmeter. Für eine 100-Quadratmeter-Wohnung liegen keine aktuellen Zahlen vor. 2013 kostete der Quadratmeter für eine 100-Quadratmeter-Wohnung durchschnittlich 6,92 Euro.

Quelle: www.wohnungsboerse.net