Waiblingen

Graffiti-Künstler verschönert Bahnhofsunterführung

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Jan-David Ducks schneidet aus Kreppband die Schablone für die nächste Farbschicht aus. © Palmizi / ZVW
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So sah die Wand am Donnerstagnachmittag aus. Am Samstag will Sprayer Jan-David Ducks sein Kunstwerk zu Ende bringen.

Waiblingen. Farb-Frischekur für den Waiblinger Bahnhof: Der Stuttgarter Graffiti-Künstler Jan-David Ducks sprüht abstrakte Kunst in die öde Unterführung. Was zweifellos zur Verschönerung beiträgt, könnte sogar Kosten bei der Reinigung sparen, denn: Professionelle Graffitis schützen vor Schmierereien, lehrt die Erfahrung des Künstlers.

Mit ihren braunen Fliesen versprüht die Unterführung am Waiblinger Bahnhof den spröden Charme des Jahres 1980 und ist schon im Design ganz wie viele Toiletten aus jener Zeit gehalten. Nach fast 40 Jahren endlich unterzieht die Bahn den ganzen Knotenpunkt der S-Bahn-Linien 2 und 3 einer an den Bahnsteigen Asbestplatten unter skandalösen Umständen demontiert wurden, werden dort zur Zeit alte Kabel und Tauben-Spikes entfernt.

Inspiriert von einer S-Bahn-Fahrt

Eine Etage tiefer kommt die Kunst zu ihrem Recht. Wer die Haupttreppe nach unten nimmt, läuft direkt auf das farbfrische Bild zu, dass der Stuttgarter Szene-Sprayer am Mittwoch und Donnerstag an die nüchternen Wände gezaubert hat. Inspiriert ist das Bild von einer S-Bahn-Fahrt, farblich greift es typische Töne wie das Rot und Weiß der Züge sowie das Gelb und Schwarz des Drei-Löwen-Takts auf. Ob das Safari-Muster etwas mit den Löwen oder der Wilhelma zu tun hat? „Dazu kann sich jeder seine eigenen Gedanken machen“, überlässt der Künstler den Betrachtern die Freiheit der Deutung.

Stadt und Bahn lassen dem Künstler alle Freiheiten

Freiheit genießt er seinerseits bei der Gestaltung. Bahn und Stadt als Auftraggeber gaben grünes Licht für einen groben Vorab-Entwurf und beschränken die Kreativität des Sprühers nicht - was das Projekt für ihn besonders attraktiv macht. Die Details entstehen meist spontan, wenn Jan-David Ducks die unteren Farbschichten abklebt und aus Kreppbändern die Schablone für die nächste Schicht ausschneidet. Von Passanten bekommt er viel Lob für seine Arbeit, jedoch weicht er gerne, um sich besser aufs Werk zu konzentrieren, auf die ruhigeren Abendstunden aus. Gesprüht wird mit Schutzmaske, denn die Dämpfe aus der Dose seien „übel schädlich“. Früher hat der Mittdreißiger die Maske in jugendlichem Unverstand verschmäht und macht sich daher keine Illusionen: „Irgendwann bekomme ich wohl Krebs.“

Übermalt werden die Bilder fast nie

Seinem Kunstwerk sagt er eine Lebensdauer von rund zehn Jahren voraus, denn besonders in einer an UV-Licht armen Unterführung halten sich die Farben gut. Übermalt werden die Bilder erfahrungsgemäß fast nie – die Szene tastet so ein Werk nicht an. Für Leute, die unbedingt das „CC“ der VfB-Ultras oder ihr Kürzel „taggen“ wollen, baut Jan-David Ducks eine Ziegel-Mauer zum Bemalen in sein Bild ein.


Der Sprayer

Hauptberuflich ist Jan-David Ducks Grafiker und hat an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart studiert.

Seine Werke sind am Nordbahnhof, bei Bosch, beim Stuttgarter Amtsgericht und auf Gebäuden der EnBW zu sehen. In Kürze gestaltet er riesige Betonwände im Silicon Valley.