Waiblingen

Grundschülern beim Lernen helfen: Was Ehrenamtliche bald an der Staufer-GMS leisten

Homeschooling
Symbolbild. © Adobestock/astrosystem

Um gezielt Grundschüler beim Lernen zu unterstützen, soll im Frühjahr unter Corona-Bedingungen, also überwiegend digital, das Projekt WIR in Waiblinger Grundschulen anlaufen. Losgehen soll es an der Staufer-Gemeinschaftsschule. Man habe sich bewusst für die Schule entschieden, weil es dort Klassen mit unterschiedlichen Förderbedarfen gebe, sagt Erste Bürgermeisterin Christiane Dürr. Entsprechend prägten auch Unruhe und verhaltensauffällige Schüler den Unterricht - eine „Gemengelage, die ein Lernklima fördert, das es schwierig macht, im normalen Tempo durchzukommen“, so Dürr.

WIR ist ein Projekt des Kinderschutzbundes, das lernschwächere Grundschüler unterstützt. Es funktioniert über ehrenamtliche Lernbegleiter, die im laufenden Unterricht in den Klassen eingesetzt werden. Die zusätzliche Unterstützung soll Lernlücken schließen, Defizite ausgleichen und die Fähigkeiten der Schüler fördern. Die Erfahrungen in Schorndorf, wo das Projekt seit vier Jahren läuft, hätten gezeigt, dass das Projekt in diese Richtung viel bewirkt. Schüler hätten viel aufholen können, berichtet Magdalena Hecker-Rost, Geschäftsführerin des Kinderschutzbundes. Und zwar nicht nur schulisch-kognitiv, sondern auch emotional. „Sie spüren, dass jemand da ist, der sie motiviert, dranzubleiben, der ihnen Mut zuspricht, der hilft, Ordnung und Struktur zu halten.“

Nicht nur für Kinder mit Migrations- oder Fluchthintergrund wichtig

Das sind elementare Voraussetzungen fürs Lernen - und diese gingen nicht nur Kindern mit Migrationshintergrund, Flucht- und Traumaerfahrungen oft ab, sondern ebenso Kindern aus bildungsfernen Elternhäusern. Werde Kindern „an der Basis“ geholfen, wirke sich die Hilfe auch auf die Persönlichkeit aus. Durch Selbstwirksamkeit und Selbstbewusstsein könnten schulische Erfolge gestärkt werden: „Man hilft ihnen, dass sie sich deutlich verbessern, einen guten Abschluss erreichen, erfolgreich eine Berufsausbildung schaffen und sich in der Gesellschaft integrieren können.“

Es gibt viele Gründe dafür, dass Kinder schulisch ins Hintertreffen gelangen. Sei es, weil eine Lernschwäche ihr Lerntempo verlangsamt, sei es, weil sie kognitiv, motorisch oder emotional unter Defiziten leiden. Dies sei in vielen Familien insbesondere als Folge der Schulschließungen im Zusammenhang mit Corona zu einer übermäßigen Belastung geworden. „Die Corona-Pandemie hat die Chancenungleichheit noch verstärkt“, berichtet Erika Schwiertz, Fachbereichsleitung Bildung und Erziehung der Stadt Waiblingen. „Wenn Eltern es nicht leisten können, ihr Kind schulisch zu unterstützen, ist es gut für sie, zu wissen, dass es eine Unterstützung bekommt“, so Magdalena Hecker-Rost. „Jedes Kind hat das Recht auf gute Bildung, unabhängig von der Herkunft, Armut darf nicht mit Bildungsdefiziten einhergehen.“

Die Staufer- GMS macht den Anfang und möchte WIR im Frühjahr starten. Damit der Absprung aus dem Bildungsmisserfolg klappt, werden Lernbegleiter direkt in den Unterricht integriert: Der Lernbegleiter erklärt Lerninhalte nochmals, geht mit einem oder mehreren Kindern raus, um eine Matheaufgabe zu wiederholen. Auch als Konfliktmanager seien sie gefragt. Die Kinder fühlten sich durch die „Sonderbehandlung“ nicht ausgegrenzt - ganz im Gegenteil: „Für sie ist es ein Goodie, sie wollen das, freuen sich, dass jemand an sie glaubt“, so Hecker-Rost.

Ehrenamtliche Unterstützer für WIR gesucht

Ehrenamtliche Lernbegleiter werden aktuell noch gesucht. Diese müssten nicht zwingend Lehrer sein. Didaktisch geschult ja, aber wichtiger als eine pädagogische Ausbildung sind aus Sicht von Christiane Dürr intuitive Fähigkeiten, Empathie, menschliche Seiten. „Wenn außer der Lehrkraft eine didaktisch geschulte Person mit großer Herzenswärme dabei ist und individuell auf Kinder eingehen kann, ist es für Kinder, Lehrer und die Schule wertvoll.“

Die praktische Ausgestaltung des Projekts ist angesiedelt bei Ines Pfeil-Bürkle, Bereichsleiterin von Kinderreich Rems-Murr, einem Teilbereich des Kinderschutzbundes, der sich um sozial benachteiligte Kinder kümmert. Ein positiver Nebeneffekt könnte sich aus der Vernetzung mit dem Familienzentrum ergeben. So hofft Erste Bürgermeisterin Dürr, dass etwa die Mutter eines Kindes ins Frauensprachcafé oder Pro Familia kommt.

Schon 2016 suchte Kinderreich Ehrenamtliche, die eine Vorbereitungsklasse mit vielen Flüchtlingskindern unterstützen wollten. „Die Herausforderungen waren groß, wir konnten schnell reagieren“, berichtet Ines Pfeil-Bürkle.

Die Idee wurde weiterentwickelt zu WIR. „Wir wollen sichergehen, dass kein Kind verlorengeht“, so Erste Bürgermeisterin Christiane Dürr. Sie ist auch Vorstandsvorsitzende des Karo-Familienzentrums. Das Karo unterstützt und bezuschusst das WIR-Projekt in Waiblingen. „Trotzdem sind wir noch auf Spenden für das Projekt angewiesen.“

WIR ist ein Projekt des Kinderschutzbundes, der federführend wirkt, gemeinsam mit der Stadt Waiblingen und dem Familienzentrum Karo.

Um gezielt Grundschüler beim Lernen zu unterstützen, soll im Frühjahr unter Corona-Bedingungen, also überwiegend digital, das Projekt WIR in Waiblinger Grundschulen anlaufen. Losgehen soll es an der Staufer-Gemeinschaftsschule. Man habe sich bewusst für die Schule entschieden, weil es dort Klassen mit unterschiedlichen Förderbedarfen gebe, sagt Erste Bürgermeisterin Christiane Dürr. Entsprechend prägten auch Unruhe und verhaltensauffällige Schüler den Unterricht - eine „Gemengelage, die ein

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 83,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper