Waiblingen

Haltestelle: Illegales Fahren wird legal

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Unübersichtlich geht es bei der Bushaltestelle in Hohenacker zu. © ZVW/Sarah Utz

Waiblingen-Hohenacker. Ein Problem ist sie schon lange, die Bushaltestelle in der Hohenacker Mitte, die von Autofahrern bei Gegenverkehr ebenso regelmäßig wie unrechtmäßig als Ausweichspur genutzt wird. Nun soll das Befahren legalisiert werden, die Markierung entfernt und die Busbucht zur Fahrbahn werden. Nach dem Ortschaftsrat hat der Planungsausschuss der Neuregelung grünes Licht gegeben.

Wie berichtet, berät der Gemeinderat derzeit über eine Verkehrskonzeption für die Ortsdurchfahrten Neustadt und Hohenacker. Einer der Schwerpunkte ist die Haltestelle in der Hohenacker Ortsmitte. Weil Autofahrer aus Richtung Waiblingen häufig an den Kurzzeitplätzen an der Bäckerei vorbeiziehen, ohne auf den Gegenverkehr zu achten, weicht dieser auf die Bushaltestelle aus. Legal ist das nicht, doch Verkehrsunfälle haben sich bisher keine ereignet, weshalb der Ortschaftsrat vorschlug, diese Situation lieber gleich zu legalisieren.

Nun hat die Stadtverwaltung verschiedene Varianten geprüft. Mit dem Fazit, dass mit der Aufhebung der Markierung eine kurzfristige Lösung machbar wäre, so Stadtplanungschef Patrik Henschel in der Sitzung des Planungsausschusses. Auch bei dieser Variante sei Begegnungsverkehr nur eingeschränkt möglich, da am haltenden Bus nicht vorbeigefahren werden kann. Ohne die Markierung könne die Haltestelle aber in die Fahrbahn integriert werden, ohne gegen die Straßenverkehrsordnung zu verstoßen. Im nächsten Schritt soll nun untersucht werden, ob und wie die Bushaltestelle nach einem Umbau barrierefrei werden kann.

Barrierefreiheit birgt Probleme

Schon jetzt ist klar: Einfach wird das nicht und möglicherweise sogar gar nicht funktionieren. Schon heute sei das Gelände Richtung Häuser abschüssig, doch um den Einstieg barrierefrei zu machen, müsste dieser noch um knapp zehn Zentimeter angehoben werden. „Das Wasser würde in die Häuser laufen“, so Baubürgermeisterin Birgit Priebe. Wenig zufrieden zeigte sich deshalb Iris Förster (ALi) mit dem Vorschlag. „Wenn man mit der Idee antritt, barrierefreie Haltestellen zu machen, kann das doch nicht das Ziel sein“, monierte sie. Und: „Es muss uns bewusst sein, dass wir einen Teil der Bevölkerung vom Nahverkehr ausschließen.“

„Wir müssen mit dem Problem leben“

Rechtlich möglich ist das allerdings, so Baubürgermeisterin Priebe auf die Frage von Christina Schwarz: Und zwar dann, wenn im Bestand gebaut wird und Barrierefreiheit technisch nicht möglich ist: „Die Waiblinger Altstadt kriegen wir auch nicht barrierefrei“, erinnerte sie. Unterstützung bekam sie von Ingo von Pollern (CDU): „Wir müssen mit dem Problem leben“, so der Mann aus Hohenacker. Er schlug vor, sogenannte Haifischzähne aufzumalen, um durchrauschende Fahrzeuge aufzuhalten. Einen neuen Fahrbahnbelag, der sich vom übrigen Bereich farblich abhebt, wünscht sich auch Sabine Wörner (SPD). Birgit Priebe versprach, die Ideen mit dem Ordnungsamt abzustimmen. Auch Bernd Mergenthaler zeigte sich angetan vom Vorschlag der Verwaltung: „Die beste Lösung, die den Verkehrfluss nicht aufhält“, freute sich der FDP-Mann.

Eine weitere im Zuge der Verkehrskonzeption avisierte Maßnahme ist der Umbau der unfallträchtigen Kreuzung Neustadter Hauptstraße/Klinglestalstraße. Zu Hauptverkehrszeiten staut sich dort der Verkehr weit zurück in die Klinglestalstraße. Autofahrer, die endlos lang auf eine Lücke warten, um abbiegen zu können, werden da schon mal ungeduldig. Die Folge: Immer wieder kracht es an der Kreuzung.

Im Januar wurden erste Umbauvarianten vorgestellt, die alle weiter untersucht werden müssen. Vor dem Einstieg in die weitere Planung hat die Stadtverwaltung nun empfohlen, die Verkehrsströme zu messen. Weitere Entscheidungen sollen getroffen werden, wenn die Ergebnisse vorliegen.

Provelo im Boot

Auf Antrag der ALi soll bei der Verkehrskonzeption die Radler-Organisation Provelo, die einen neuen Vorsitzeden hat, ins Boot geholt werden. Baubürgermeisterin Priebe zeigte sich vom Antrag überrascht: „Das hätten wir sowieso gemacht.“ Mit dem bisherigen Vorsitzenden habe man sich nicht mit Stellungnahmen bombardiert, sondern an einen Tisch gesetzt.