Waiblingen

Hamsterkäufe: Die Hegnacher Mühle in Waiblingen muss ihre Mehl-Preise erhöhen

Stietz
So groß war die Nachfrage noch nie: Das Mehl in der Mühle reicht nicht mehr und wird dadurch teurer. © ZVW/Alexandra Palmizi

Im Mühlen-Laden der Hegnacher Mühle herrscht seit etwa sechs Wochen mehr Betrieb als sonst. „Eigentlich ist unser Laden den Kunden zu weit außerhalb“, sagt Thea Scholz, Juniorchefin und Tochter des Mühlen-Inhabers Ulrich Stietz. Sie ist überrascht von dem großen Andrang, die Kunden kauften das Mühlen-Mehl sonst eher im regionalen Handel. „Die Menschen kaufen wie verrückt Mehl ein“, erzählt Scholz, die sogar ihren Skiurlaub Anfang März abgebrochen hatte, um das Team in der Mühle unterstützen zu können. Die Nachfrage nach Getreideprodukten sei das letzte Mal zu Beginn der Corona-Pandemie im Jahr 2020 in vergleichbarem Maße angestiegen.

Und nicht nur der Arbeitsaufwand hat sich dadurch verändert: Die Hegnacher Mühle musste ihre Preise zum 1. April erhöhen. Das habe derzeit jedoch wenig mit Lieferengpässen durch den Krieg in der Ukraine zu tun, so Thea Scholz, sondern vielmehr mit der Nachfrage nach Getreide, die höher sei als das derzeitige Angebot.

Getreide musste bei regionalen Händlern nachbestellt werden

„Die Preise für die Rohstoffe sind kurz nach Beginn der Hamsterei gestiegen“, erzählt Thea Scholz. „Unsere Landwirte bauen immer nur so viel an, wie wir brauchen“, diese Menge würde vor jeder Saison neu berechnet. Doch der aktuelle Ansturm sei vor der letzten Ernte noch nicht kalkulierbar gewesen, daher musste nun Getreide dazugekauft werden. Das stamme zwar immer noch aus dem regionalen Handel, sei aber eben nicht mehr das Getreide der Landwirte, die für die Hegnacher Mühle anbauen und ernten, so Scholz.

„Jede Mühle ist derzeit auf der Suche nach Nachschub“, erzählt die Juniorchefin. „Das befeuert die hohen Preise.“ Ein weiteres Problem sei, dass die Getreidereserven der Bundesrepublik seit 2020 erschöpft sind. „Das kleine Polster, das derzeit noch vorhanden ist, schrumpft immer weiter.“

Dennoch glaubt Thea Scholz, dass die Sorge, das Getreide könne ausgehen, unbegründet sei. Zwar könne sie nicht abschätzen, welche Folgen der Krieg auf die ländliche Bevölkerung der Ukraine und damit die Getreideproduktion habe, aber Deutschland sei von dieser Lieferkette nicht wirklich abhängig. Ein größeres Problem stelle laut Scholz die Lieferung von Düngemitteln dar.

Kaum Abhängigkeit von Russland oder der Ukraine

Eine Abhängigkeit von russischem oder ukrainischem Getreide bestehe nur bei den wenigsten Mühlen in Deutschland, sagt Thea Scholz. Auch wenn beide Länder weltweit zu den größten Getreide-Exporteuren gehörten: Die Bundesrepublik kann den Getreidebedarf Scholz zufolge mit über 80 Prozent selbst decken. Daher bestehe nicht die Gefahr, dass das Getreide ausgehen könnte.

Für Deutschland eröffne sich ein ganz anderes Problem, sollte die Getreideproduktion in der Ukraine stoppen oder es zu Lieferengpässen kommen: Die Länder, die bisher Getreide aus dem jetzigen Kriegsgebiet importierten, werden im Fall der Fälle ihre Anfrage verlagern. Davon könnte dann auch Deutschland betroffen sein und die Preise würden weiter steigen. Dieses Szenario sei derzeit aber noch schwer einzuschätzen.

Hoffnung auf Preissenkung für die kommende Ernte

Bisher konnte das Familienunternehmen die Preise nicht kompensieren. „Wir sind ein kleiner Familienbetrieb“, sagt Thea Scholz. „Wir mussten mitziehen, haben von unserer Kundschaft aber auch viel Verständnis dafür bekommen.“ Bisher sei kein Kunde weggebrochen, im Gegenteil, viele Neukunden habe die Hegnacher Mühle in letzter Zeit dazubekommen.

Und auch die Stimmung im Team sei trotz des Mehraufwandes weiterhin gut. „Klar, das geht alles gerade nicht spurlos an uns vorbei“, so Scholz. In den letzten sechs Wochen habe das Team durchgearbeitet. 

Die ebenfalls angestiegenen Energiepreise spielten bei der aktuellen Preiserhöhung allerdings keine Rolle. „Wir produzieren unseren Strom ja selbst“, erzählt die Juniorchefin. Zwei Turbinen betreibt die Mühle im Mühlkanal, welche über einen Generator Strom erzeugen.

Im Mühlen-Laden der Hegnacher Mühle herrscht seit etwa sechs Wochen mehr Betrieb als sonst. „Eigentlich ist unser Laden den Kunden zu weit außerhalb“, sagt Thea Scholz, Juniorchefin und Tochter des Mühlen-Inhabers Ulrich Stietz. Sie ist überrascht von dem großen Andrang, die Kunden kauften das Mühlen-Mehl sonst eher im regionalen Handel. „Die Menschen kaufen wie verrückt Mehl ein“, erzählt Scholz, die sogar ihren Skiurlaub Anfang März abgebrochen hatte, um das Team in der Mühle unterstützen

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