Waiblingen

Handy-Kunden in Waiblingen betrogen: Verkäufer gesteht vor Gericht

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Bei der Vermittlung neuer Handy-Verträge betrog der Angeklagte einige Kunden. © carinakrammer/Pixabay CCO

Seinem Mandanten sei bewusst, dass er sich „gewaltig zusammenreißen“ und sein Verhalten grundlegend ändern müsse, wenn er beruflich Fuß fassen wolle“, erklärte der Verteidiger des Angeklagten in seinem Plädoyer vor dem Amtsgericht Waiblingen. So bat er um eine „tat- und schuldangemessene“ Strafe, die allerdings nicht in einem polizeilichen Führungszeugnis erscheinen sollte, „angesichts des hochsensiblen beruflichen Umfelds“, in dem sich der Angeklagte bewege. Bei diesem, so Rechtsanwalt Horst Hornek, handle es sich keinesfalls um einen „klassischen Betrüger, der mit einem harten Urteil auf den richtigen Weg gebracht werden muss“. Dies zeige sich auch an der Schadenshöhe, die sich in sehr „überschaubarem Rahmen“ halte.

Ausbildung abgebrochen

Der inzwischen 26-jährige Angeklagte arbeitete 2019 in einem Laden in Waiblingen, nachdem er nach der Mittleren Reife eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann abgebrochen hatte. Sein damaliges „Verhalten“ hatte ihm einen Strafbefehl eingebracht, über dessen Rechtsfolgen, also die Höhe der verhängten Strafe, am 1. Juni Richterin Figen Basoglu-Waselzada zu entscheiden hatte, nachdem der Angeklagte dagegen Widerspruch eingelegt hatte.

Die Anklage selbst lautete auf Betrug in drei Fällen. Begangen wurden die Taten im September 2019. Der Angeklagte gestand, einer Kundin, die ihren Telefonvertrag erneuert hatte, für ein neues Mobiltelefon 190 Euro anstatt 149,99 Euro in Rechnung gestellt zu haben. Da sie die Summe in bar nicht dabeihatte, schickte er sie zunächst zu ihrer Bank, damit sie dort das Geld vom Geldautomaten abhebe. Als sie zurückkam, steckte er von dem Betrag 50 Euro in die eigene Tasche.

Von Kundin 69 Euro mehr verlangt

Ähnlich dreist verfuhr er bei einer weiteren Kundin, von der er für einen Neuvertrag anstatt einem Euro sogar 70 Euro Anzahlung verlangte, von denen dann 69 Euro in seinen eigenen Geldbeutel wanderten. Von der Telefongesellschaft selbst zockte er eine Provision in Höhe von 100 Euro ab, für einen Neukundenvertrag, bei dem er eigenhändig die Unterschrift der angeblichen Antragstellerin gefälscht hatte.

26-Jähriger klagt über Stress und Druck

Die Telefongesellschaft habe ihn eigentlich weiter als freien Mitarbeiter halten wollen, nachdem der Unterschleif aufgekommen war, berichtete er nun mit leiser, in sich gekehrter Stimme und gesenktem Blick vor Gericht. Doch nachdem er ein Jahr als Bezirksleiter bei einer anderen Telefongesellschaft tätig gewesen sei, seien ihm schließlich der Stress und der Druck, ständig neue Kunden zu akquirieren, zu viel geworden. Seit Oktober 2020 sei er als freier Mitarbeiter auf Provisionsbasis Finanzberater bei einer Bausparkasse; nebenher bereitet er sich auf seine Prüfung zum Wirtschaftsfachwirt vor.

Mutter des Angeklagten kümmert sich um die beiden Töchter des 26-Jährigen

Die vom Gericht verhängte Gesamtstrafe für alle drei Taten des Angeklagten belief sich auf 80 Tagessätze zu 30 Euro, also 2400 Euro. Dazu kommen noch die Kosten des Verfahrens sowie die eigenen Aufwendungen. Dabei, so die Waiblinger Amtsrichterin Figen Basoglu-Waselzada, sei die wirtschaftliche Situation des Angeklagten berücksichtigt. Von den 1800 bis 2000 Euro, die er nach eigenen Angaben im Monat erzielt, habe er die Wohnung zu finanzieren, die er sich mit seiner Lebensgefährtin teile, die gerade eine Ausbildung absolviere. Zwischen 400 und 500 Euro bezahle er jeden Monat an seine Mutter, bei der seine beiden Töchter lebten, für die er das alleinige Sorgerecht habe.

Dass es da an allen Ecken und Enden klemme, sei nachvollziehbar, unterstützte ihn sein Verteidiger, nicht zuletzt auch angesichts der augenblicklichen Inflation und Wirtschaftskrise. Daraus sei auch die Verurteilung wegen zweifachen Schwarzfahrens zu erklären, die ebenfalls seit September 2019 im Vorstrafenregister seines Mandanten erscheint.

Seinem Mandanten sei bewusst, dass er sich „gewaltig zusammenreißen“ und sein Verhalten grundlegend ändern müsse, wenn er beruflich Fuß fassen wolle“, erklärte der Verteidiger des Angeklagten in seinem Plädoyer vor dem Amtsgericht Waiblingen. So bat er um eine „tat- und schuldangemessene“ Strafe, die allerdings nicht in einem polizeilichen Führungszeugnis erscheinen sollte, „angesichts des hochsensiblen beruflichen Umfelds“, in dem sich der Angeklagte bewege. Bei diesem, so Rechtsanwalt

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