Waiblingen

Hansi Müller attackiert Hesky

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Oberbürgermeister Andreas Hesky bei der Diskussion im Bürgerzentrum. © Ramona Adolf
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Bürgerzentrum findet der EM-Expertentalk
Erbitterter Windkraftgegner: Hansi Müller © Habermann / ZVW

Waiblingen. Nach der jüngsten Entgleisung des Korber Gemeinderats und Ex-Fußballspielers Hansi Müller übt sich Oberbürgermeister Hesky in Gelassenheit. Müller hatte Hesky wegen dessen Haltung zur Windkraft als den „Wahnsinnigen in Waiblingen“ bezeichnet. „Ich bedauere seine Wortwahl“, sagte Hesky. Es gehöre wohl dazu, dass man als in der Öffentlichkeit stehender Mensch manchmal beschimpft werde.

Nicht zum ersten Mal hat Hansi Müller Oberbürgermeister Andreas Hesky heftig und unsachlich attackiert. Nach seinen zornigen Angriffen im Januar bei einer Podiumsdiskussion im Bürgerzentrum hat der Ex-Fußballspieler den Waiblinger OB jetzt im Korber Gemeinderat beschimpft. Es könne nicht sein, dass „ein einziger Mensch aus Eigeninteresse“ die laut Müller „nachweislich in einem bestimmten Abstand gesundheitsgefährdende Windkraft-Technologie“ in der Nähe Korber Wohngebiete ansiedeln wolle.

Viel Zeit investiert „wegen eines Wahnsinnigen“

Er, Müller, der sich seit vier Jahren in der Bürgerinitiative Naherholungsgebiet Buocher Höhe gegen den Waiblinger Windrad-Standort engagiert, habe „wegen eines Wahnsinnigen“ viel Zeit in diese Vereinsarbeit investiert.

Im Korber Gemeinderat hat Hansi Müller dieser Ausrutscher, wie berichtet, eine Ermahnung von Bürgermeister Jochen Müller eingebracht. Der attackierte Andreas Hesky selbst reagiert bewusst gelassen auf die Entgleisung des Windkraftgegners. „Ich bedauere, dass die Ausweisung personalisiert wird“, sagt der OB und verweist auf zahlreiche Beschlüsse in Gremien, in denen außer ihm, Hesky, viele andere mitgestimmt hätten. Im September hatte die Regionalversammlung 41 Vorranggebiete für Windkraft ausgewiesen, darunter die umstrittenen Standorte bei Buoch. Dass Heskys Freie Wähler für den Bereich Buocher Höhe das Zünglein an der Waage waren, hat Hansi Müller offenbar besonders erbost. Andreas Hesky bestreitet den Fakt keineswegs: Die Freien Wähler seien sich ihrer Verantwortung durchaus bewusst gewesen. Er selbst, sagt Hesky, habe sich dem Thema Windkraft anfangs eher widerstrebend angenähert, dann aber erkannt, dass die Windenergie ein signifikanter Beitrag zur sauberen Energiegewinnung sein könne. Sein Credo: „Wer Verantwortung trägt, muss sich fragen, was er tun kann, damit die Gesellschaft auf erneuerbare Ressourcen zurückgreifen kann.“

Auf die persönlichen Attacken folgte eine Resolution

Anders als bei anderen strittigen Themen war Hesky bei der Windkraft von Anfang an sehr persönlichen Attacken ausgesetzt. Fast genau drei Jahre ist es her, dass sich der Waiblinger Gemeinderat deshalb zu einer Resolution entschloss. Vor allem gegen den Standort im Landschaftsschutzgebiet auf der Buocher Höhe waren die Gegner Sturm gelaufen. Irgendwann waren die Anfeindungen und Attacken so persönlich geworden, dass sich der Gemeinderat zu diesem Zeichen nach außen verpflichtet sah. „Der Gemeinderat der Stadt Waiblingen bekennt sich zur Verantwortung der Stadt, den ihr möglichen Anteil zum Gelingen der Energiewende beizutragen“, hieß es in der einstimmig verfassten Resolution.

Warum ausgerechnet die Windenergienutzung manche Kontrahenten derart aggressiv macht, darüber kann Hesky nur spekulieren. „Menschen, die sich bedroht fühlen, neigen dazu, andere verantwortlich zu machen“, meint er. Natürlich weiß auch er, dass es die Korber wären, die die Waiblinger Windmasten vor der Haustür hätten. „Die sagen, wir haben die Windräder und müssen sie angucken, die Waiblinger haben das Geld“, bringt Hesky die Einwände auf den Punkt. Ein Argument ist das für ihn nicht: „Es gibt Einrichtungen, die belasten manche mehr als andere. Das ist auch in anderen Fällen so.“ Ob Kohlekraftwerke, Atomkraftwerke, Strommasten oder Mobilfunkantennen: Was die einen nutzen, sei nicht immer das, was die anderen vor ihrer Haustüre haben wollen.

Ein Ex-Fußballer mit einem klaren Ziel: Windräder verhindern

Ob sich Hansi Müller davon beeindrucken lässt, ist ungewiss. Der Ex-Fußballspieler, der eher unregelmäßig im Gemeinderat auftaucht (2015 fehlte er in jeder dritten Sitzung), sich selten äußert, im Zusammenhang mit den Windmasten vor seiner Haustür aber schon mal große Worte wie „Supergau“ verwendet, ist von Anfang an mit einem klaren Ziel für den Gemeinderat angetreten: Er wolle verhindern, dass die Windräder auf den Korber Kopf kommen.

Der Antrag der SPD fand keine Mehrheit

In Sachen Windkraftnutzung herrscht im Waiblinger Gemeinderat Einigkeit. Der jüngste Vorstoß der SPD-Fraktion bei den Haushaltsberatungen, 2016 zügig mit den Windmessungen zu beginnen, hat allerdings keine Mehrheit gefunden.

Die Mehrheit des Rats und der Oberbürgermeister selbst wollen mit den Windmessungen noch abwarten. Zwar habe der Verband Region Stuttgart mit seinem Empfehlungsbeschluss das Gebiet auf der Buocher Höhe mit einem deutlichen Ergebnis als Windvorranggebiet beschlossen. Doch nun müsse der Landkreis das Gebiet aus der Landschaftsschutzgebietsverordnung rausnehmen, damit es auch tatsächlich in den Regionalplan aufgenommen werden könne.

Noch unklar ist auch die Frage der Flugsicherung. Das Bundesamt für Flugsicherung beruft sich auf eine Schutzzone von 15 Kilometern um die Drehfunkfeuer. Mit einer neueren Technik könnte diese Schutzzone auf zehn Kilometer herabgesetzt werden.