Waiblingen

Hat Waiblingen ein Feinstaub-Problem?

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Messstation beim Rathaus in Hohenacker. © Habermann / ZVW

Waiblingen. Das Stuttgarter Neckartor hat’s als Feinstaub-Rekordhalter zu bundesweiter Berühmtheit gebracht. Aber wie sieht’s eigentlich in Waiblingen aus? Zwar führt keine Autobahn mitten durch die Stadt, doch schwer belastete Straßen gibt’s hier allemal. Was fehlt, sind verlässliche Zahlen – immerhin wird jetzt wieder gemessen.

Seit Januar sind an den Ortsdurchfahrten von Neustadt und Hohenacker zwei unauffällige Luftmessstationen, sogenannte Passivsammler in Form von Plastikdosen, installiert. Drei Monate lang wird hier durch das Ingenieurbüro Lohmeyer die Belastung mit Stickstoffoxiden (NOx) ermittelt, woraus sich unter anderem Rückschlüsse auf Feinstaub ziehen lassen. Anhand zusätzlicher Zahlen wie etwa über das Verkehrsaufkommen auf anderen stark frequentierten Straßen lassen sich Schätzungen zur Belastung weiterer Standorte anstellen. Eine Station zur Erhebung von Hintergrunddaten befindet sich am Friedhof Hohenacker. Die Röhrchen werden alle zwei Wochen ausgetauscht und an ein Labor in die Schweiz geschickt.

Stickstoffdioxid-Messung ist zweifellos ein Fortschritt 

Es handelt sich um eine Stickstoffdioxid-Messung, erläutert der Waiblinger Umweltberater Klaus Läpple. Das Karlsruher Ingenieurbüro berechnet nach einem Straßennetzmodell mit Hilfe von Verkehrs- und Winddaten die Schadstoffbelastungen und wird dies zum Abschluss in einem Bericht darstellen. Zweifellos ein Fortschritt, denn zuletzt gab’s aus Waiblingen gar keine Werte mehr, seit 2011 die Luftmessstation beim Kreisberufsschulzentrum im Ameisenbühl abgebaut wurde.

Frühere Messungen im Ameisenbühl in Waiblingen 

Dort hatte 25 Jahre lang die Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Stickstoffdioxid und Ozon, Fein- und Schwebstaub sowie Niederschlag, Windrichtung und -geschwindigkeit gemessen. Im Ameisenbühl wurden Jahresmittelwerte von 20 Mikrogramm pro Kubikmeter erreicht. Der Tagesgrenzwert wurde in den Negativ-Spitzenjahren 2003 und 2006 20- beziehungsweise 25-mal überschritten.

Wohlgemerkt handelte es sich um eine Hintergrundstation, die im Zuge einer Umstrukturierung des Messnetzes für überflüssig erachtet wurde. Erfolglos legte die Stadt Waiblingen wegen des Rückbaus Beschwerde ein. Baubürgermeisterin Birgit Priebe damals: „Wir hätten uns auch sehr gut eine Verlegung der Hintergrundstation an die vielbefahrene Neckarstraße in Hegnach vorstellen können.“

Keine Verlegung der Hintergrundstation ans Neckartor

Dazu kam es nicht, denn schon 2007 war das Land Baden-Württemberg zum Schluss gekommen, dass die Indikatorwerte für Ruß und NO2 im Vergleich zu anderen Mess-stellen relativ niedrig lagen. Genauer gesagt wird an 73 anderen Standorten im Land von teilweise erheblich höheren Werten ausgegangen. Am Neckartor wurde dieses Jahr bereits an 29 Tagen der Tagesgrenzwert überschritten. In der Ludwigsburger Friedrichstraße, um ein weiteres naheliegendes Beispiel zu nehmen, an 21 Tagen.

Auslöser für Messungen in Waiblingen: Geplantes Lkw-Durchfahrtsverbot in Remseck 

Auslöser für die aktuellen Messungen in Waiblingen war das geplante Durchfahrtsverbot in Remseck. Dieses kam nach Einspruch von Fellbach und Waiblingen zwar noch plötzlicher vom Tisch, als es zuvor vom Regierungspräsidium nach Luftmessungen in der dortigen Remstalstraße für notwendig erklärt wurde. Unklar bleibt freilich, wie sich die beabsichtigte neue Ampel-Dosierregelung in Neckarrems auf den Verkehr auswirken wird. Als Folge des Lkw-Durchfahrtsverbots befürchteten Fellbach und Waiblingen, dass sich der Schwerlastverkehr seinen Weg über die Höhenstraße beziehungsweise die Ortsdurchfahrten Neustadt und Hohenacker sucht.

Hohe Feinstaubwerte in Hohenacker erwartet

Besonders in Hohenacker beim Rathaus könnte die Topografie hohe Feinstaubwerte begünstigen. Im Fokus von Betrachtungen zu Luftqualität und Lärm stehen außerdem die Bahnhofstraße, die Winnender Straße, die Neckarstraße und die Talstraße.

Zur Luftreinhaltung in Neckarrems: Ampel am Ortseingang 

Für Neckarrems ist zur Luftreinhaltung an eine Ampel vor dem Ortseingang gedacht, die mit der Ampel in der Ortsmitte gekoppelt ist und immer nur so vielen Fahrzeugen grünes Licht gibt, wie durchfahren können. Der Stau kann in den Stoßzeiten aus dem Ort draußen gehalten werden, der Feinstaub könnte in der freien Landschaft besser abziehen als in der Häuserschlucht der Remstalstraße.

Grenzwerte

Zum Schutz der menschlichen Gesundheit gelten seit 2005 europaweit Grenzwerte für die Feinstaub-Fraktion (PM 10). Der Tagesgrenzwert beträgt 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft und darf nicht öfter als 35-mal im Jahr überschritten werden. Der zulässige Jahresmittelwert beträgt 40 Mikrogramm pro Kubikmeter.

Laut Umweltbundesamt sind großflächige Feinstaub-Emissionen seit 1990 deutlich zurückgegangen. Die seit 2005 geltenden Grenzwerte werden vor allem an stark vom Verkehr beeinflussten Standorten in Städten und Ballungsräumen weiter überschritten.