Waiblingen

Heftige Gegenwehr verjagt Sextäter

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Symbolbild. © Mathias Ellwanger

Stuttgart/Waiblingen. Stimmen die Vorwürfe, dann ist ein heute 46-jähriger Monteur ein Albtraum für Frauen: In Bad Cannstatt, Böblingen und Waiblingen soll er versucht haben, Frauen, die nachts allein zu Fuß unterwegs waren, zu überfallen und sich an ihnen zu vergehen. In allen Fällen konnten die Opfer den Angreifer abwehren.

Der Mann, der mit seiner Lebensgefährtin zwei kleine Töchter hat, ließ am Mittwoch vor Gericht seinen Verteidiger eine Erklärung verlesen. Danach war er zu zwei der drei Taten mit S-Bahnen oder mit dem Auto auf Irrfahrten durch den Großraum Stuttgart unterwegs. Starke Konzentrationsstörungen und Schlafstörungen machten ihm seit längerer Zeit große Probleme. Es wurde unter anderem der Antrag gestellt, seine Prozesstauglichkeit zu prüfen. Zu den Taten fiel in der Erklärung kein Wort.

Ein Trauma, das bis heute andauert

Eine der drei Frauen, die in den frühen Morgenstunden des 7. Juni vergangenen Jahres vor ihrer Haustür in Bad Cannstatt angegriffen wurde, hat hingegen am Mittwoch im Zeugenstand noch genaue Erinnerungen an den Vorfall gehabt, der ihr bis heute psychisch schwer zu schaffen macht. Allein gehe sie nachts praktisch nicht mehr alleine aus und wenn, dann mit panischer Angst. „Ich fange sofort an zu rennen“, beschreibt sie Situationen, in denen sie sich bedroht fühlt. „Und es ist mir egal, was andere deshalb über mich denken“, sagt sie.

„Ich bin sehr misstrauisch geworden. Davor habe ich mich sehr sicher gefühlt“, berichtet die 19-jährige Abiturientin, die sich in der Woche nach dem Überfall auf ihre mündlichen Prüfungen vorbereiten musste. „Ich habe trotzdem mein Abi geschafft, darauf bin ich sehr stolz“, betont sie, denn sich in ihrem aufgewühlten Gefühlszustand auf die Prüfung zu konzentrieren, sei sehr schwer, fast unmöglich gewesen. „Ich hatte sehr viel Angst.“ Sie habe sogar überlegt, sich vom Abi abzumelden.

Hinterrücks angegriffen

An dem 7. Juni, einem Sonntag, sei sie gegen 4.40 Uhr mit der S-Bahn nach Hause gefahren. „Es war ein schöner Tag gewesen. Ich hatte ihn zusammen mit meiner besten Freundin verbracht.“ In guter Stimmung sei sie an der S-Bahn-Station Nürnberger Straße ausgestiegen, um wie schon oft zuvor zu Fuß zum Haus ihrer Eltern zu gehen, das in der Nähe des Krankenhauses steht. „Ich habe nichts Auffälliges bemerkt. Ich habe mich mehrmals umgesehen, habe mich aber vollkommen sicher gefühlt“, berichtet sie dem Gericht.

Erst kurz vor ihrem Ziel sei ihr ein Mann aufgefallen, als sie die Straße überquerte. Dieser sprach sie wenig später an, als sie vor der Haustür noch eine Zigarette rauchte. „Er hat zuerst gefragt, wo in der Nähe ein Zigarettenautomat sei, er kenne sich in der Gegend nicht aus.“ Schließlich habe sie dem Mann eine Zigarette gegeben, der sich dann abgewandt hatte. „Ich dachte, er geht weg, und habe mich umgedreht, um die Haustür zu öffnen. Als ich ihm den Rücken zugewandt habe, wurde ich von hinten angegriffen.“

Der Mann habe ihr grob von hinten zwischen die Beine gegriffen. Sie habe sich umgewandt und losgerissen. „Er hat mich blöd angeschaut und gesagt: ,Das ist nur Spaß’ und hat so komisch gelacht. Ich hab gesagt, das ist kein Spaß und er solle mich in Ruhe lassen.“ Doch der Angreifer drängte sich mit der jungen Frau durch die Tür ins Treppenhaus, versuchte sie festzuhalten und zu Boden zu bringen. Ihre heftige Gegenwehr und ihre lauten Hilfeschreie veranlassten ihn schließlich, von ihr abzulassen. „Ich hab mir gedacht, wenn er merkt, dass ich nicht allein lebe, hört er auf, und habe laut nach meiner Mutter gerufen.“

In der Waiblinger Ackerwiesenstraße

Am 14. Juni, ebenfalls ein Sonntag, soll der Angeklagte gegen 4.30 Uhr eine Frau verfolgt haben, die an der Haltestelle Stetten-Beinstein aus der S-Bahn gestiegen war, um zu Fuß nach Hause zu gehen. In der Waiblinger Ackerwiesenstraße wurde die 21-Jährige plötzlich von einem Mann von hinten gepackt und mit einem Messer bedroht. Als sie laut um Hilfe schrie, lief der Angreifer davon. Nur wenige Stunden später, um 10.15 Uhr, soll er dann eine Frau an der Uferstraße in Böblingen belästigt und bis in das Treppenhaus ihres Wohnhauses verfolgt haben. Ihre lauten Hilfeschreie alarmierten Nachbarn, die ihr zu Hilfe kamen.

Für den Prozess vor der 8. Strafkammer sind noch fünf Verhandlungstage vorgesehen. Am Dienstag ist der nächste Termin.