Waiblingen

Heizkosten: Bleiben Kirchen beim Weihnachts-Gottesdienst in Waiblingen kalt?

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Die evangelische Michaelskirche Waiblingen. © Gaby Schneider

Bei Heizung und Strom zu sparen, so laute das Gebot der Stunde. In Betrieben und öffentlichen Einrichtungen werden die Temperaturregler nach unten gedreht. Mitarbeiter und Besucher haben die Wahl: noch wärmer anziehen oder schlottern. Angesichts steigender Energiekosten sind auch die Kirchengemeinden angehalten, Energie einzusparen. Was bedeutet das mit Blick auf Weihnachten? Müssen die Besucher der Heiligabend-Gottesdienste in Waiblingen frieren? So viel vorneweg: Richtig kalt wird's nicht. Aber wem's nicht genügt, dass es ums Herz herum weihnachtlich warm wird, sollte sich einigermaßen warm kleiden.

Bei Konzerten wird es ein bisschen wärmer als bei den Weihnachtsgottesdiensten

Für die evangelische Michaelskirche in Waiblingen gilt die Regelung: Über die Feiertage wird noch geheizt – im Januar aber wird sie ganz abgeschaltet. Die Bodenheizung der Michaelskirche, die einen gewaltigen Kirchenraum erwärmen soll, wird für die Weihnachtsgottesdienste auf etwa 16 Grad Celsius eingestellt. Pfarrerin Dr. Antje Fetzer-Kapolnek geht davon aus, dass die Körperwärme der anwesenden Gemeinde für zusätzliche zwei Grad sorgt. Also wäre mit 18 Grad in etwa Zimmertemperatur erreicht, wenn auch keine mollige. Bei Konzerten darf die Heizung noch zwei Grad höher gedreht werden, damit der Wohlklang der Instrumente nicht leidet.

Bis März so kalt wie das Ulmer Münster

Das gilt bis einschließlich 8. Januar, doch dann kommt der radikale Einschnitt: „Die Michaelskirche bleibt kalt wie das Ulmer Münster.“ Die größte evangelische Kirche Deutschlands ist nicht beheizbar.

Auch in der Waiblinger Michaelskirche wird im Frühjahr 2023 die Heizung bis in den März kalt bleiben. Durch die steigenden Energiekosten sieht sich der Kirchengemeinderat zu dieser durchgreifenden Maßnahme genötigt. Vom Höchststand des Gaspreises aus gerechnet, sagt Pfarrerin Antje Fetzer, würden sich die Mehrkosten für die Gemeinde ohne Sparmaßnahmen auf rund 60.000 Euro belaufen. Nach zwei Weihnachten unter Corona-Bedingungen freut sich die Gemeinde nun aber vor allem auf einen „richtigen“ Weihnachtsgottesdienst.

13 Grad bei den Katholiken

Während bei den Protestanten der Kirchengemeinderat über das Wie und Wann der Energieeinsparung entscheiden dufte, gibt’s bei den Katholiken eine Anweisung von oben, nämlich von der Diözese. Deshalb gilt in der Sankt-Antonius-Kirche in Waiblingen schon seit geraumer Zeit, dass die dortige Fußbodenheizung auf 13 Grad Celsius einzustellen ist. Aus Sicht von Pfarrer Franz Klappenecker ein brauchbarer Kompromiss zwischen der Erfordernis des Sparens und dem verständlichen Bedürfnis der Gottesdienstbesucher, nicht frieren zu wollen. Welches, so die Erfahrung des dienstältesten Pfarrers der Stadt, auch dem eigentlichen kirchlichen Anliegen entgegenkommt, denn: „Wer friert, ist nicht aufnahmefähig. Dann denkt man nicht an die frohe Botschaft, sondern nur, dass einem kalt ist.“

Kalte Kirchen waren in früheren Jahrhunderten völlig normal, und auch heute noch gibt es zahlreiche Gotteshäuser, die schlicht nicht beheizbar sind. Im Kloster Neresheim hat Franz Klappenecker es vor einigen Jahren erlebt, dass er mit dem Finger ins Weihwasser tippen wollte – und feststellen musste, dass es gefroren war.

Bei Heizung und Strom zu sparen, so laute das Gebot der Stunde. In Betrieben und öffentlichen Einrichtungen werden die Temperaturregler nach unten gedreht. Mitarbeiter und Besucher haben die Wahl: noch wärmer anziehen oder schlottern. Angesichts steigender Energiekosten sind auch die Kirchengemeinden angehalten, Energie einzusparen. Was bedeutet das mit Blick auf Weihnachten? Müssen die Besucher der Heiligabend-Gottesdienste in Waiblingen frieren? So viel vorneweg: Richtig kalt wird's nicht.

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