Waiblingen

"Hexentanz und Nachtgeflüster": Ein neues Stück der Hebebühne

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Besen und Kopftuch sind tabu: Den Macherinnen der Hebebühne ist es wichtig, ihre Figuren nicht als reine Klischeehexen zu inszenieren. © Büttner / ZVW

Weinstadt/Kernen. Hexenszenen aus Shakespeares Macbeth, „Die kleine Hexe“ von Friedrich Nietzsche, das „Hexenlied“ von Georg Kreisler: Insgesamt 23 Szenen hat das neue Stück der Hebebühne – und fast alle werden durch Instrumente und Gesang begleitet. Die Weinstädter Theatergruppe tritt damit am Freitag, 28. April, und am Samstag, 29. April, im Stettener Klettergarten auf.

Video: Die Theatergruppe Hebebühne aus Weinstadt spielt im Klettergarten Stetten.

„Schwester, sag an, was hast du vollbracht? Hab Säue gewürgt bis in die sinkende Nacht“: Da stehen sie, die Frauen der Hebebühne, in ihren schwarzen Gewändern, mit ihren ausgefallenen Frisuren und teilweise mit schweren Ketten in den Händen. Sie zitieren Worte von William Shakespeare – und das ist nur einer von vielen Schriftstellern quer durch die Jahrhunderte, deren Werke verarbeitet werden.

Neues Stück ist politischer

Die Theatermacherinnen scheuen sich aber auch nicht, Texte eines Blödelbarden wie Otto Waalkes vorzutragen. Das ist Teil der Hebebühnenrezeptur: Es soll gelacht werden, es darf auch albern sein – aber schon im nächsten Moment kann es bitterernst werden. Im Unterschied zum Hexenstück vor einem Jahr wird es laut Gründerin Anne Fabriz in diesem Jahr politischer, außerdem wird die Musik noch wichtiger. Dabei wird bei der Auswahl der Instrumente munter experimentiert – von der Schlitztrommel über das Monochord bis zur indischen Shrutibox.

Gemeinde Kernen wollte die Hebebühne unbedingt haben

Anne Fabriz und ihre Mitstreiterinnen sind sehr froh, dafür mit Hans Fickelscher, Doris Groß, Nina Haarer und Martina Käfer gleich vier Musiker an Bord zu haben. Gefreut hat sie natürlich auch, dass die Gemeinde Kernen sie unbedingt für weitere Auftritte haben wollte. 100 Karten bietet die Hebebühne nun pro Aufführung an, deutlich mehr als 2016.

Für alles ist gesorgt 

Jagdpächter Franz Wari lässt der Gruppe wieder seine Jagdhütte als Garderobe – und für die Technik samt aufwendiger Lichteffekte ist die Firma Event4U Veranstaltungstechnik zuständig. Für „Andres Maienlied“ von Mendelssohn Bartholdy hat Carina Sigle sogar eine richtige Choreografie entwickelt. Und Gisela Pfohl hat mit viel Liebe zum Detail das Programmheft vor allem mit allerlei Hexenfiguren illustriert. Und nebenbei ist fürs Jahresende schon ein neues Stück in Planung, das dann in Abstimmung mit dem Weinstädter Kulturamtsleiter Jochen Beglau wieder in Weinstadt aufgeführt wird.

Den Zuschauern bewusst machen, wie Frauen als Hexen diffamiert wurden 

Wichtig ist den Theatermacherinnen, in dem aktuellen Stück den Zuschauern bewusstzumachen, wie Frauen von mächtigen Männern als Hexen diffamiert wurden. Da wurden Hebammen Zauberkräfte unterstellt, mit denen sie angeblich Fehlgeburten verursacht haben. Oder es reichte schon, wenn Frauen Heilkräuter sammelten. „1782 wurde die letzte Hexe in Europa hingerichtet – das ist wirklich nicht lange her“, sagt Anne Fabriz. Auch der Vater der Reformation hat sich in der Hinsicht nicht gerade als fortschrittlich hervorgetan. „Der Martin Luther hat auch über Hexen hergezogen.“ Er hetzte richtig, bezeichnete sie als „Teufelshuren“ und sagte einst: „Ich will der Erste sein, der Feuer an sie legt.“

Karten müssen reserviert werden

Das neue Stück „Hexentanz und Nachtgeflüster“ wird am Freitag, 28. April, und am Samstag, 29. April, aufgeführt. Treffpunkt ist um 21 Uhr am Parkplatz des ehemaligen Stettener Sängerheims (bei Knauers Weinbergtreff). Von dort aus werden die Teilnehmer von ein paar Schauspielern zum Klettergarten geführt.

Der Eintritt kostet 21 Euro. Im Anschluss ans Theaterstück gibt es eine Hexensuppe, die im Preis inbegriffen ist. Dazu wird noch Wein verkauft. Gute Schuhe sowie eine warme Decke und eine Taschenlampe für den Heimweg werden empfohlen. Bei Dauerregen werden die Aufführungen abgesagt. Wenn es dagegen nur einen kurzen Schauer gibt, wird die Hebebühne spielen.

Die Karten müssen telefonisch (0 71 51/4 01 41 47) oder per E-Mail (niederberger.ar@kernen.de) bei der Kernener Kulturbeauftragten Arabella Niederberger reserviert werden. Sie können dann an der Abendkasse (am Parkplatz des Sängerheims) abgeholt und bezahlt werden. Mehr Infos gibt es unter www.theater-hebebuehne.de im Internet.

Die Hexen spielen in dem Stück Anne Fabriz, Renate Gröner, Gisela Pfohl, Monika Plag, Ursula Porten, Birgit Luick-Pollard, Caro Pfeil, Leah Pollard, Gisela Propp, Heike Ruchay-Simon und Silvia Wieland-Oakis. Den Klerus und die Henker verkörpern Albrecht Rühle, Erwin Bosak und Rolf Gärtner, die Rolle der Bürger übernehmen Marc Hauschildt und Andreas Krohberger. Auch der Strümpfelbacher Bildhauer Karl Ulrich Nuss hat wieder einen Auftritt.