Waiblingen

Hochhaus auf der Korber Höhe: Schöner als der Gewa-Tower

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Der Öko-Turm in München ist Vorbild für die Korber Höhe. Zwischen Hypo-Hochhaus (rechts) und dem neuen Bürokomplex (links) soll der Turm gebaut werden. © Simulation: Aika Schluchtmann Ar
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Hochhaus © ZVW

Waiblingen. Grün, teuer und stylisch: Das letzte Hochhaus auf der Korber Höhe soll ein ganz besonderes werden. Mit gehobener Architektur, Terrassen und vertikalen Gärten soll das Gebäude ein nach oben gestreckter grüner Daumen auf der Korber Höhe und ein ökologisches und architektonisches Vorzeigeprojekt in der Region werden. Die Stadt sucht einen Investor, der das Hochhaus möglichst bis zur Gartenschau bauen soll.

Entstehen soll das 56 Meter hohe Hochhaus mit maximal 18 Etagen und 60 bis 70 Wohnungen auf einem 4600 Quadratmeter großen städtischen Grundstück am nördlichen Rand der Korber Höhe. Der grüne ökologisch wertvolle Turm soll laut Baubürgermeisterin Birgit Priebe kein klassisches Hochhaus werden, sondern ein architektonisches Highlight mit Bäumen, Sträuchern, Stauden und Bodendeckern an den Fassaden. Einer grünen Hülle also, die energetisch sinnvoll sein und für ein gutes Mikroklima sorgen soll. Damit könnte die Stadt im Sinne nachhaltigen Bauens wie beim Mailänder Bosco Verticale einen tollen Akzent setzen, ergänzte Stadtplanungschef Patrik Henschel. Der zu Deutsch „vertikale Wald“, der 2014 mit einem Internationalen Hochhauspreis prämiert wurde, umfasst zwei 87 und 119 Meter hohe Hochhäuser, an deren Seiten Tausende Bäume, Sträucher und Hecken gepflanzt wurden. Eher vergleichbar mit dem Projekt auf der Korber Höhe ist rein größenmäßig der geplante Öko-Turm im Arabellapark in München: Mit 52 Metern Höhe und 16 Geschossen entspricht der in etwa Waiblinger Vorgaben.

Klar ist schon jetzt: Höhere Anforderungen, unter anderem an den Fassadenaufbau und Bewässerungssysteme, machen den Bau des grünen Hochhauses wesentlich teurer als den eines konventionellen Gebäudes. Auch die Unterhaltung der Grünanlagen wird sich auf Kauf, Miete und Nebenkosten niederschlagen. Günstige Wohnungen, wie sie die Stadt dringend braucht, werden in diesem Vorzeigeprojekt kaum zu finden sein.

Der Erlös aus dem Grundstücksverkauf soll deshalb an anderer Stelle in die Schaffung günstiger Wohnungen fließen. Zudem will sich die Stadt Belegungsrechte für zehn Prozent der Wohnungen sichern, um sie selbst, gegebenenfalls zum Preis des Mietspiegels, weiterzuvermieten. „Wir haben ganz unterschiedliche Anfragen“, sagte die Baubürgermeisterin.

Dem Charme des Projekts konnte sich der Ausschuss nicht entziehen

„Das grüne Hochhaus ist eine Chance für Waiblingen, ein Zeichen zu setzen“, warb Patrik Henschel im Ausschuss für Planung, Technik und Umwelt. Dort konnte sich dem Charme des Projekts kaum einer entziehen - Zweifel wurden trotzdem laut. Die Leute wollten wegen des Blätterfalls keine Bäume mehr, gab Sabine Wörner (SPD) zu bedenken. Zudem störte sie der Preis der Wohnungen, die das Wohnraumproblem nicht lösten. Mittragen könne sie das Projekt nur dann, wenn der Erlös tatsächlich reinvestiert werde. Das betonte auch CDU-Chef Siegfried Kasper. Das Vorhaben werde nicht billig, auch wegen der hohen Nebenkosten: „Die Pflanzen kann man nicht den Eigentümern oder Mietern überlassen.“ Toll und innovativ fand das Projekt Frieder Bayer, er verwies aber kritisch auf Mailand, wo die Wohnungen zwischen einer und zehn Millionen Euro kosteten. Nicht zehn, sondern 20 Prozent sollte sich die Stadt an Belegungsrechten eigentlich sichern. Auch seine Fraktionskollegin Christina Schwarz kritisierte die mangelnde „soziale Komponente“.

Eine gute Idee und ein schönes Zeichen, befand dagegen Bernd Mergenthaler (FDP). Den Standort Korber Höhe hielt er für die sehr teuren Wohnungen allerdings für ungeeignet. Mit dem grünen Hochhaus werde ein bestimmtes Kundensegment angesprochen: „Ob die gerade dort kaufen wollen?“ Sein Vorschlag: auf der Korber Höhe konventionell bauen und das Vorzeige-Hochhaus an anderer Stelle realisieren. Sie würde dort jedenfalls keine Wohnung kaufen, bemerkte Christel Unger (SPD) frank und frei angesichts der Lärmbelästigung der nahen B 14, während Matthias Kuhnle (DFB) gelassen dazu riet, jetzt auszuschreiben und dann abzuwarten, ob sich der Plan umsetzen lasse. „Der Gewa-Tower liegt genauso ungünstig“, meinte Michael Stumpp (CDU). Dort gebe es durchaus eine Klientel, die ins Hochhaus ziehen wolle: „Wir sollten jetzt an den Markt gehen.“

Das meint auch Baubürgermeisterin Birgit Priebe: Die Stadt könne jederzeit nachsteuern, wenn das Grundstück so nicht zu vermarkten sei. Einen anderen Standort für ein Hochhaus gebe es nicht in Waiblingen. Sie selbst halte die Korber Höhe für viel besser als den Standort des Gewa-Towers, der extrem teuer werde. Für sozialen Wohnungsbau sei nicht jedes Gebäude geeignet, sagte sie in Richtung ALi. „Wenn wir das hier mit 70 Wohnungen machen, haben wir nachher ein Ghetto.“

Der Ausschuss hat der Ausschreibung nach dem Mailänder und Münchner Beispiel grünes Licht gegeben. Zustimmen muss noch der Gemeinderat.

Bedarf steigt

Bis 2030 müssen 1600 Wohnungen gebaut werden, um den Bedarf für 53 000 Einwohner zu decken.

Laut aktuellen Daten des Statistischen Landesamts wird bis 2035 inklusive Zuwanderung aber ein Anstieg auf 57 500 Einwohner erwartet. Weitere Wohnungen müssen deshalb gebaut werden.