Waiblingen

Hohe Geldstrafe für Ex-Spielsüchtigen

21796981-3c12-40f5-809f-6ff6f3fd573f.jpg_0
Symbolbild. © Pixabay/CC0 Public Domain

Waiblingen. Fast 10 000 Euro soll ein junger Mann sich mit gefälschten Überweisungen selbst überwiesen haben. Der Schwindel flog auf und die Bank forderte das Geld zurück. Nun musste sich der 24-Jährige vor dem Waiblinger Amtsgericht verantworten. Besonders heikel: Die Geschädigte ist seine Mutter.

Vor Gericht gibt der junge Mann seine Schuld offen zu. Er sei zu der damaligen Zeit schwer spielsüchtig gewesen und habe das Geld nehmen und verdoppeln wollen – in Sportwetten und im Poker-Spiel. Dann habe er es zurückgeben wollen, so seine Aussage. Bereits zuvor habe er unter falschem Namen ein Konto leergeräumt. Damals habe es sich aber um ein Sparkonto gehandelt, das seine Familie für ihn angelegt hat, auf das er selbst aber keinen Zugriff hatte. „Deshalb wurde das nicht verfolgt.“ In dem Fall, der nun vor dem Amtsgericht verhandelt wurde, aber war es das Konto seiner Mutter gewesen, von dem er das Geld genommen hatte.

Aufgeteilt auf zwei Überweisungsträger hatte er sich in ihrem Namen fast 10 000 Euro auf zwei verschiedene Konten überwiesen. Beim ersten Mal kam er damit bei der Bank durch. Als er es aber kurze Zeit später erneut probierte, fielen die Überweisungen auf – und der Schwindel flog auf. Einen Teil des Geldes holte sich die Bank zurück, den anderen blieb der Angeklagte schuldig. Nun stand er wegen Betruges und Urkundenfälschung vor Gericht.

Angeklagter lebt auf Malta und arbeitet für ein Online-Casino

Geboren wurde der heute 24-Jährige in Stuttgart. Heute lebt er auf Malta, wo er für ein Online-Casino arbeitet. Wie es dazu kam, schildert er bereitwillig, wenn auch sichtbar beschämt, in seiner Aussage: Bereits mit 16 oder 17 Jahren habe er massive Probleme mit seiner Spielsucht gehabt. Damals habe er in einem Nebenjob 450 Euro verdient – und immer sofort innerhalb von vier oder fünf Tagen verzockt. Zwei Ausbildungen, so berichtet er, habe er abgebrochen. Oft habe wegen seiner Sucht nicht mal Geld für Benzin gehabt. Er zog nach Berlin, um dort ein neues Leben zu beginnen, doch auch dort holte ihn die Sucht ein.

„In meiner schlimmsten Phase habe ich nicht mal mehr meine Post geöffnet“, gibt der junge Mann reuig zu. Aus Angst vor noch mehr unbezahlten Rechnungen. Ein ganzer Berg Schulden sie so aufgelaufen: 10 000 Euro vielleicht, oder auch 15 000, inklusive der Mahnkosten, schätzt er.

Vertrauensverhältnis zur Mutter wieder hergestellt

Erst ein Umzug nach Potsdam und ein Wechsel des Freundeskreises ebnete ihm den Weg aus der Krankheit. Durch einen Job bei einem Sportwettenanbieter habe er die andere Seite des Spiels kennengelernt – und seine Faszination dafür entdeckt. Das habe ihm geholfen, seine Sucht zu besiegen, so der Angeklagte. Eine Therapie habe er nie gemacht. „Heute habe ich keine Probleme mehr damit, ich spiele nicht mehr.“ Auch zu seiner Mutter habe er wieder ein gutes Verhältnis – er schlafe auch jetzt bei ihr, wo er in Waiblingen zu Besuch sei.

Die Läuterung nahmen ihm der Richter und die Staatsanwältin auch ab. Dennoch forderte sie eine hohe Geldstrafe: Insgesamt 32  000 Euro sollte der junge Mann zahlen. Das Urteil des Richters Dustin Dautel fiel zwar wegen des Geständnisses und einer günstigen Sozialprognose etwas milder aus, hoch blieb die Geldstrafe dennoch. 280 Tagesätze zu je 70 Euro muss der Ex-Spielsüchtige bezahlen, das entspricht einer Summe von 19 600 Euro. Zusätzlich trägt er die Kosten des Verfahrens. Der Angeklagte erklärte, auf Rechtsmittel verzichten zu wollen. Damit ist das Urteil gültig.

Die Begründung

Der Richter Dustin Dautel begründete die hohe Geldstrafe damit, dass der Angeklagte die Strafe „schon spüren“ solle.

Schließlich habe es sich bei den Beträgen, die er sich unrechtmäßig überwiesen habe, ebenfalls um hohe Summen gehandelt.

Außerdem habe er einen groben Vertrauensbruch gegenüber seiner Familie begangen – auch wenn dieser Riss heute wieder gekittet zu sein scheint.