Waiblingen

Hygiene in Kitas: Das gilt wirklich

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Das A und O der Hygiene: Hände waschen muss ein jedes Kind. © ZVW/Benjamin Büttner

Waiblingen.
Kinder dürfen weder mit gesammelten Kastanien spielen noch mit Eierkartons basteln? Mamas oder Papas nur unter bürokratischem Aufwand Kuchen mit in den Kindergarten bringen? Solche Hygienevorschriften gehen dem Waiblinger Gesamtelterbeirat entschieden zu weit. Er will Klarheit: Woher kommen sie eigentlich? Wer hat die scheinbar abstrusen Richtlinien erlassen, welche gelten überall und welche sind übertrieben? Die Antworten haben mit dem Infektionsschutzgesetz, mit Allergien und Haftungsfragen zu tun.

Gute Nachricht: Das Spielen und Basteln mit Naturmaterialien ist zumindest an städtischen Kindergärten in Waiblingen ausdrücklich erlaubt – auch mit Kastanien. Aber die Kinder lernen, wie hygienisch mit gesammelten Dingen umzugehen ist, dass man also gesammelte Kastanien, bevor daraus Figürchen werden, am besten wäscht. Das gilt zudem für die Hände. „Hand-Hygiene spielt eine große Rolle“, sagt Uta Kapinsky, Abteilungsleiterin der Stadt für die Kindergärten. Beim Lernen setzen die Erzieherinnen auf den Aha-Effekt, wenn nach allzu schludrigem Händewaschen unter Schwarzlicht noch deutlich Dreck zu sehen ist. Trotzdem spielen die Kinder in allen Kitas auch draußen und machen regelmäßig Ausflüge in den Wald. Sich dabei schmutzig zu machen, „ist Teil der Naturerfahrung“, sagt die Erste Bürgermeisterin Christiane Dürr. Doch tatsächlich, bestätigt Uta Kapinsky, gibt es vereinzelt Eltern, die ihren Kleinen die Teilnahme am Waldtag verbieten. Nicht wegen der Hygiene, sondern weil die Kleider danach in die Waschmaschine müssen.

Das Kuchen-Problem: Lieber einfache Rezepte

Schwieriger stellt sich im Kita-Alltag der Umgang mit Lebensmitteln dar. Zwar darf mit Eierkartons gebastelt werden, aber nicht mit gebrauchten. Zum Basteln mit billigen Materialien werden eigens unbenutzte Kartons angeschafft. Hat ein Kind Geburtstag, muss das natürlich mit Kuchen gefeiert werden. Mit einem vorgefertigten Formular müssen Eltern dokumentieren, was an Zutaten enthalten ist, wann sie gekauft und wie lange sie gelagert wurden. So soll verhindert werden, dass zum Beispiel ein Kind Nüsse isst, das dagegen allergisch ist. Das Kind sieht dem Kuchen die Haselnusssplitter nicht an – aber die Kita-Leitungen wissen Bescheid über die Allergien der Kinder. Als kritisch gelten Milchprodukte. Tatsächlich muss nachgewiesen werden, dass die Kühlkette nicht unterbrochen wurde. Das ist eine Vorschrift aus dem Hygieneplan für städtische Kitas, die auf dem Infektionsschutzgesetz fußt. Die Stadt als Trägerin kommt also nicht raus aus dieser Bürokratie-Nummer. Der Einfachheit halber rät Uta Kapinsky zu Marmorkuchen und ähnlichen Rezepten: „Im Zweifelsfall mögen die Kinder den Smarties-Kuchen sowieso lieber.“ Für Käsesahnetorte heißt das natürlich – lieber lassen. Müslitage gibt’s dennoch an städtischen Kindergärten. Unter anderem im „Burgmäuerle“ in Hegnach wird großer Wert darauf gelegt. Allerdings stehe die Milch nicht stundenlang ungekühlt auf dem Tisch.

Einen Unterschied macht’s, ob Kuchen beim Geburtstag im Kindergarten vertilgt oder, um einen Erlös zu erzielen, auf dem Wochenmarkt verkauft wird. Letzteres unterliegt weniger kniffligen Bestimmungen, denn dann greift die Selbstverantwortlichkeit der Käufer, bei Nuss-Allergie keine Nüsse zu essen. Innerhalb des Kindergartens liegt die Verantwortung bei der Leitung. Bei Kindergarten-Festen darf Essen nur unter Spuckschutz – also einer Glasscheibe, die die Kuchen vor niesenden Käufern schützt – angeboten werden. Gibt es eine Kasse, müssen Essensausgabe und Kasse getrennt werden.

Musterpläne und gesunder Menschenverstand  

Die Stadt als Trägerin hat für ihre Kindertageseinrichtungen 2016 einen Hygieneplan erstellt. Anlass dafür war unter anderem die Zunahme der Kleinkind-Betreuung mit ihren pflegerischen Aspekten und der Ganztagesbetreuung mit warmem Essensangebot. Erste Bürgermeisterin Christiane Dürr empfiehlt den Kitas, die Bestimmungen „mit Augenmaß“ umzusetzen und den gesunden Menschenverstand walten zu lassen.

Unstrittig ist nach Ansicht der Ersten Bürgermeisterin, dass Bürokratie und Verwaltungsaufwand in den Kindergärten zugenommen haben. Die Stadt hat daher Leitungsteams in den Einrichtungen gebildet, damit nicht alle Verwaltungsarbeit auf einer Person ruht. „Außerdem sollte die Leitung Kontakt zu den Kindern und den Eltern halten können.“ Die pädagogischen Fachkräfte, so zumindest das Ziel, sollen von dem Dokumentationsaufwand so weit als möglich entbunden werden, damit sie sich auf ihre eigentliche Arbeit mit den Kindern konzentrieren können.

Der Hygieneplan der städtischen Kitas gilt nicht für die Einrichtungen der kirchlichen und privaten Träger. Grundlage für Hygienepläne aller Träger ist wiederum der Musterhygieneplan des Landes Baden-Württemberg. Der Hygieneleitfaden hat grundsätzlich empfehlenden Charakter, enthält aber auch verpflichtende Vorschriften. Der Musterhygieneplan regelt die Hygiene unter Personen, in Räumen und im Umgang mit Lebensmitteln. Außerdem gibt es Richtlinien zum Umgang mit Infektionskrankheiten.

Waiblingen.
Kinder dürfen weder mit gesammelten Kastanien spielen noch mit Eierkartons basteln? Mamas oder Papas nur unter bürokratischem Aufwand Kuchen mit in den Kindergarten bringen? Solche Hygienevorschriften gehen dem Waiblinger Gesamtelterbeirat entschieden zu weit. Er will Klarheit: Woher kommen sie eigentlich? Wer hat die scheinbar abstrusen Richtlinien erlassen, welche gelten überall und welche sind übertrieben? Die Antworten haben mit dem

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