Waiblingen

Ikonen der Popkultur: "Cover Art" in der Galerie Stihl Waiblingen

Cover Art
Von Willy Fleckhaus designte Cover einer Plattenserie, die die Jugend-Zeitschrift Twen mit der Firma Philips herausbrachte. © Gabriel Habermann

In Zeiten von Spotify und MP3 feiert die Galerie Stihl eine oft verkannte Kunstform, die fest liiert ist mit der Vinyl-Schallplatte. Die Sommerausstellung „Cover Art“ würdigt Plattencover und die Herausragendsten unter ihren Schöpfern. Zu sehen sind unter anderem Pioniertaten des Jazz-Labels Blue Note, die in Zeiten der Rassentrennung schwarze Künstler wie Art Blakey in Aktion am Schlagzeug ins Bild setzten und einer einheitlichen, modernen gestalterischen Linie folgten. Dazu Meilensteine wie das mit einem Grammy prämierte „Revolver“-Album der Beatles sowie minimalistische Designs wie für die Wave-Bands Joy Division und OMD. Dem berühmten „Weißen Album“ der Beatles ist eine begehbare Installation gewidmet.

Das erste Plattencover überhaupt

Marketingtechnisch heute undenkbar: Über Jahrzehnte wurden Schallplatten in einfache Papierhüllen verpackt. Erst 1940 entwarf der Grafikdesigner Alex Steinweis das erste gestaltete Plattencover für den Titel „Smash Song Hits“ der Broadway-Stars Richard Rodgers und Lorenz Hart. Die geniale Idee sollte sich als überaus verkaufsfördernd erweisen – und als Ursprung einer eigenen Kunstform. Bis heute korrelieren bei gelungenen Covern Musik und Design auf verblüffende Weise. Manchmal kann schon das optische Erscheinungsbild dem Musikfan auf der Suche nach Neuigkeiten einen Hinweis geben, ob sich das Reinhören lohnt oder eher nicht.

Viele entwickelten sich zu Ikonen der Popkultur – wie die Radiowellen-Berge bei Joy Divisions „Unknown Pleasures“, Andy Warhols Banane für Velvet Underground oder das Prisma auf Pink Floyds „Dark Side of the Moon“. Die gebrochene Rose auf Depeche Modes „Violator“-Album – das Cover von Anton Corbijn ist in der Schau zu sehen – tragen viele eingefleischte Fans als Tattoo, erzählt Galerieleiterin Anja Gerdemann, die sich bei der Stadt Waiblingen mit der Idee für die jetzige Plattencover-Ausstellung einst beworben hat.

3000-mal das „Weiße Album“: 3000 Unikate

An den Beatles führt kein Weg vorbei. Als bislang einziger Deutscher erhielt Klaus Voormann 1967 den Grammy für das beste Cover des Jahres. Für „Revolver“ wählte er einen Mix aus Zeichnung und Collage. Und da sich George Harrisons Mund offenbar schwer malen ließ, schnitt er ihn kurzerhand aus einem Fotomagazin aus. Die Originalschere und das Magazin sind ebenso in Waiblingen zu sehen wie der Grammy.

Live-Performance mit "Chicks on Speed"

Ein Plattenladen existiert in Waiblingen nicht mehr, doch die Installation „We buy White Albums“ von Rutherford Chang aus New York sieht ganz nach einem aus. Allerdings gibt es dort genau eine Platte – eben das Weiße Album. 3000-mal. Weiß sind die wenigsten Exemplare, die meisten gehen eher ins Gelbe oder Bräunliche. Über Jahre hat Chang sie gesammelt, mit allen Gebrauchsspuren, Kaffeeflecken, Aufkleber und darauf gekritzelten Notizen. „Jedes einzelne Exemplar erzählt seine Geschichte“, erklärt er. Biografische Qualitäten, die MP§ oder Streaming-Formaten fehlten. Keine Hülle gleicht der anderen, auch wenn die ursprünglichen Seriennummern längst nicht mehr fortgeschrieben werden.

Zu sehen ist die „Cover Art“ mit Werken von Alex Steinweis, Willy Fleckhaus, Klaus Voormann, Emil Schult, Peter Saville, Anton Corbijn, Walter Schönauer, Rutherford Chang und Chicks on Speed bis 16. Oktober. Vernissage am Freitag, 1. Juli, um 20.30 Uhr auf dem Galerieplatz mit Live-Performance des internationalen Musikkollektivs Chicks on Speed.

In Zeiten von Spotify und MP3 feiert die Galerie Stihl eine oft verkannte Kunstform, die fest liiert ist mit der Vinyl-Schallplatte. Die Sommerausstellung „Cover Art“ würdigt Plattencover und die Herausragendsten unter ihren Schöpfern. Zu sehen sind unter anderem Pioniertaten des Jazz-Labels Blue Note, die in Zeiten der Rassentrennung schwarze Künstler wie Art Blakey in Aktion am Schlagzeug ins Bild setzten und einer einheitlichen, modernen gestalterischen Linie folgten. Dazu Meilensteine

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