Waiblingen

Im Bus gepöbelt, dann geschlagen

Richter hammer symbol_0
Symbolbild. © Ramona Adolf

Waiblingen. Ein 19-Jähriger soll zusammen mit einem Freund in einem Bus andere Fahrgäste provoziert haben. Als ein anderer junger Mann eingriff, soll er ihn erst beleidigt und später zusammengeschlagen haben. Deshalb musste er sich nun wegen gefährlicher Körperverletzung vor Gericht verantworten. In der Verhandlung am Amtsgericht Waiblingen stellte sich heraus, dass der Geschädigte wohl auch nicht ganz unschuldig war.

Vier Jungs, zwei Mädels, ein Bus. Das ist die Ausgangssituation für eine Pöbelei, die in einer Schlägerei endet. Zwei der Jungs, der Angeklagte Silvio R. (alle Namen geändert) und ein Freund, schlagen gegen die Scheiben des Busses. Wieso sie das getan hätten, wisse er selbst nicht mehr, sagt Silvio R. später aus. Klar ist: Andere Fahrgäste fühlen sich gestört und fordern die beiden auf, damit aufzuhören. Einer von ihnen ist ein damals 18-Jähriger, Dennis B., der mit seiner Freundin und deren Bruder unterwegs ist. Es kommt zu einem „Wortaustausch“, wie Dennis B. es vor Gericht nennt. Auf Nachfrage des Richters gibt er zu, es sei „weniger freundlich“ zugegangen, es seien Beleidigungen gefallen, auch von seiner Seite.

Schlagabtausch an Bushaltestelle

Ein Mann geht dazwischen, trennt die Streithähne. Doch die Sache geht weiter, als beide Grüppchen an der gleichen Haltestelle aus dem Bus aussteigen. Zwar gehen hier die Schilderungen der jungen Männer auseinander, das Resultat ist aber gleich. Es kommt zu einem Schlagabtausch an dessen Ende Dennis B. wegen einer Platzwunde, einer gebrochenen Rippe und Prellungen im Krankenhaus behandelt wird.

Wer hat angefangen?

Wer angefangen hat, wird nicht klar. In der Version von Dennis B. bekommt er selbst sofort eine Faust ins Gesicht, als er aus dem Bus steigt. In der Version von Silvio R. hat der andere ihm hinterhergerufen: „Wenn ich jetzt aussteige, krieg ich dich“. Geschlagen haben will Silvio R. aus Reflex, weil der andere schnell auf ihn zukam. Die damalige Freundin von Dennis B. will nichts gehört und gesehen haben, weil sie erst später aus dem Bus stieg.

Busfahrer: Vor den Türen seines Busses habe es gekracht

Und auch die Aufnahme der Überwachungskamera zeigt nur das Geschehen im Bus, nicht jenes draußen vor der Tür. Der Busfahrer fasst die Situation aus seiner Sicht zusammen: Er habe gedacht, die ganze Gruppe gehöre zusammen, es habe ein wenig Stress gegeben, nichts, wo er sich gezwungen gesehen habe, einzugreifen. Und dann habe es vor den Türen seines Busses eben gekracht. Er sei hinaus gelaufen, weil er ein Mädchen schreien hörte. Da habe er gerade noch gesehen, wie Silvio R. Dennis B. zwei schnelle Schläge verpasste. „In ein paar Sekunden war das alles geklärt“, sagt er. Und: Dennis B. sei doch ein wenig selber schuld gewesen, er habe provoziert und sei dann auch noch zu dem Angeklagten hingegangen. Im Sinne der Konfliktvermeidung hätte er ja auch vorn aussteigen können, so der Busfahrer.

100 Arbeitsstunden innerhalb von drei Monaten

Das Verfahren gegen den Freund von Silvio R. ist bereits eingestellt worden – und so endet auch diese Verhandlung: mit einer Einstellung und 100 Arbeitsstunden, die der junge Mann innerhalb von drei Monaten ableisten muss. „Wir haben uns zu der Entscheidung durchgerungen, auch wenn es in diesem Fall nicht ganz leicht war“, sagt Richter Luippold zur Begründung. Der Hintergrund: Der Angeklagte hat mehrere Vorstrafen, unter anderem wegen Diebstahls und Schwarzfahrens, jedoch keine wegen Gewalttaten. Mehrfach hat er auch gegen Bewährungsauflagen verstoßen und saß deshalb im Jugendarrest. „Wenn wir das hier so machen, ist das ein Sonderangebot“, ermahnt der Richter Silvio R. daher. Das müsse nun funktionieren. Sollte er die Arbeitsstunden nicht im vereinbarten Zeitraum leisten, wird das Verfahren neu aufgerollt. Mit einem Freispruch ist dann nicht zu rechnen.