Waiblingen

Immer mehr Verkehrsunfälle im Rems-Murr-Kreis

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Einer von mehr als 11 000 Unfällen im Rems-Murr-Kreis. © Büttner / ZVW
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Unfallursachen © ZVW
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Unfaelle © ZVW

Waiblingen. Immer mehr Unfälle auf unseren Straßen. Bei den 11 095 Unfällen im Rems-Murr-Kreis im vergangenen Jahr sind 257 Personen schwer und weitere 1181 leicht verletzt worden. Fünf Verkehrstote im Jahr 2015 im Kreis sind ein historischer Tiefstand. Zunehmend als Risikogruppen im Verkehr sieht die Polizei Senioren und Radfahrer an. Deren Unfallzahlen sind stark gestiegen.

Fünf Verkehrstote im Landkreis Rems-Murr, Vorjahr: neun, sind ein absoluter Tiefstwert. Im Ostalbkreis schnellte die Zahl der bei Unfällen tödlich verunglückten Personen indes von 14 auf 23 hoch. Ottmar Kroll, leitender Kriminaldirektor der Verkehrsdirektion des Polizeipräsidiums Aalen, denkt bei den Todesfällen und den schweren Verletzungen bei Unfällen nicht nur an das Leid der Angehörigen, die oft von Notfallseelsorgern betreut werden müssen. Auch für die Polizeibeamten bedeutet der Umgang mit dem Tod eine schwere Belastung, weshalb ihnen das Polizeipräsidium Supervisionen anbiete.

Was sind die Hauptursachen für Verkehrsunfälle?

Geschwindigkeit (19 Prozent), Abstand (20 Prozent), Vorfahrt (18 Prozent) sind die Hauptursachen für schwere Unfälle. Fehler beim Abbiegen, Wenden und Rückwärtsfahren hat zwar mit 34 Prozent den höchsten Anteil, die Folgen der aus Unachtsamkeit verursachten Karambolagen sind jedoch meist gering. Bei Personenschäden steigt vor allem der Anteil der geschwindigkeitsbedingten Unfälle stark an (42 Prozent). Das wird beim Blick auf die beiden Autobahnen im Bereich des Polizeipräsidiums Aalen besonders deutlich. Dort ist bei den Unfällen mit Personenschaden eine zu hohe Geschwindigkeit (72 Prozent) in Verbindung mit zu geringem Abstand (72 Prozent) die häufigste Ursache.

Wie gefährlich ist Radfahren?

Sei es wegen des einladenden Wetters, seien es von ihrem schnellen Pedelec überforderte Radfahrer: Auf den Straßen in den Landkreisen Rems-Murr, Ostalb und Schwäbisch Hall sind im vergangenen Jahr mehr Radler denn je verunglückt. 573 (Vorjahr 527) Unfälle mit Radfahrern wurden registriert. 147 (136) Radler wurden schwer und 358 (317) leicht verletzt. Zwei (drei) Radfahrer verloren bei Unfällen ihr Leben, darunter einer im Rems-Murr-Kreis. Ottmar Kroll hat den Eindruck, dass eine Ursache für die vielen Unfälle der Pedelec-Boom sein könnte. Die elektrische Unterstützung locke viele Senioren aufs schnelle Rad, was für Ungeübte gefährlich werden kann.

Was unterscheidet die Risikogruppen Senioren und junge Autofahrer?

Senioren und junge Autofahren bauen die meisten Unfälle – gemessen an ihrem Anteil an der Bevölkerung. Deutlich gestiegen sind auch 2015 wieder die Verkehrsunfälle, an denen Senioren beteiligt waren, und zwar von 1782 auf 1917, darunter 980 (899) im Rems-Murr-Kreis. Hauptursachen für die Unfälle von Senioren sind Missachtung der Vorfahrt sowie Fehler beim Abbiegen, Wenden und Rückwärtsfahren. In Erinnerung bleibt ein schwerer Unfall am Pfingstsamstag 2015, bei dem zwei Menschen ums Leben kamen. Eine 86-jährige Falschfahrerin war in Lorch falsch auf die B 29 in Richtung Stuttgart aufgefahren und frontal mit dem Auto eines 22-Jährigen kollidiert. Beide konnten nur noch tot aus den Wracks geborgen werden.

Junge Autofahrer zwischen 18 und 24 stehen bei der Polizei als Risikogruppe besonders im Fokus. Bei ihnen verbinde sich höhere Risikobereitschaft mit mangelnder Erfahrung im Straßenverkehr, was zu einer überproportional hohen Beteiligung an Verkehrsunfällen führt. Aufgrund der demografischen Entwicklung stagnieren jedoch die Unfallzahlen mit jungen Leuten. Im Jahr 2015 gab es 2151 (2115) Unfälle, darunter 921 (889) im Rems-Murr-Kreis. 51,3 Prozent dieser Unfälle wurden übrigens von den jungen Autofahrern selbst verursacht. Die Zahl der Getöteten hat sich bei diesen Unfällen von elf auf 17 (11) erhöht, was vor allem auf die tödlichen Unglücke im Ostalbkreis zurückgeht (15), während im Rems-Murr-Kreis kein Todesfall zu beklagen war.

Wie viele Unfälle wurden von Betrunkenen verursacht?

Von den reinen Zahlen her betrachtet, zählen Alkohol und Drogen nicht zu den häufigsten Unfallursachen. Im Polizeipräsidium Aalen spielte bei 383 (Vorjahr 423) Unfällen der Alkohol eine Rolle und bei weiteren 20 (21) andere Drogen. Bei diesen Unfällen waren die betrunkenen Fahrer in aller Regel schuld. Zwei (2) Menschen wurden bei Alkoholunfällen getötet, 64 (60) schwer und 113 (146) Personen leicht verletzt.

Die Polizei führte auch im vergangenen Jahr regelmäßig Alkohol- und Drogenkontrollen durch und begründet diese, dass so die Gefahr, die von alkoholisierten Fahrern ausgeht, verringert werden könne. Bei den Kontrollen wurden 1116 (1313) Fahrer angezeigt, bei 503 (596) wurde der Führerschein gleich einkassiert.

Wie häufig machen sich Autofahrer nach dem Unfall aus dem Staub?

Die Chance, bei einer Unfallflucht nicht erwischt zu werden, liegt bei eins zu zwei. Die Aufklärungsquote bei Unfallflucht lag im vergangenen Jahr bei 34,2 Prozent. Werden bei den Unfällen Menschen jedoch verletzt, liegt die Quote deutlich höher und lag 2015 bei 52,4 Prozent.

Dass sich Autofahrer nach einer Karambolage aus dem Staub machen, ist übrigens gar nicht so selten. Im Rems-Murr-Kreis war dies laut Verkehrsstatistik bei insgesamt 11 000 Unfällen immerhin 2514-mal (Vorjahr: 2365) der Fall. Womit der Kreis im Polizeipräsidium der Spitzenreiter ist.


Waiblingen. Die Polizei hat im vergangenen Jahr die Kontrollen von Motorrädern auf rund 450 verdoppelt. Die Unfallzahlen sind um zehn Prozent gesunken, zudem sind weniger Biker im Krankenhaus gelandet. Kriminaldirektor Ottmar Kroll führt diesen kleinen Erfolg auf die erheblich verstärkten Kontrollen zurück. Unfallursache Nummer eins bei Motorrädern ist und bleibt mit einem Anteil von 78 Prozent überhöhte Geschwindigkeit.

Die Schwerpunkte der Kontrollen lagen auf den beliebten Motorradstrecken wie der Sulzbacher Steige (B 14) und im Lautertal, die Kurvenstrecken in den Schurwald, Schorndorf-Schlichten und Schnait-Manolzweiler, oder im Welzheimer Wald. Hintergrund der Kontrollen sind die hohen Unfallzahlen mit Zweirädern, bei denen die Beteiligten meist schwer verletzt oder getötet werden. Im vergangenen Jahr zählte die Polizei in den drei Landkreisen Rems-Murr, Ostalb und Schwäbisch Hall 418 (Vorjahr 449) Motorradunfälle, bei denen 14 (6) Personen getötet, 143 (141) schwer verletzt und 206 (256) leicht verletzt wurden. Bei den 180 (200) Unfällen im Rems-Murr-Kreis starben zwei (1) Motorradfahrer, 57 (51) wurden schwer verletzt und 94 (125) Biker erlitten leichte Verletzungen. „Leider erwies es sich einmal mehr, dass bei Motorradunfällen oft vom Zufall abhängt, ob ein Verkehrsteilnehmer schwer verletzt wird oder gar stirbt.“ Die von Motorradfahrern verursachten Unfälle gingen um rund 15 Prozent auf 189 zurück.

Bei den exakt 452 Kontrollen hat die Polizei eigenen Angaben zufolge 2763 (1732) Motorräder überprüft und dabei 859 (Vorjahr: 397) Verstöße beanstandet. Kontrolliert wurde sowohl mit Videofahrzeugen und Handlasermessgeräten wie auch mit Lichtschranken und Polizeimotorrädern.

Das Ärgernis Lärm

Ein besonderes Ärgernis ist der Krach, der von Motorrädern ausgeht. „Ursächlich dafür ist in vielen Fällen eine technische Veränderung der Abgasanlage“, heißt es in der Jahresstatistik des Polizeipräsidiums Aalen über die Sonderkontrollen Motorradlärm. Gezielt sei deshalb an den Motorradstrecken auch der Lärm gemessen worden. Die Polizeibeamten wurden 151-(51)-mal fündig und erstatteten Anzeigen. „Die Überprüfung der Lärmentwicklung und somit des technischen Zustandes bleibt ein Schwerpunkt bei Motorradkontrollen“, kündigt die Polizei an.

Unfallursache Nummer eins bei 180 Motorradunfällen ist die Raserei

Unfallursache Nummer eins bei den Motorradunfällen war im vergangenen Jahr überhöhte Geschwindigkeit mit einem Anteil von 78 Prozent. Dieser Wert liegt deutlich über dem Landesdurchschnitt (46 Prozent). Abstand (15 Prozent) und Überholen (zehn Prozent) folgen auf den Plätzen zwei und drei.

Im Landestrend

Mehr Autos, mehr Unfälle: Im vergangenen Jahr waren in den drei Landkreisen des Polizeipräsidiums Aalen rund 754 200 (2014: 738 100) Autos zugelassen. Der Trend bei den Unfallzahlen in den Kreisen Rems-Murr, Ostalb und Schwäbisch Hall entsprach weitgehend dem im Land, sagte Ottmar Kroll, leitender Kriminaldirektor der Verkehrsdirektion, bei der Vorstellung der Verkehrsstatistik in Aalen.

Schulwegunfälle: Im Rems-Murr-Kreis wurden drei, im Vorjahr ein) Schüler schwer verletzt; die Zahl der leicht verletzten Schüler erhöhte sich von 22 auf 29.

Verkehrsüberwachung: Bei Kontrollen des gewerblichen Güter- und Personenverkehrs wurden 8866 (10 591) Fahrzeuge kontrolliert, davon wurden 2571 (3205) beanstandet. 42 Lastwagen wurden sofort aus dem Verkehr gezogen.

Tempokontrollen: Im Bereich des PP Aalen wurden 65 121 (53 599) Verstöße festgestellt. Zu hohe Geschwindigkeiten sind nach wie vor die Unfallursache Nummer eins bei tödlichen Unfällen.

Handy am Steuer: Bei 226 (234) Schwerpunktkontrollen erwischte die Polizei 2148 (1880) Autofahrer/-innen mit einem Handy am Steuer.