Waiblingen

Impf-Aktionen in Waiblingen: Biontech-Angebot nicht ausgeschöpft

Impf-Aktion
Mobile Impfaktion mit Biontech in der Gemeindehalle Hohenacker. © Gabriel Habermann

Es ist nur wenige Wochen her, da waren viele Impfwillige der Verzweiflung nahe, weil sie keinen Termin bekamen. Und jetzt das: Bei einer Biontech-Sonderaktion des Rems-Murr-Kreises mit dem mobilen Impfteam des Robert-Bosch-Krankenhauses wurden von 165 Terminen nur rund die Hälfte gebucht. Statt zwei möglicher Impfstraßen genügte in der Gemeindehalle Hohenacker nur eine. Beginnt die Impfkampagne bereits zu erlahmen?

Unter den Leuten, die das kurzfristige Angebot nutzten, überwog jedenfalls klar die Freude. Die 80-jährige Margot Maier aus Hohenacker wäre zwar schon lange impfberechtigt gewesen, hatte wegen möglicher Nebenwirkungen aber gezögert. Jetzt entschied sie sich mit Unterstützung und Begleitung ihrer Tochter Sylvi Reinsch spontan für die Impfmöglichkeit vor Ort. Die Tochter ist sichtlich erleichtert. „Wir Angehörigen sind jetzt alle geimpft – bis auf die Kinder.“

Über die Zeitung von der Aktion erfahren

Schon seit Wochen hatte sich Ewa Atisso bei Ärzten und im Kreisimpfzentrum um einen Termin bemüht. Bislang erfolglos – bis sie in der Zeitung die Ankündigung der „mobilen“ Biontech-Impfaktion für alle Waiblingerinnen und Waiblinger entdeckte. Schnell sicherte sie sich den ersehnten Piks – und bekam ihn am Montag.

Im Frühjahr hatte es bereits ein mobiles Impfangebot in Hohenacker gegeben, damals noch exklusiv für Senioren. Inzwischen wurde die Priorisierung aufgegeben. Obwohl die Impfaktion als „vorrangig für über 50-Jährige“ beworben wurde, gab es keine altersmäßigen Einschränkungen über die sonst üblichen hinaus. Tatsächlich führte das dazu, dass nach Beobachtung von Kreisimpfzentrumschef Gerd Holzwarth ein „bunt gemischtes“ Publikum zur Impfung kam, quer durch verschiedene Bevölkerungsgruppen, jung und alt.

Nahende Ferien als Erklärung?

Zusätzlich zum Kontingent des Kreisimpfzentrums hat der Rems-Murr-Kreis 1500 Biontech-Dosen erhalten, die „mobil“ durch das Team vom Robert-Bosch-Krankenhaus Stuttgart verimpft wurden. Die Aktion läuft nun in der zweiten Woche und wird in Schorndorf, Backnang, Murrhardt und Kernen fortgesetzt. „Die Termine werden derzeit fleißig gebucht“, sagt Gerd Holzwarth, den nichtsdestotrotz die Frage nach Gründen für die schwächer werdende Nachfrage umtreibt.

Was könnten mögliche Ursachen sein? Ein Erklärungsansatz könnten die nahenden Ferien sein, vermuten die Akteure vor Ort. Die Termine für die Zweitimpfungen liegen bereits in der Ferienzeit, und manche haben schlicht keine Zeit. In kritischen Bereichen wie Pflegeheimen oder Asylbewerberunterkünften, wo Menschen auf engem Raum beieinanderwohnen, sind die Impfaktionen abgeschlossen. Vorige Woche wurden erneut rund 70 Schüler des Waiblinger Berufsschulzentrums geimpft.

Freudentränen nach der Impfung

Die überwiegende Mehrheit der über 60-Jährigen ist geimpft, doch auf die gesamte impfberechtigte Bevölkerung im Kreis betrachtet, hat erst knapp die Hälfte eine Erstimpfung. Dass sich 70 oder 80 Prozent impfen lassen wollen, sei nur eine Hoffnung, eine Theorie, meint Gerd Holzwarth nachdenklich. Wissen könne es niemand. Ob die Impfbereitschaft angesichts der niedrigen Inzidenzen nachlässt? Das müsste mit Blick auf eine mögliche Delta-Welle und spätestens den Herbst nachdenklich stimmen.

Ein Erlahmen der Impfkampagne sieht der Waiblinger Apotheker Patrick Pfeifer von der Central Apotheke derzeit nicht. Für den ersten Waiblinger Impf-Marathon mit Johnson & Johnson am 19. Juni in Neustadt waren die fast 600 Termine innerhalb weniger Stunden ausgebucht. Für die Neuauflage am 25. Juni lief die Anmeldung zögerlicher, aber das Fazit des Organisators fällt dennoch positiv aus: „Wir haben 580 Menschen glücklich gemacht.“ 900 Termine wären dank der Stadt, Stihl, der Waiblinger Ärzte und der Malteser möglich gewesen. Zwischenfälle gab’s keine, dafür Freudentränen und auf Wunsch den digitalen Impfpass. Die Zurückhaltung am Biontech-Termin könnte am Zweittermin in der Urlaubszeit liegen, vermutet auch er.

Es ist nur wenige Wochen her, da waren viele Impfwillige der Verzweiflung nahe, weil sie keinen Termin bekamen. Und jetzt das: Bei einer Biontech-Sonderaktion des Rems-Murr-Kreises mit dem mobilen Impfteam des Robert-Bosch-Krankenhauses wurden von 165 Terminen nur rund die Hälfte gebucht. Statt zwei möglicher Impfstraßen genügte in der Gemeindehalle Hohenacker nur eine. Beginnt die Impfkampagne bereits zu erlahmen?

Unter den Leuten, die das kurzfristige Angebot nutzten, überwog

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper