Waiblingen

Impfung für Jugendliche: Schüler ab 16 lassen sich an Waiblinger Berufsschulen impfen

Impftruck
Im Impftruck vor dem Berufschulzentrum konnten sich Schüler impfen lassen. Mindestalter: 16 Jahre. © ALEXANDRA PALMIZI

Vor dem Waiblinger Berufsschulzentrum im Ameisenbühl steht der große weiße Impftruck. Alle paar Minuten verschwindet ein Schüler darin, kommt kurz danach schon wieder raus – und hat seine Erstimpfung mit dem Impfstoff von Biontech erhalten.

Eine 17-Jährige hat den Piks schon hinter sich, sie zeigt stolz das kleine Pflaster auf ihrem Oberarm. „Es hat ein bisschen wehgetan, aber ich war tapfer“, sagt sie und lacht. Sie sei nämlich eigentlich kein großer Fan von Nadeln. Ihre Klassenkameradin hatte vor der Spritze im Vorfeld sogar noch etwas mehr Respekt – wollte sich aber trotzdem impfen lassen. So schlimm wie erwartet, war es jetzt aber gar nicht: „Ich bin nicht ohnmächtig geworden“, freut sie sich.

Alle drei Schulen des Zentrums – also die Kaufmännische Schule, die Gewerbliche Schule und die Maria-Merian-Schule – machen bei der Aktion mit. Diese wird vom Rems-Murr-Kreis und dem Kreisimpfzentrum koordiniert und stellt eine direkte Fortsetzung der Impftruck-Kampagne dar. Die Aktion wurde durch einen Mann gestört, der die Anwesenden wüst beschimpfte und versuchte, Schüler von der Impfung abzubringen.

Es ist der nächste Schritt in der Impftruck-Kampagne

500 Dosen von Biontech hat der Rems-Murr-Kreis zusätzlich erhalten, um Schülern der Vorbereitungsklassen der drei Berufsschulzentren in Waiblingen, Schorndorf und Backnang ein Impfangebot zu machen. Ursprünglich hat der Kreis den Truck angeschafft, um älteren Menschen im ländlichen Raum ein Impfangebot machen zu können, das nicht mit einer langen Anfahrt zum Impfzentrum verbunden ist.

„Dieses Projekt ist jetzt abgeschlossen“, informiert Juliane Jastram von der Pressestelle des Landratsamtes. Deshalb habe der Kreis nach Möglichkeiten gesucht, die Kampagne fortzuführen. Dafür habe das Landratsamt mehrere Vorschläge beim Sozialministerium eingereicht – darunter der, mit dem Impftruck zu den schulischen Bildungszentren zu fahren und dort den Schülern der Vorbereitungsklassen die Möglichkeit zu geben, sich impfen zu lassen.

Die Idee dahinter: Die Anzahl der Schüler mit Migrationshintergrund ist in dieser Bildungsform wohl insgesamt höher als in anderen Schularten. „Ziel war nach Vorgabe des Sozialministeriums, gerade Schülerinnen und Schüler aus sozioökonomisch schwierigen Verhältnissen und mit Migrationshintergrund zu erreichen“, so das Landratsamt.

Aufklärung in vielen verschiedenen Sprachen

Es gibt hier auch Klassen für Schüler, die gerade erst Deutsch lernen. Sprachbarrieren machen es besonders schwierig, sich mit einem Thema wie der Corona-Impfung auseinanderzusetzen oder sich gar für die Impfung anzumelden, weiß Ingrid Klumpp, Schulleiterin der Maria-Merian-Schule aus Erfahrung. Als klar wurde, dass der Impftruck zur Schule kommen würde, haben die Lehrer an den drei Schulen deshalb ganze Arbeit geleistet, was die Aufklärung über das Impfen betrifft: Infomaterial in vielen verschiedenen Sprachen sei benutzt worden.

Dieses sind die Lehrer mit den Schülern durchgegangen, haben viele Fragen beantwortet, Infos für die Eltern mit nach Hause gegeben. Denn die rechtliche Situation ist nicht ganz einfach: So dürfen sich Kinder und Jugendliche theoretisch auch gegen den Willen ihrer Eltern impfen lassen, wenn sie „einsichts-“ bzw. „einwilligungsfähig“ sind, wie verschiedene Medien etwa unter Berufung auf den Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte berichten. Sie müssen verstehen, worum es bei der Impfung geht und das auch den Ärzten erklären können. Ein fixes Alter wie etwa 16 Jahre gibt es dafür nicht: Manche sind früher einwilligungsfähig, andere später.

Impfung erst ab 16 und mit Einwilligung der Eltern

Dennoch wollten die drei Waiblinger Schulen, dass die Jugendlichen mindestens 16 Jahre sind und zudem ein Einwilligungsschreiben der Eltern vorlegen. „Wir haben großen Wert darauf gelegt, mit den Eltern auch im Gespräch zu sein“, so Ingrid Klumpp. Das sei die einzig „pädagogisch richtige“ Lösung und es habe insgesamt auch gut funktioniert. Den Eltern sei sogar angeboten worden, beim Impftermin dabei zu sein, ergänzt die Schulleiterin der Kaufmännischen Schule, Ingrid Bürk.

Insgesamt etwa 40 Prozent der Schüler, die ein Impfangebot bekommen haben, hätten dieses auch genutzt, so die drei Schulleiter. Alles sei natürlich rein freiwillig, die Schule übe in dieser Hinsicht keinen Druck auf die Schüler aus. Vor der Impfung werden die Schüler in der Turnhalle noch einmal vom Impfteam ausführlich über die Impfung aufgeklärt, es gibt auch die Möglichkeit für ein Nachgespräch.

Die übrig gebliebenen Dosen sind für Schüler aus anderen Klassen freigegeben worden, allerdings auch nur an Jugendliche, die mindestens 16 Jahre alt sind. Das Interesse an diesen Restplätzen sei sehr hoch gewesen, berichtet Hans-Jürgen Bucher, Schulleiter der Gewerblichen Schule. „Gerade erst hat mich wieder ein Schüler angesprochen, wieso er sich noch nicht impfen lassen kann.“

Jugendliche trifft die Pandemie mit am härtesten

Doch wieso überhaupt Schüler impfen? Landrat Richard Sigel, der bei der Impfaktion auch kurzfristig vor Ort ist, weiß dafür gleich mehrere Gründe: Zum einen soll möglich gemacht werden, dass der Unterricht nach den Sommerferien wieder „so normal wie möglich“ stattfinden kann. Gleichzeitig seien die Jugendlichen und jungen Erwachsenen in der Pandemie auch mit die Altersgruppe, die Lockdown und Co. am härtesten treffen – und die trotzdem gerne vergessen wird, findet der Landrat: „Wir wollen überhaupt auch auf die Schulen aufmerksam machen.“

Seine Erfahrung hätte ihm gezeigt: „Man darf sich nicht täuschen, wie sehr das Thema die jungen Menschen beschäftigt.“ Und nirgends hat der Kreis so einen leichten Zugang zu den Jugendlichen wie an einem Schulzentrum – deshalb auch der Impftruck. Der Weg soll so kurz wie möglich sein, die Hemmschwelle möglichst niedrig.

Dass viele Eltern eine indirekte Impfpflicht fürchten, weil nicht geimpfte Kinder irgendwann vielleicht nicht mehr am Präsenzunterricht teilnehmen dürfen, halten der Landrat und die drei Schulleiter für eine unbegründete Sorge. „Das glaube ich nicht, dass das daran festgemacht wird“, sagt Schulleiter Hans-Jürgen Bucher.

Doch alles das ist ohnehin noch Zukunftsmusik. Deutlich näher in Sicht sind aber die Sommerferien – bevor die beginnen, sollen die heutigen Impflinge auch die zweite Biontech-Dosis noch erhalten: Der Impftruck kehrt in sechs Wochen noch einmal zum Berufschulzentrum zurück. „Die Jugendlichen sollen ins Freibad oder in den Urlaub gehen und sich mit Freunden treffen können, ohne sich um Schnelltests Gedanken machen zu müssen“, hofft Birgit Bürk.

Vor dem Waiblinger Berufsschulzentrum im Ameisenbühl steht der große weiße Impftruck. Alle paar Minuten verschwindet ein Schüler darin, kommt kurz danach schon wieder raus – und hat seine Erstimpfung mit dem Impfstoff von Biontech erhalten.

Eine 17-Jährige hat den Piks schon hinter sich, sie zeigt stolz das kleine Pflaster auf ihrem Oberarm. „Es hat ein bisschen wehgetan, aber ich war tapfer“, sagt sie und lacht. Sie sei nämlich eigentlich kein großer Fan von Nadeln. Ihre

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