Waiblingen

In den Schlingen des Überflusses

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Täuschungen, Illusionen und Manipulationen: Jaro Benoni stellt im Kulturhaus Schwanen in Waiblngen ihre Werke aus. © Büttner / ZVW

Waiblingen. Dem Augenschein ist nicht zu trauen. Das jedenfalls ist die Erfahrung und das große Thema der in der Tschechoslowakei geborenen Künstlerin Jaro Benoni, die in ihren Arbeiten nach unseren Täuschungen, Illusionen und den Manipulationen, denen wir unterliegen, fragt. Im Kulturhaus Schwanen zeigt sie nun einige Werkgruppen, die von einer gestischen Malerei bis zu multimedialen Videoinstallationen reichen.

Video: Im Kulturhaus Schwanen stellt die Künstlerin Jaro Benoni ihre Malerei mit bewegenden Bilder aus.

Auch wenn die meisten ihrer Bilder nicht gegenständlich sind; für Jaro Benoni sind sie dennoch mit sehr konkreten Anliegen und Aussagen verbunden. „Plötzlich da“ nennt sie ein Acryl-Gemälde auf Leinwand, in dem auf einem faltigen Malgrund, ausgebreitet wie eine Ödnis des Alltags, an einigen Stellen farbige Aufträge hervorblitzen, wie Bruchstücke eines bunten Regenbogens. Farben der Hoffnung, die „plötzlich da“ sind. Und Mut machen sollen. „Wie Momente der Freude, Farbaugenblicke“, sagt Benoni: „Ein Mensch lächelt Sie an.“

In Benonis Arbeiten gestischer Malerei, die „aus einem raschen Impuls“ entstanden sind, überwiegen grob aufgetragene Pinselstriche auf offenem Grund, die sich wie Wirbel im Bildraum zu bewegen scheinen und oft eigenwillige Verknotungen eingehen. „Strömungen“ nennt sie diese Bilder, oder „Verflochten“, „Fließend“. Tänzerisch-elegante Energieströme. Aber vielleicht auch nur scheinbar.

Ein ungegenständliches Bild als Konsumkritik

Denn auf „Überfluss-Zwang“ strömt durch eine solche Verknotung ein reißend lockender Farbstrom. „Dabei geht es um den Überfluss in der Gesellschaft“, erklärt Benoni. „Die Schlingen, das sind die Geschäftemacher. Sie sind schön und machen uns das Bunte schmackhaft, das sich dann aber in Abfall verwandelt. Die Schlinge zieht sich zu.“ Ein ungegenständliches Bild als Konsumkritik.

Zurzeit arbeitet die Künstlerin an einer Werkgruppe, in der sie Malerei und Video miteinander verbindet. Eine Idee, die sie seit ihrem Studium an der Stuttgarter Kunstakademie umtreibt: Die zweidimensionale Malerei mit einem bewegten Bild zusammenzubringen.“ Zwei dieser Arbeiten sind nun in Waiblingen zu sehen. „Free-Dance“ das eine, in dem hinter einem gemalten, schwarzen Vogelkäfig ein Videoschirm installiert ist, auf dem eine sich drehende Tänzerin zu sehen ist. „Der Mensch gibt seine Freiheit nicht auf“, erklärt Benoni ihr Anliegen. „Es gibt die Hoffnung auf Freiheit, den Ausdruck eines Selbstwerts durch Tanz, trotz Käfig.“

Vielleicht lässt sich besonders an dieser Arbeit von Jara Benoni auch ein Nachklang ihrer Herkunft ablesen. Sie wurde 1950 in Pilsen geboren und kam 1970 mit ihren Eltern nach Deutschland. Die hatten sich während des Prager Frühlings politisch exponiert und verließen nach der Niederschlagung der Prager Demokratiebewegung durch russische Panzer ihre Heimat.

„Trotzdem“ heißt die andere im Schwanen zu sehende Videoarbeit. Gemalt sind ein Vorhang und ein Tropf. Intensivstation. Auf dem eingeschlossenen Video schminkt sich eine Frau im Profil vor einem kleinen Handspiegel. Wenn sie sich dreht, erkennt man, dass die Hälfte ihres Gesichts verbunden ist. „Es gibt zwei Wahrheiten zu entdecken“, sagt Benoni: „Das Bild ändert seine Bedeutung.“

Öffnungszeiten

Jaro Benoni studierte Kunsterziehung an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart. Sie unterrichtete danach als Gymnasiallehrerin das Fach Kunst und anschließend war sie 20 Jahre als Leiterin der Kunstschule in Winnenden tätig, an der sie weiterhin Mappenkurse unterrichtet. Sie ist Mitglied im VBKW und der Künstlergruppe Kunstsalon Winnenden.

Die Ausstellung ist noch bis Freitag, 4. November, zu den Öffnungszeiten des Kulturhauses Schwanen zu sehen (Montag bis Freitag, 9 bis 16 Uhr).