Waiblingen

In Waiblingen fehlen Kita-Plätze

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Symbolbild. © ZVW/Sarah Utz

Waiblingen. Der Kindersegen der vergangenen Jahre sorgt in der ganzen Stadt für volle Kitas – und der Neubau neuer Einrichtungen für die Kinderbetreuung lahmt der Entwicklung hinterher. Alle Plätze sind belegt, während 55 Familien auf eine Wunsch-Kita warten und es für 18 Familien bisher noch keine Lösung gibt.

Der Bauboom nimmt kein Ende, besonders in den Blütenäckern und im Rötepark sind Hunderte neuer Wohnungen entstanden. Das hat Konsequenzen: „Der Bau einer Kindertageseinrichtung in Waiblingen-Süd duldet keinen Aufschub“, lautet die klare Ansage der Ersten Bürgermeisterin Christiane Dürr. Das zeigt sich aktuell in der Kindergartenbedarfsplanung der Stadt, die unter anderem den Bau eines neuen, viergruppigen Hauses auf dem Krankenhaus-Areal und die Aufnahme einer Einrichtung für 40 Kinder in der Waldmühle vorsieht. Für beide Projekte ist noch kein einziger Spatenstich getan. Ebenso wenig für die erwähnte viergruppige Kindertagesstätte in Waiblingen-Süd, die schon 2016 Teil der Bedarfsplanung war. Für die nächsten zwei oder drei Jahre droht ein Engpass, der selbst mit der bald viergruppigen Container-Kita beim Salier-Schulzentrum kaum zu bewältigen zu sein scheint.

Die geburtenstarken Jahrgänge 2015, 2016 und 2017 drängen bald in die Kindergärten. Zum Vergleich: 2016 durften sich Waiblinger Familien über 572 Geburten freuen, 2011 waren es nur 438. Die Geburtenrate ist das eine, noch stärker schlagen die Zuzüge in die vielen Neubaugebiete durch. Waiblingen wächst, junge Familien lassen sich nieder und ALi-Stadträtin Dagmar Metzger bringt es auf den Punkt: „Logisch, dass die Leute abends nicht nur fernsehen.“ Will heißen: Der Anstieg der Kinderzahlen kommt nicht überraschend.

Steuererhöhungen? „Das soll der nächste Gemeinderat machen“

Dass nicht jedes Kind den Platz in der Wunsch-Kita seiner Eltern bekommen kann, ist kein neues Phänomen. Nun aber reichen die Plätze in der Summe fürs ganze Stadtgebiet nicht. „Wir können daher nicht mehr so an andere Einrichtungen verweisen wie früher“, sagt Erika Schwiertz, Fachbereichsleiterin für Bildung und Erziehung. Vergleichsweise gut steht Waiblingen bei der Versorgung mit Kleinkind-Betreuungsplätzen da. Rund 60 Prozent der Kinder zwischen einem und drei Jahren haben einen Platz. Der Bund sieht nur eine Deckung von 34 Prozent vor. Das Problem besteht im Kindergarten-Bereich.

Kritik bekam die Verwaltung zu hören, weil sie nicht von sich aus sämtliche Zahlen vorlegte und die anderen „verwirrend“ präsentiert habe. Wiederum Dagmar Metzger bemängelte, dass die Schaffung wohnortnaher Plätze nicht mehr die Priorität genieße wie früher. Wohnortnähe sei immer noch wichtig, hält Christiane Dürr entgegen, zunehmend spielten jedoch andere Faktoren eine Rolle: Eltern legen Wert auf ein bestimmtes pädagogisches Profil, auf lange Öffnungszeiten oder auf Nähe zum Arbeitsort. „Auch das gehört zur Wahlfreiheit der Eltern.“ Mit den Eltern der 18 Kinder, die noch keine Plätze haben, führt die Stadt Verhandlungen mit dem Ziel, eventuell mit Hilfe von Tagesmüttern eine gewisse Zeit zu überbrücken. Noch hat keine Familie ihren Rechtsanspruch juristisch eingeklagt, doch mindestens bis 2020 steigen die Kinderzahlen an. Verschärft wird die Situation außerdem, weil immer öfter Ganztagsplätze statt der alten Regelöffnungszeiten nachgefragt werden.

Weitere millionenschwere Investitionen kommen auf die Stadt zu. „Das können wir unmöglich über die Gebühren erwirtschaften“, mahnte Peter Beck (SPD) und spielte damit auf die Möglichkeit von Steuererhöhungen an. Lapidare Antwort von Dr. Hans-Ingo von Pollern (CDU): „Das soll der nächste Gemeinderat machen.“ Die Kommunalwahl findet am 25. Mai 2019 statt. Nächste Woche diskutiert der Gemeinderat eine mit Elternvertretern vorbesprochene Gebührenerhöhung.

Was konkret in den Kitas geplant ist

Das Raumangebot im Kinderhaus Mitte, der größten Kita der Stadt, entspricht nicht mehr den Bestimmungen des Kommunalverbands für Jugend und Soziales. Durch die Aufstockung des Gebäudes um eine Etage kann die Zahl der Plätze gehalten – nicht erhöht – werden. Während der zweieinhalbjährigen Sanierungsphase bekommen die Kinder Unterschlupf in der Comeniusschule - gemeinsam mit der Musikschule und einer Außengruppe des katholischen Kindergartens Sankt Theresia.

Auf dem Krankenhaus-Areal will die Stadt im Wohngebiet, das dort entsteht, eine viergruppige Kita bauen.

Der geplante Naturkindergarten Waldmühle bietet 40 Ganztagesplätze für Kinder ab drei Jahren. Träger ist die Firma Concept-e.

Der Container-Kindergarten beim Salier-Schulzentrum wird in Kürze eine vierte Gruppe aufmachen. Ursprünglich waren die Container für den Schulbetrieb während der Sanierung des Salier-Gymnasiums aufgestellt worden.

Der alte Kindergarten Krautgässle wird derzeit abgerissen. Hier baut Stihl eine Betriebskita mit einer städtischen Gruppe.

In Hegnach erweitert der katholische Kindergarten Sankt Christophorus um eine Gruppe.

In Bittenfeld wird bis zur Erweiterung der Kita Berg-Bürg voraussichtlich eine Interimsgruppe in der Schillerschule eingerichtet.

In Neustadt baut der Waldorf-Kindergarten für eine altersgemischte Gruppe an. Baubeginn im Herbst.

Für Waiblingen-Süd ist eine viergruppige Kita vorgesehen. Eigentlich sollte sie zum neuen Kindergartenjahr in Betrieb gehen - es gibt aber noch nicht einmal einen Bau-Entwurf.

Tageseltern freuen sich über einen erhöhten Zuschuss. Sie bekommen künftig einen Euro pro Betreuungsstunde und Kind mehr. Damit zieht Waiblingen mit Weinstadt und Korb gleich. Die höhere Bezuschussung der Nachbarkommunen hatte dazu geführt, dass Waiblinger Tageseltern sehr gerne Kinder aus Weinstadt und Korb aufnahmen.