Waiblingen

Informatik soll Hauptfach werden

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Schülerinnen und Schüler aus der fünften Klasse lernen im Computerraum Medienkunde. © Ralph Steinemann Pressefoto

Waiblingen. Kein Zweifel: Die Digitalisierung wird den Alltag in Zukunft noch mehr beherrschen als heute schon. In unterschiedlichem Tempo versuchen Schulen, der Entwicklung Rechnung zu tragen. So planen drei Gymnasien im Rems-Murr-Kreis, vom kommenden Schuljahr an ein Informatik-Profil einzurichten. 

Bekommt das Staufer-Gymnasium die erwartete Genehmigung vom Regierungspräsidium, kann es von Klassenstufe acht an Informatik als Hauptfach anbieten. Genauer: „IMP“ – also Informatik, Mathematik und Physik. Einen Sonderweg geht das Staufer-Gymnasium damit dennoch nicht, auch das Georg-Büchner-Gymnasium in Winnenden und das Gustav-Stresemann-Gymnasium in Fellbach springen auf den Digitalisierungs-Zug auf.

Georg-Büchner-Gymnasium Winnenden

Das Georg-Büchner-Gymnasium in Winnenden möchte für die achte Klasse ab nächstem Schuljahr ein neues Profil zur Wahl anbieten: Vier Stunden pro Woche hätten die Schüler dann Informatik, Mathematik und Physik (IMP). „Wir haben genug Lehrer für die Fächer, unter anderem ist bei uns seit bestimmt sechs Jahren die erste fürs Lehramt in Informatik Ausgebildete“, sagt Schulleiterin Ilse Bulling über die einzige Bedingung, die das Land stellt. Das kleinere der beiden Winnender Gymnasien hat sich früh der Digitalisierung verschrieben und seine EDV-Ausstattung entsprechend mit Hilfe des Schulbudgets zukunftsfit gemacht, so dass das GBG zu den zehn Schulen im Land gehört, die das Zertifikat „Digitale Schule“ erhalten haben. Die Schulleitung rechnet mit keinen Zusatzkosten für Ausstattung oder höheren Raumbedarf. Alles schon da.

Für die Siebener ist das neue Profil nun besonders interessant, weil sie dieses Schuljahr im landesweit neu eingerichteten Fach Informatik unterrichtet wurden. „Hier lernen sie Codierung und Programmieren, wie funktioniert ein Barcode und der Datenschutz bei der Verwendung von Clouds“, skizziert der stellvertretende Schulleiter Pascal Märkl kurz den Inhalt. „Wir haben das Interesse bei unseren Siebenern abgefragt, und die zwölf mindestens erforderlichen Schüler würden zusammenkommen“, sagt Ilse Bulling auf Nachfrage unserer Zeitung. „Außerdem sind wir jederzeit bereit, mit dem Lessing-Gymnasium zu kooperieren.“ Das heißt, dass dessen interessierte Schüler ebenfalls das Profil wählen und am GBG besuchen könnten.

In Klasse 5 geht’s mit „Medienkunde“ los

Die fünften Klassen erhalten am GBG seit längerem eigenständigen Unterricht in „Medienbildung“. Lehrerin Jessica Liß geht mit ihnen zum Beispiel den Nutzen und die Gefahren der Digitalisierung, des Internets und speziell der Smartphone-Applikation Whatsapp durch und bringt ihnen den Umgang mit allen gängigen Computerprogrammen bei, die die Kinder auch für Schularbeiten und -präsentationen anwenden sollen.

Das Lehrerkollegium des Georg-Büchner-Gymnasiums jedenfalls hat sich für das neue Profil ausgesprochen, am Dienstagabend befürwortete auch der Gemeinderat einhellig den Antrag. Zuspruch kam auch vom Gesamtelternbeirat und von den Schulträgern. „Wir sind gespannt, ob wir den Zuschlag kriegen. Ende April, Anfang Mai sollten wir darüber informiert werden“, so Ilse Bulling.

Staufer-Gymnasium Waiblingen

Derzeit hat das Staufer-Gymnasium noch ein naturwissenschaftliches Profil mit dem Fach NWT (Naturwissenschaft und Technik), außerdem ein sprachliches Profil und eines mit Bildender Kunst im Angebot. Kein geisteswissenschaftliches Fach soll zugunsten der Informatik beschnitten werden. Diesbezüglich nimmt Rektor Volker Losch Skeptikern Wind aus den Segeln: „Wir ersetzen ein naturwissenschaftliches Profil durch ein anderes.“

Fächer übergreifend

Besonders reizvoll scheint dem Rektor der Brückenschlag vom Digitalen in andere Fächer – und zu den ethischen Fragen. Beispiel Facebook: Wer den Algorithmus verstehe, kann das soziale Netzwerk, seine Chancen und Risiken besser beurteilen. Derweil bereichern digitale Medien zunehmend den Unterricht in Fächern, in denen vermeintlich nur analog gearbeitet wird: In Geografie versetzen sich Schüler mit Virtual-Reality-Brille dreidimensional an den Kraterrand bei einem Vulkanausbruch, ihre Recherchen über Kriegsgräber dokumentieren Jugendliche als Film, und die besonders Kreativen loten die Möglichkeiten der Medienkunst aus. Die künftigen Absolventen hätten mit fundierten Informatik-Kenntnissen eine gute Ausgangsbasis für ihren weiteren Bildungsweg, glaubt der stellvertretende Schulleiter Frank Schmidt.

Hauptkriterium für die Genehmigung des Informatik-Profils ist die Lehrerversorgung. Das Staufer-Gymnasium erfüllt die Voraussetzungen „locker“ mit vier Fachkräften, die sofort Informatik als Hauptfach unterrichten könnten. Weitere Interessenten sind schon zur Stelle.


Das Förderprojekt des Landes

Mit seiner geplanten Digitalisierungsstrategie hat sich die Stadt Waiblingen auch für einen mit 40 000 Euro dotierten Förderpreis beworben.

Schwerpunkt der Digitalisierungsstrategie ist im ersten Schritt die Kernkompetenz der Stadtverwaltung, heißt es in der Bewerbung der Stadt. In die weitere Strategie sollen Mobilität, digitale Start-ups, Wirtschaft 4.0, Bildung und Weiterbildung sowie digitale Gesundheitsanwendungen aufgenommen werden. Zwei Projekte, darunter die Online-Anmeldung für Kindertagesstätten, sollen konkret angegangen werden. Ein wesentlicher Aspekt ist auch die Kooperation mit den drei anderen Großen Kreisstädten. Die Preisverleihung findet am 3. Mai statt.