Waiblingen

Ist die E-Bike-Station Steuerverschwendung?

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Gemeinsam mit Verkehrsminister Winfried Hermann (zweiter von links) und Regionalpräsident Thomas Bopp (zweiter von rechts) hat Oberbürgermeister Andreas Hesky (links) die E-Bike-Station in Waiblingen im Frühjahr 2015 offiziell in Betrieb genommen. © Bernhardt/ZVW (Archiv)

Waiblingen. Teure Annehmlichkeiten sind nach Ansicht des Bundes der Steuerzahler die von der Region geförderten Pedelecstationen – darunter auch die Station am Waiblinger Bahnhof. Die Nachfrage nach Leihpedelecs sei gering, die Ausleihzahlen seien enttäuschend, heißt es im neuen Schwarzbuch zu Steuerverschwendungen.

Ein großer Tag war es für Oberbürgermeister Andreas Hesky vor dreieinhalb Jahren, als am Bahnhof feierlich die E-Bike-Station eingeweiht wurde. Ab sofort konnten dort zehn Pedelecs ausgeliehen und zehn private E-Bikes geparkt und aufgeladen werden. Ideal für Pendler, die mit dem E-Bike zur S-Bahn fahren, aber auch für Ausflügler sollte es sein. Zudem sollte die vernetzte Elektrozweirad-Mobilität in der Region Stuttgart mit der E-Bike-Station in Waiblingen vorangebracht werden. Dass Waiblingen damit Modellkommune war, hatte den Oberbürgermeister besonders gefreut.

Inzwischen hat es sich gezeigt: So richtig toll finden die Menschen die 13 Pedelec-Stationen nicht, deren Bau aus dem Programm „Modellregion für nachhaltige Mobilität“ vom Verband Region Stuttgart gefördert worden war. Nach Rechnung des Bundes der Steuerzahler jedenfalls stehen Kosten und Ausleihzahlen in einem ganz schlechten Verhältnis. So hatten die Gesamtkosten für die Planung, die Baukosten sowie die Ausstattung laut Steuerzahlerbund zum Beispiel in Remseck 217 000 Euro gekostet, wovon der Verband Region Stuttgart 47 000 Euro übernommen hatte. In anderen Kommunen lagen die Gesamtkosten zum Teil deutlich niedriger. In Waiblingen kostete die E-Bike-Station 180 000 Euro – 41 000 Euro davon kamen von der Region. Mit 1,9 Millionen Euro schlugen die Stationen insgesamt zu Buche. Dazu kamen die jährlichen Betriebskosten, die von den Kommunen getragen werden. In Waiblingen lagen diese bei durchschnittlich 21 000 Euro im Jahr.

Kurzer Ausleihboom

Hohe Kosten, denen stetig zurückgehende Ausleihzahlen gegenüberstehen. In Bietigheim-Bissingen war man 2014 noch mit 920 Ausleihen gestartet, bis 2017 schrumpfte die Nachfrage auf gerade mal 330 Ausleihen im Jahr. Damit bezuschusste Bietigheim-Bissingen 2017 nach Rechnung des Steuerzahlerbundes jedes ausgeliehene Pedelec mit fast 40 Euro. In Filderstadt wurden im Jahr 2016 490 Ausleihen registriert, ein Jahr später waren es noch 321 Ausleihen. Etwas besser sieht es in Waiblingen aus, aber auch da war der Ausleihboom von kurzer Dauer: Nachdem 2016 noch 641 Pedelecs ausgeliehen wurden, waren es 2017 nur noch 544. Das sind nicht einmal durchschnittlich zwei Ausleihen am Tag in einer Stadt mit mehr als 50 000 Einwohnern. Auf nur noch 184 Ausleihen brachte es im Jahr 2017 die Stadt Göppingen, nachdem dort schon 2016 nur 217 mal ein Pedelec ausgeliehen worden war. Dort wurde 2017 jede Ausleihe mit rund 70 Euro subventioniert.

Hesky: Erst das Angebot schafft die Nachfrage

Ein Erfolgsmodell sieht anders aus, schlussfolgert der Bund der Steuerzahler – was Oberbürgermeister Andreas Hesky so allerdings – noch – nicht stehen lassen will. „Die Inanspruchnahme ist nicht, wie man es sich versprochen hat“, räumt er zwar ein, führt das mangelnde Interesse aber auf technische Anfangsschwierigkeiten und die verschiedenen technischen Systeme in Stuttgart und dem Umland zurück. Mittlerweile seien die Systeme vereinheitlich, die Hürden bei der Ausleihe abgeschafft. Neuer Betreiber der Pedelec-Stationen ist die Deutsche Bahn. Aus diesem Grund ist die Station in Waiblingen gerade leer: Die E-Bikes werden ausgetauscht. „Es ist bedauerlich, dass die Ausleihstationen auf dieser Liste auftauchen“, findet der Stadtchef. Anlaufschwierigkeiten gebe es bei jeder innovativen Technik. Wichtig sei es aber gewesen, das E-Bike in der Region salonfähig zu machen. Auch beim Car-Sharing gebe es noch nicht den gewünschten Durchbruch, erinnert Hesky. „Trotzdem muss man Geld in die Hand nehmen. Das Angebot schafft die Nachfrage.“

Aussagen über Sinn und Unsinn der Pedelec-Stationen sind seiner Ansicht nach noch viel zu früh. Sollten die Ausleihzahlen aber weiterhin unter den Erwartungen bleiben, müsse man über eine alternative Nutzung des Gebäudes am Bahnhof nachdenken. Vorstellen kann sich der Oberbürgermeister stattdessen Fahrradparkplätze sowie einen Fahrradreparaturbetrieb.

Ideal neben dem Bike-Tower, der dort zur Gartenschau entstehen soll.

Fahrradboxen versetzt – der Bike-Tower kommt

Am Waiblinger Bahnhof wird ein Bike-Tower gebaut. Das Baugesuch ist eingereicht, derzeit wird der Bahnhofsvorplatz für den Bau vorbereitet. Dazu wurden die Fahrradboxen an ihren neuen Standort am Ausgang Ameisenbühl versetzt.

Verläuft alles nach Plan, soll mit dem Bau des Fahrradturms noch in diesem Jahr begonnen werden. Vor der Gartenschau soll der Probebetrieb gestartet werden, so Michael Seeger, Fachbereichsleiter Infrastruktur bei der Stadt.